Myanmar nach Putsch Militär schaltet erneut das Internet ab

Nach dem Militärputsch in Myanmar versuchen die Generäle offenbar, den Protest zu ersticken. Erst kam es Berichten zufolge zu Gewalt gegen Demonstranten, nun wurde erneut eine Internetsperre verhängt.
Sicherheitskräfte in Myanmar vor Demonstration (4. Februar): erst der Putsch, dann die Proteste

Sicherheitskräfte in Myanmar vor Demonstration (4. Februar): erst der Putsch, dann die Proteste

Foto: STRINGER / REUTERS

Nach dem Militärputsch in Myanmar gehen die Generäle weiter hart vor. Nach brutalen Übergriffen gegen friedliche Demonstranten schalteten die Militärs in der Nacht zum Dienstag erneut landesweit das Internet ab, wie Aktivisten berichten.

Am Montag hatten Zehntausende Menschen auf den Straßen des Landes gegen die neue Junta protestiert. Einsatzkräfte gingen erneut heftig gegen die Protestierenden vor. In der nördlichen Stadt Mandalay fielen Berichten zufolge Schüsse. Auch in vielen anderen Landesteilen trotzten Menschen den Drohungen der Armee. Sie forderten, die zivile Regierung von Aung San Suu Kyi wieder einzusetzen.

Bereits am Sonntag hatten Sicherheitskräfte in Myitkyina im Norden des Landes auf Teilnehmer einer Kundgebung geschossen. In Yangon waren am Wochenende Panzer aufgefahren, auch in anderen Landesteilen waren Militärfahrzeuge auf den Straßen präsent.

Schon in der Vergangenheit schlug das Militär, das das südostasiatische Land fast fünf Jahrzehnte lang mit eiserner Hand regiert hatte, jeden Widerstand brutal nieder. Erst vor zehn Jahren wurden zaghafte demokratische Reformen eingeleitet – bis zum Putsch  in der Nacht zum 1. Februar. Angeblicher Auslöser sollen Unregelmäßigkeiten bei der Parlamentswahl im November gewesen sein, die Suu Kyi klar gewonnen hatte. Im Zuge des Putsches setzte das Militär die frühere Freiheitsikone gemeinsam mit vielen weiteren Politikern fest. Die Friedensnobelpreisträgerin soll sich unter Hausarrest befinden.

Anhörung Aung San Suu Kyis verschoben

Eine für diesen Montag geplante gerichtliche Anhörung Suu Kyis wurde auf Mittwoch verschoben, berichtet das Nachrichtenportal »Frontier Myanmar«. Die Anhörung soll offenbar per Videoschalte erfolgen. Ob Suu Kyi anschließend freikommt, gilt als fraglich.

Ihr wird vorgeworfen, gegen die Einfuhrgesetze des Landes verstoßen zu haben. Bei einer Hausdurchsuchung kurz nach dem Putsch sollen Funkgeräte in ihrem Haus gefunden worden sein. Es werde geprüft, ob diese illegal ins Land gebracht worden seien, hieß es. Der ebenfalls festgenommene Staatspräsident Win Myint wird beschuldigt, gegen Corona-Auflagen verstoßen zu haben. Berichten zufolge drohen beiden Politikern bis zu drei Jahre Haft.

In Myanmar wurden nach Angaben von Menschenrechtlern seit dem Putsch mindestens 426 Menschen festgenommen. Von diesen seien 391 weiterhin hinter Gittern, heißt es in einer Erklärung der Organisation zur Unterstützung politischer Gefangener AAPP.

asa/dpa