Im Straflager »Nach dem Besuch bei Alexej sorge ich mich noch mehr um ihn«

Trotz gesundheitlicher Probleme will Alexej Nawalny seinen Hungerstreik nicht aufgeben. Seine Frau Julija Nawalnaja bangt um ihn. Die Gefängnisverwaltung verweigert weiterhin ärztliche Versorgung, sagt sie.
Alexej Nawalnys gesundheitlicher Zustand verschlechtert sich (Archivbild)

Alexej Nawalnys gesundheitlicher Zustand verschlechtert sich (Archivbild)

Foto: Alexander Zemlianichenko / dpa

Der in einem russischen Straflager inhaftierte Kremlgegner Alexej Nawalny hat erstmals seit Wochen seine Frau Julija wiedergesehen. Sie postete am Dienstag bei Instagram ein Foto von sich , auf dem im Hintergrund das rund hundert Kilometer östlich von Moskau gelegene Lager zu sehen ist. Bei dem Treffen, getrennt durch eine Glasscheibe, habe Nawalny Schwierigkeiten gehabt zu sprechen und sich zum Ausruhen immer wieder auf einen Tisch gelegt, schrieb Nawalnaja. Die Gefängnisverwaltung verweigere ihrem im Hungerstreik befindlichen Mann weiterhin ärztliche Versorgung. Dabei gelte auch für Häftlinge: »Jeder Mensch hat das Recht, einen Arzt aufzusuchen.«

»Ich weiß, dass er nicht aufgeben wird«, schrieb Nawalnaja. »Aber nach dem Besuch bei Alexej, sorge ich mich noch mehr um ihn.« Laut Nawalnaja wiegt der 1,89 Meter große Oppositionelle derzeit 76 Kilogramm – neun Kilogramm weniger als zu Beginn seines Hungerstreiks vor zwei Wochen und 17 Kilogramm weniger als vor seiner Verlegung ins Straflager im Februar.

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Der 44-Jährige befindet sich aus Protest gegen die Zustände im Straflager im Hungerstreik. Nawalny beklagt, er erhalte trotz eines Rückenleidens, Lähmungserscheinungen in den Gliedmaßen, Fiebers und Hustens keine angemessene ärztliche Hilfe. Er reichte zudem Klage gegen die Gefängnisverwaltung ein, weil er noch keine Bücher bekommen habe, hieß es auf Nawalnys Instagram-Seite . Insbesondere sei ihm ein mitgebrachter Koran vorenthalten worden. Begründung: Das in Russland erlaubte Buch müsse auf extremistische Inhalte überprüft werden. Das sei ein Gesetzesverstoß.

Das bis dato letzte Mal hatte Nawalny seine Frau im Januar in einem Gerichtssaal in Moskau gesehen – ebenfalls hinter einer Glasscheibe. Er war zu mehrjähriger Haft im Straflager verurteilt worden, weil er in einem früheren Verfahren gegen Bewährungsauflagen verstoßen haben soll, während er sich in Deutschland von dem Mordanschlag auf ihn mit dem Nervengift Nowitschok erholte. Das Verfahren steht im Westen als politisch motiviert in der Kritik.

Nawalnaja überschrieb ihren Beitrag bei Instagram mit »Ein Post über die Liebe«. Darin schwärmt sie nach ihrem »Date« mit Nawalny in dem Straflager, er sei einfach der Beste. »Er kommt wieder in Ordnung.«

kim/dpa/AFP