Khashoggi-Mord Saudi-arabischer Funktionär soll Uno-Expertin mit dem Tod bedroht haben

In ihrem Bericht zum Fall Jamal Khashoggi hat Uno-Ermittlerin Agnès Callamard das saudische Königshaus schwer belastet. Als Reaktion habe es in einem offiziellen Meeting Todesdrohungen gegen sie gegeben.
Agnès Callamard (im Juni 2019)

Agnès Callamard (im Juni 2019)

Foto: FABRICE COFFRINI / AFP

Agnès Callamard war eine der Hauptermittlerinnen im Fall Jamal Khashoggi. Als Uno-Sonderberichterstatterin für außergerichtliche, standrechtliche oder willkürliche Hinrichtungen war sie verantwortlich für einen Bericht, der im Sommer 2019 die Tötung des saudi-arabischen Journalisten im Konsulat seines Heimatlandes in Istanbul beschreibt.

Nun hat Callamard in einem Interview mit dem britischen »Guardian«  umrissen, dass ihre Ermittlungen im saudi-arabischen Regime offenbar für großen Ärger gesorgt hatten. Immerhin hatte sie in dem Bericht erklärt, dass es »glaubhafte Beweise« dafür gebe, dass Kronprinz Mohammed bin Salman für die Tötung im Oktober 2018 verantwortlich sei. Zuletzt hatte auch Khashoggis Verlobte eine Bestrafung des Kronprinzen verlangt.

In dem Interview erklärt Callamard, dass ein hoher Vertreter des saudi-arabischen Regimes in einem Treffen mit anderen Uno-Vertretern zweimal Drohungen gegen sie ausgesprochen habe. Es würde sich »um sie gekümmert«, so der Saudi-Araber demnach, sollten die Vereinten Nationen Callamard nicht zurückpfeifen.

Ihre Kolleginnen und Kollegen bei dem Termin im Januar 2020 in Genf hätten die Aussage als »Todesdrohung aufgefasst«, erklärte Callamard dem »Guardian«. Andere Offizielle aus Saudi-Arabien hätten angesichts der entsetzten Reaktion der Uno-Vertreter versucht, die Aussage herunterzuspielen. Beim Verlassen des Sitzungsraums habe der Mann seine Drohung allerdings noch einmal wiederholt. Er kenne Leute, die »angeboten haben, sich um die Sache zu kümmern, wenn ihr das nicht tut«.

Tonaufnahmen lassen Details der Bluttat erkennen

Callamard hatte sich in ihrem Bericht vor allem auf Tonbänder gestützt, die der türkische Geheimdienst in dem Konsulat mitschnitt, der die Vertretung offenbar verwanzt hatte. Darauf sind unter anderem Kampfgeräusche zu hören und Khashoggi, der mit seinen späteren Mördern in Streit gerät.

Der Regimekritiker war von einem aus Riad eigens angereisten Spezialkommando ermordet worden, als er Papiere für seine Hochzeit abholen wollte. Das hat die saudi-arabische Führung nach internationalem Druck eingeräumt und elf Männer vor Gericht gestellt. Die Uno hielt den Prozess allerdings für eine Farce.

Callamard selbst verlässt die Uno in Kürze und wird künftig für Amnesty International arbeiten.

jok
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