Nach Feiern im Lockdown Alkohol in Downing Street nur noch bei formellen Treffen erlaubt

Ein Untersuchungsbericht hat gezeigt, dass im britischen Regierungssitz während des Corona-Lockdowns exzessiv gefeiert wurde. Jetzt soll es dort Alkohol nur noch zu besonderen Anlässen geben.
Premierminister Boris Johnson: Alkohol im Regierungssitz nur noch in Ausnahmefällen

Premierminister Boris Johnson: Alkohol im Regierungssitz nur noch in Ausnahmefällen

Foto: Andy Rain / EPA

Nach den illegalen Feiern in der Downing Street während der Coronapandemie soll Alkohol im britischen Regierungssitz in Zukunft weitgehend verboten sein. Premierminister Boris Johnson erließ am Donnerstag dazu neue Regeln, wie ein Sprecher in London mitteilte.

Demnach ist Mitarbeitern vor Ort kein Alkoholkonsum gestattet. Die einzige Ausnahme sind formelle Veranstaltungen, also etwa Besuche von führenden internationalen Politikern. »Soziale Events« seien Mitarbeitern weiterhin erlaubt – aber nur unter den neuen Regeln.

Ein am Mittwoch veröffentlichter Untersuchungsbericht hatte aufgezeigt, dass es im Regierungssitz während des Corona-Lockdowns wiederholt zu Feiern mit exzessivem Alkoholkonsum kam. Per E-Mail gab es demnach regelmäßig Einladungen zu »Wine Time Fridays«, also »Weinzeit-Freitagen«.

Wein, Käse, schönes Wetter

Auf einem Foto vom Mai 2020 etwa sah man Premierminister Johnson mit etwa 20 Mitarbeitern, wie sie im Mai 2020 im Garten von Downing Street Wein trinken und Käse essen. Im damaligen strengen Lockdown waren solche Zusammenkünfte, auch im Freien, verboten.

Der Bericht führt auch an, dass Johnsons Büroleiter Martin Reynolds in einer Mail etwa hundert Mitarbeiter auf einen »Umtrunk mit Abstand« in den Garten des Amtssitzes einlud, um »das schöne Wetter zu nutzen«. Rund 40 Menschen folgten der Einladung zum Picknick, unter ihnen auch der Premier.

Diese und weitere Feiern seien von Verantwortlichen angeregt, geplant und vertuscht worden, so der Untersuchungsbericht. Die Polizei schloss ihre Ermittlungen zu dem Skandal im Mai 2022 ab. Insgesamt wurden 126 Bußgelder gegen 83 Beteiligte verhängt.

Johnson hatte angekündigt, er übernehme die volle Verantwortung für die Lockdown-Feiern im Regierungssitz. Zugleich distanzierte er sich von den Vorfällen. Die »Arbeitstreffen«, als die er die Veranstaltungen eingeschätzt habe, seien erst aus dem Ruder gelaufen, nachdem er gegangen sei.

Johnsons Sprecher sagte nun zu den neuen Regeln: »Die Leitlinien stellen klar, dass ein übermäßiger Alkoholkonsum oder ein Konsum, der das Urteilsvermögen beeinträchtigt, nicht angemessen ist.«

taf/AFP/dpa