Satellitenfotos zeigen Verwüstung Moria, vor und nach den Flammen

Wo Zelte und Hütten standen, ist alles verwüstet: Ein Feuer hat weite Teile des Flüchtlingslagers Moria vernichtet. Satellitenfotos zeigen es vor und nach dem Brand - und geben einen Eindruck von der Zerstörung.
Foto: European Space Imaging

Im Flüchtlingslager Moria auf Lesbos, wo 3000 Menschen unterkommen sollten, lebten zuletzt mehr als vier Mal so viele. Sie hausten unter unwürdigen Bedingungen, es fehlte an medizinischer Versorgung, die hygienischen Zustände waren katastrophal. Es gab erste Infektionen mit dem Coronavirus.

Dann kamen die Flammen. In der Nacht zu Mittwoch hat ein Großbrand weite Teile des Lagers zerstört, viele Tausend Menschen sind nun obdachlos. Die Hilfe läuft eher schleppend an, auch weil Europa der Wille fehlt, gemeinsam zu handeln (lesen Sie hier einen Kommentar).

Dabei macht die Zerstörung im Lager deutlich, wie dringend schnelle Unterstützung notwendig ist. Erste Bilder ließen das Ausmaß der Verwüstung erahnen. Nun liefern Aufnahmen des Satellitenbetreibers European Space Imaging einen erschreckenden Überblick. Sie lassen einen Vergleich darüber zu, wie das Lager vor dem Brand aussah - und wie hinterher.

Das Flüchtlingslager Moria vor (l.) und nach (r.) dem Großbrand: Verschieben Sie den Pfeil, um die Aufnahmen zu vergleichen
Das Flüchtlingslager Moria vor (l.) und nach (r.) dem Großbrand: Verschieben Sie den Pfeil, um die Aufnahmen zu vergleichen

Das Flüchtlingslager Moria vor (l.) und nach (r.) dem Großbrand: Verschieben Sie den Pfeil, um die Aufnahmen zu vergleichen

Foto: European Space Imaging / European Space Imaging

Das erste Foto wurde am 20. August aufgenommen, das zweite am 9. September, dem Tag nach dem Feuer.

Nach den Bränden wurden Stimmen zur raschen Evakuierung des Camps laut, dabei wuchs auch der Druck auf Kanzlerin Angela Merkel und Innenminister Horst Seehofer. In deutschen Großstädten forderten Tausende Demonstranten, Migranten in der EU und Deutschland aufzunehmen. SPD, FDP und Grüne drängten zu einer humanitären Reaktion, Unionsabgeordnete forderten in einem Brief die Aufnahme von Flüchtlingen nach Deutschland. Am Donnerstag dann erklärten Merkel und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, gemeinsam mit anderen EU-Staaten 400 Minderjährige aus Moria aufzunehmen.

Am Tag nach der Katastrophe irrten noch Hunderte Menschen auf den Feldern rund um Moria umher. Auch die Einheimischen sind verängstigt, sie fordern die Evakuierung aller Flüchtlinge, wollen am Donnerstagabend protestieren. Es haben sich bereits Bürgerwehren gebildet.

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Wie es konkret weitergeht für die obdachlosen Geflüchteten, in den nächsten Tagen und Wochen, wie und wo sie dauerhaft leben werden, ist nicht geklärt. Als erste Notlösung will die griechische Regierung einige Flüchtlinge auf Marineschiffen unterbringen, andere in neuen Zeltstädten. Doch alle werden mit diesen Maßnahmen nicht versorgt werden können (lesen Sie hier eine Reportage aus Lesbos).

mst/ulz
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