Eskalation um Jerusalem Israel und Gaza erleben Nacht der Gewalt

Raketen über Jerusalem, Bomben auf den Gazastreifen: Nach tagelangen Ausschreitungen ist die Lage in Israel weiter eskaliert. Premier Benjamin Netanyahu warnte vor einem langen Konflikt.
Raketenabwehrsystem »Eiserne Kuppel« fängt Geschosse aus dem Gazastreifen ab

Raketenabwehrsystem »Eiserne Kuppel« fängt Geschosse aus dem Gazastreifen ab

Foto: MAHMUD HAMS / AFP

International wird die jüngste Eskalation in Israel und im Gazastreifen scharf verurteilt. Genützt haben die Appelle zu Mäßigung und Gewaltverzicht wenig, auch in der Nacht kam es zu weiteren Übergriffen. Nach Angaben der israelischen Armee  feuerte die radikal-islamische Hamas insgesamt rund 150 Raketen auf Israel ab, davon seien Dutzende von der Raketenabwehr »Eiserne Kuppel« abgefangen worden. Über Opfer gibt es noch keine Angaben. Man stehe seit »zehn Stunden unter Raketenbeschuss«, erklärten die Streitkräfte auf Twitter.

Im Gegenzug bombardierte die israelische Luftwaffe Ziele im von der Hamas kontrollierten Gazastreifen. Dabei wurden laut dem Gesundheitsministerium der Hamas insgesamt 20 Palästinenser getötet, darunter neun Kinder. Zudem hätten 95 Menschen im Gazastreifen Verletzungen erlitten. Israel sprach von acht toten Hamas-Aktivisten.

Nach schweren Zusammenstößen auf dem Tempelberg in Jerusalem hatte die Hamas zuvor einen Abzug israelischer Sicherheitskräfte gefordert. Als Israel dem nicht nachkam, begann kurz nach 18 Uhr Ortszeit der massive Raketenbeschuss. Ein Hamas-Sprecher sagte, die Raketen seien eine »Botschaft« an den Feind Israel. Es handele sich um eine »Reaktion auf seine Verbrechen und Aggression gegen die heilige Stadt« sowie auf Israels Vorgehen auf dem Tempelberg und in Scheich Dscharrah. Zu den Angriffen bekannte sich auch die Gruppe »Islamischer Dschihad«.

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu drohte den militanten Palästinenserorganisationen eine harte Reaktion an. Die israelischen Bürger müssten sich darauf einstellen, dass der gegenwärtige Konflikt länger dauern könnte, sagte er.

Erneute Ausschreitungen auf dem Tempelberg

In Ostjerusalem war es am Montag erneut zu schweren Zusammenstößen zwischen israelischen Sicherheitskräften und Palästinensern gekommen. Vor der al-Aksa-Moschee setzten Polizisten Blendgranaten, Tränengas und Gummigeschosse gegen Steine werfende Palästinenser ein. Palästinensische Rettungskräfte sprachen von mehr als 300 Verletzten. Nach Angaben der Polizei wurden fast zwei Dutzend Beamte verletzt.

Der Tempelberg mit dem Felsendom und der Aksa-Moschee ist für Juden wie Muslime von herausragender Bedeutung. Es ist die drittheiligste Stätte im Islam.

Die Lage im Westjordanland und im arabisch geprägten Ostteil Jerusalems ist seit Beginn des muslimischen Fastenmonats Ramadan angespannt. Viele Palästinenser sind zornig, weil die Polizei Bereiche der Altstadt abgesperrt hatte, um Versammlungen zu verhindern. Zudem drohen einigen palästinensischen Familien im Stadtteil Scheich Dscharrah Wohnungsräumungen durch israelische Behörden. Dies verschärfte die Spannungen.

Maas: »Sinnlose neue Eskalation«

Die USA und Großbritannien verurteilten die palästinensischen Raketenangriffe. US-Außenminister Antony Blinken äußerte sich »zutiefst besorgt« über die Raketenangriffe aus dem Küstengebiet. »Auch wenn alle Seiten Schritte zur Deeskalation unternehmen (müssen), hat Israel natürlich das Recht, sein Volk und Territorium vor diesen Angriffen zu schützen.« Letztlich müssten aber sowohl Palästinenser als auch Israelis dazu beitragen, die Spannungen zu reduzieren.

Auch Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) hat die Angriffe verurteilt. »Raketenbeschuss auf die israelische Zivilbevölkerung ist durch nichts zu rechtfertigen – und erst recht kein Beitrag zur Lösung des Konflikts, sondern sinnlose neue Eskalation«, schrieb Maas am Montagabend bei Twitter. »Alle Seiten stehen in der Pflicht, weitere Opfer unter Zivilisten zu verhindern.«

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Twitter, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Uno-Generalsekretär António Guterres warnte vor einer Eskalationsspirale, verurteilte laut einem Sprecher den Abschuss von Raketen aus dem Gazastreifen »aufs Schärfste« und forderte von Israelis und Palästinensern »maximale Zurückhaltung«. Die Uno betonten erneut ihre »tiefe Besorgnis« über die mögliche Vertreibung von palästinensischen Familien aus dem Stadtteil Scheich Dscharrah im »besetzten Ostjerusalem«.

Eine Sitzung des Uno-Sicherheitsrats endete Diplomaten zufolge aufgrund des Widerstands der USA ohne eine gemeinsame Stellungnahme, die die Gewalt verurteilt und Besorgnis über mögliche Vertreibungen ausgedrückt hätte.

jok/kim/dpa/AFP/Reuters
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.