Myanmar Menschen aus Yangon flüchten vor Gewalt der Junta

In Myanmar sind seit dem Putsch mehr als 200 Menschen getötet worden, in der Stadt Yangon gilt das Kriegsrecht. Nun fliehen viele Einwohner. Thailand bereitet sich auf Zehntausende Schutzsuchende vor.
Demonstrierende in Yangon errichten mit Sandsäcken Straßenbarrikaden

Demonstrierende in Yangon errichten mit Sandsäcken Straßenbarrikaden

Foto: Getty Images

Die Militärjunta in Myanmar geht weiter brutal gegen Demonstrierende im Land vor – und hat so eine massive Fluchtbewegung aus der Handelsmetropole Yangon ausgelöst. Örtliche Medien veröffentlichten am Freitag Bilder von einem Megastau auf der Hauptverkehrsstraße im Norden von Yangon. Die Menschen wollten vor der Gewalt in ländlichere Regionen flüchten, hieß es. Auch das Nachbarland Thailand bereitet sich auf die Ankunft zahlreicher Schutzsuchender vor.

Militärs hatten am 1. Februar gegen die Zivilregierung von Aung San Suu Kyi geputscht, seither befindet sich Myanmar in Aufruhr. Die Junta schlägt Proteste Zehntausender Menschen mit Waffengewalt nieder. Nach Angaben der Gefangenenhilfsorganisation AAPP wurden bereits mehr als 2200 Menschen festgenommen, mindestens 224 wurden getötet. Die faktische Regierungschefin Suu Kyi, die die Parlamentswahl im November klar gewonnen hatte, wurde in Gewahrsam genommen und wird mehrerer Vergehen beschuldigt.

»Ich fühle mich nicht mehr sicher, in manchen Nächten kann ich nicht einmal schlafen«, sagte eine Bewohnerin von Yangon der Nachrichtenagentur AFP. »Ich habe Angst, dass als Nächstes das Schlimmste passiert«, fügte sie hinzu. In dem Stadtteil, in dem sie wohne, sei die Situation »sehr intensiv«. Sicherheitskräfte »nehmen die Menschen von der Straße weg«. Sie habe Bustickets gekauft, um in ihren Heimat-Bundesstaat im Westen Myanmars zurückzukehren.

»Es war zu qualvoll, zu bleiben«

Ein 29-jähriger Goldschmied aus Yangon berichtete AFP per Telefon, er habe die Stadt bereits verlassen. »Es war zu qualvoll, zu bleiben«, sagte er mit Blick auf das Vorgehen der Junta. Seit er die Stadt verlassen habe, fühle er sich »erleichtert und viel sicherer«. In sechs Stadtteilen von Yangon, der ehemaligen Hauptstadt Myanmars, verhängte die Junta in dieser Woche das Kriegsrecht. Fast zwei Millionen Menschen unterstehen damit praktisch der direkten Kontrolle des Militärs.

»Wir sind nirgendwo sicher, sie greifen die Leute einfach an«

Ein Bewohner aus Yangon

»Wir konnten letzte Nacht nicht schlafen, sie sind durch die Straßen gelaufen und haben die Menschen beschimpft und haben alles kaputt gemacht, was sie auf der Straße gesehen haben«, sagte ein 24-jähriger Anwohner im Viertel Thingangyun, dessen Auto von Soldaten zerstört wurde. »Wir sind nirgendwo sicher, sie greifen die Leute einfach an.«

Prominenter Sprecher von Aung San Suu Kyi festgenommen

Die landesweiten Proteste gegen die Generäle gingen derweil auch am Freitag weiter, jedoch wegen der zunehmenden Brutalität der Einsatzkräfte in kleinerem Rahmen. Lokale Medien im Shan-Staat berichteten von massiver Gewalt, bei der mindestens sechs Demonstranten getötet worden sein sollen. Die Junta hatte in der Nacht den Sprecher von Aung San Suu Kyis Regierungspartei Nationale Liga für Demokratie (NLD) festgenommen. Beobachtern zufolge wird befürchtet, dass gefoltert werden könnte. In den vergangenen Wochen waren bereits zwei NLD-Mitglieder kurz nach ihrer Inhaftierung gestorben.

Der indonesische Präsident Joko Widodo forderte am Freitag ein sofortiges Ende der Gewalt und rief die Regierungen der Region zu einem Gipfeltreffen der Vereinigung Südostasiatischer Staaten (Asean) auf. »Ich werde mit dem Sultan von Brunei als Vorsitzendem der Asean über die Möglichkeit eines Asean-Gipfels sprechen, um die Krise in Myanmar zu erörtern.« Anfang März gab es bereits ein Onlinetreffen der Außenminister der zehn Asean-Staaten zu der Gewalteskalation in Myanmar.

In der an Myanmar angrenzenden thailändischen Provinz Tak bereiteten die Behörden derweil Notunterkünfte für Asylsuchende vor. »Falls viele Myanmaren wegen einer dringenden Angelegenheit über die Grenze fliehen, haben wir Maßnahmen getroffen, um sie zu empfangen«, erklärte der Provinz-Gouverneur Pongrat Piromat. Seine Provinz sei in der Lage, zwischen 30.000 und 50.000 Menschen aufzunehmen. Etwa 90.000 Schutzsuchende aus Myanmar leben bereits in der durchlässigen Grenzregion.

mrc/dpa/AFP
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