Nach Tod von George Floyd Polizeichef von Minneapolis verspricht Reformen

Die Polizei in Minneapolis kündigt nach dem gewaltsamen Tod von George Floyd umfassende Neuerungen an. Der Polizeichef will Mitarbeiter nach Fehlverhalten leichter entlassen können. Präsident Trump hat eigene Reformpläne.
Medaria Arradondo, Polizeichef von Minneapolis

Medaria Arradondo, Polizeichef von Minneapolis

Foto: Jim Mone/ dpa

Nach dem Tod von George Floyd bei einem brutalen Polizeieinsatz in Minneapolis hat der Polizeichef der US-Stadt umfangreiche Reformen versprochen. In einem ersten Schritt wolle er sicherstellen, dass Polizisten bei Fehlverhalten leichter entlassen werden könnten, sagte Polizeichef Medaria Arradondo. Er wolle außerdem neue Systeme einführen, die dabei helfen sollten, frühe Warnzeichen von Fehlverhalten zu erkennen und dagegen vorzugehen.

Gegen den weißen Polizisten, der Floyd sein Knie fast neun Minuten lang in den Nacken drückte, waren US-Medienberichten zufolge 17 Beschwerden in seinen fast 20 Dienstjahren eingereicht worden.

"Es wird viele weitere Reformen geben", sagte Arradondo. "Es wird Zeit kosten, und es wird harte Arbeit werden." Arradondo drückte den Angehörigen Floyds, der am Dienstag in Houston beigesetzt worden war, erneut sein Mitgefühl aus. Der Polizeichef fügte hinzu, zahlreiche seiner Mitarbeiter hätten ihm gegenüber zum Ausdruck gebracht, dass sie nicht so seien wie der inzwischen des Mordes angeklagte Polizist, dessen Namen er sich auszusprechen weigere. Arradondo ist der erste schwarze Polizeichef von Minneapolis im Bundesstaat Minnesota.

Stadtrat will neue Organisation für öffentliche Sicherheit

Bereits am Sonntag hatte eine Mehrheit des Stadtrats in Minneapolis Medienberichten zufolge  dafür plädiert, die örtliche Polizei durch eine neue Organisation für öffentliche Sicherheit abzulösen. Einen genauen Plan für eine solche Organisationsform legten sie allerdings nicht vor.

Der Bürgermeister der Stadt, Jacob Frey, hatte sich gegen eine Abwicklung der örtlichen Polizei ausgesprochen und stattdessen für Reformen geworben. Arradondo sagte, natürlich könnten gewählte Vertreter solche Diskussion führen. "Aber bis es einen robusten Plan gibt, der die Sicherheit der Einwohner garantiert, werde ich sie nicht im Stich lassen."

Floyd war wegen des Verdachts, mit einem falschen 20-Dollar-Schein bezahlt zu haben, festgenommen worden. Arradondo sagte, das hätte niemals zum Tod des 46-Jährigen führen dürfen. Seit seinem Tod ist es in Minneapolis und im ganzen Land zu Massenprotesten gegen Polizeigewalt, Rassismus und Diskriminierung gekommen.

Konsequenzen forderte auch George Floyds Bruder bei seiner Rede vor dem US-Kongress. "Es liegt an Ihnen, sicherzustellen, dass sein Tod nicht umsonst ist", sagte Philonise Floyd in einer emotionalen Ansprache vor dem Justizausschuss des Repräsentantenhauses. Er berichtete von großer Trauer. "Ich kann Ihnen nicht sagen, welche Art von Schmerz man fühlt, wenn man so etwas sieht. Wenn man seinen großen Bruder beobachtet, zu dem man sein ganzes Leben lang aufgeschaut hat, wie er stirbt. Stirbt und dabei nach seiner Mutter ruft."

Ich frage Sie, ist es das, was ein Schwarzer wert ist? Zwanzig Dollar?

Philonise Floyd

"Ich bin hier, um Sie zu bitten, beenden Sie es. Beenden Sie den Schmerz", sagte Philonise Floyd. "Seien Sie die Anführer, die dieses Land, diese Welt braucht. Tun Sie das Richtige", erklärte der 42-Jährige, der während seiner Aussage gegen Tränen ankämpfte. George Floyd sei ein freundlicher, milder Mann gewesen. Er hätte an diesem Tag niemandem etwas zuleide getan. "Er hatte es nicht verdient, wegen zwanzig Dollar zu sterben. Ich frage Sie, ist es das, was ein Schwarzer wert ist? Zwanzig Dollar?", sagte sein Bruder.

Vor dem Ausschuss sagten auch Bürgerrechtler aus, die tiefgreifende Änderungen verlangten. Am Abend kündigte außerdem US-Präsident Donald Trump an, dass er Pläne für eine Polizeireform vorlegen wolle. Die Sprecherin des Weißen Hauses sagte, Trump habe die vergangenen zehn Tage damit zugebracht, an Vorschlägen zu arbeiten, die bei den Protesten nach Floyds Tod thematisiert worden seien. Man hoffe, die Pläne in den kommenden Tagen vorzulegen.

kfr/dpa/Reuters