Nach Kritik von Innenministerin Faeser WM-Gastgeber Katar bestellt deutschen Botschafter ein

Es sei »total schwierig« für die Bundesregierung, dass Katar den Zuschlag für die WM erhalten habe: Nach Kritik am WM-Gastgeberland will Nancy Faeser am Montag in das Emirat reisen – es soll auch um Menschenrechte gehen.
DFB-Präsident Bernd Neuendorf und Nancy Faeser im Juli 2022 bei der Fußball-EM der Frauen in England

DFB-Präsident Bernd Neuendorf und Nancy Faeser im Juli 2022 bei der Fußball-EM der Frauen in England

Foto: Sebastian Gollnow / dpa

WM-Gastgeber Katar hat nach kritischen Äußerungen von Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) den deutschen Botschafter einbestellt. Dieser sei am Freitag ins Außenministerium in Doha geladen worden, hieß es aus dem Auswärtigen Amt. Katar habe ihm eine Protestnote überreicht, berichtete die katarische Nachrichtenagentur QNA. Darin habe der Golfstaat seine Enttäuschung über Faesers Worte zum Ausdruck gebracht. Katar verurteile ihre Äußerungen aufs Schärfste, die vor allem angesichts der »ausgezeichneten Beziehungen« beider Länder gegen diplomatische Normen verstoßen würden.

Faeser hatte in den vergangenen Tagen die Vergabe der Weltmeisterschaft an Katar mehrmals kritisiert – zunächst im SPIEGEL, dann auch beim ARD-Magazin »Monitor«. Dass die WM dort stattfinde, sei für die Bundesregierung »total schwierig«, sagte Faeser. »Es gibt Kriterien, an die sich gehalten werden muss, und dann wäre es besser, dass das nicht in solche Staaten vergeben wird.« Später ergänzte sie, dass bei der Vergabe internationaler Sportveranstaltungen künftig stärker als bisher auf menschenrechtliche Aspekte geschaut werden sollte.

Der WM-Gastgeber steht regelmäßig wegen Menschenrechtsverstößen in der Kritik, dabei geht es vor allem um die Situation von Gastarbeitern. Der Emir von Katar, Tamim bin Hamad Al Thani, hatte in dieser Woche beklagt, das Land sehe sich einer beispiellosen Kampagne ausgesetzt, die noch kein Gastgeberland jemals erlebt habe.

Faeser und ihre Delegation, zu der auch Bernd Neuendorf als Präsident des Deutschen Fußball-Bundes zählt, wollen am kommenden Montag zu einem zweitägigen Besuch in das Golfemirat reisen. Das Auswärtige Amt äußerte sich nicht dazu, ob die Reise, während der auch Treffen mit dem Premier- und Innenminister, Chalid bin Chalifa Al Thani, sowie den Organisatoren der WM vorgesehen sind, trotz der katarischen Verstimmung wie geplant stattfinden kann. Die WM in Katar findet vom 20. November bis 18. Dezember statt.

Faeser will auf ihre Reise auch den Eventmanager Bernd Reisig von der Initiative »Liebe kennt keine Pause – gegen Homophobie in Katar« mitnehmen. Die Gruppe setzt sich dafür ein, dass WM-Gäste ihre Sexualität ausleben dürfen, ohne kriminalisiert zu werden. Homosexuelle Handlungen sind in Katar verboten, es drohen mehrere Jahre Haft.

aeh/dpa/afp
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.