Nahostkonflikt Israel beschießt Haus des Hamas-Anführers – und aus Gaza fliegen erneut Raketen

Israel hat nach massiven Raketenangriffen der Hamas die Häuser mehrerer Milizenführer attackiert, die Antwort aus Gaza folgte prompt. Der Uno-Sicherheitsrat bespricht den Konflikt an diesem Sonntag.
Palästinensische Autonomiegebiete, Chan Junis: Raketen werden im südlichen Gazastreifen in Richtung Israel abgefeuert

Palästinensische Autonomiegebiete, Chan Junis: Raketen werden im südlichen Gazastreifen in Richtung Israel abgefeuert

Foto: Yousef Mohammed / dpa

Nach dem massiven Raketenangriff militanter Palästinenser auf den Großraum Tel Aviv hat Israels Militär seine Attacken auf Personen aus dem Hamas-Führungszirkel verstärkt.

Die Luftwaffe beschoss laut Armee das Haus von Jihia al-Sinwar, Chef des politischen Flügels der radikalislamischen Hamas. Ob er überlebt hat, ist unklar. Das Gebäude habe als »militärische Infrastruktur der Terrororganisation Hamas« gedient. Auch die Häuser Raed Saads, Chef für Spezialeinsätze, und weiterer Kommandeure seien beschossen worden.

In der Nacht zu Sonntag feuerte die Palästinenserorganisation Hamas nach Angaben des israelischen Militärs dann weitere Raketen auf Israel ab. Ein »schwerer Hagel von Raketen« sei vom Gazastreifen aus auf die Mitte und den Süden Israels abgeschossen worden, twitterte die Armee.

Am Samstag hatten militante Palästinenser im Gazastreifen bereits dreimal kurz hintereinander Raketen auf die Küstenmetropole Tel Aviv geschossen. In der Nachbarstadt Ramat Gan starb nach Angaben von Sanitätern ein etwa 50 Jahre alter Mann beim Einschlag einer Rakete. Nach Angaben der österreichischen Botschafterin in Israel, Hannah Liko, schlug die Rakete unweit der diplomatischen Vertretung ein.

14-stöckiges Haus zerstört

Israels Luftwaffe zerstörte kurz darauf ein 14-stöckiges Hochhaus im Gazastreifen, in dem Medienunternehmen wie Associated Press (AP) ihre Büros hatten. Die Hamas habe das Gebäude auch für militärische Zwecke genutzt, begründete Israels Armee den Angriff.

US-Präsident Joe Biden zeigte sich nach dem Angriff in einem Telefonat mit Israels Regierungschef Benjamin Netanyahu besorgt über »die Sicherheit von Journalisten« in dem Konflikt, wie das Weiße Haus mitteilte.

DER SPIEGEL

Angesichts der Eskalation kommen die EU-Außenminister am Dienstag zu einer Krisensitzung zusammen. Bei der Videokonferenz werde es darum gehen, wie »die EU am besten zu einem Ende der derzeitigen Gewalt beitragen« könne, teilte der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell am Sonntag via Twitter mit. Die Zahl der zivilen Opfer durch die gegenseitigen Angriffe bezeichnete er als »inakzeptabel«.

Uno-Generalsekretär António Guterres reagierte entsetzt auf den israelischen Angriff. Sein Sprecher Stephane Dujarric teilte in New York mit, Guterres sei »zutiefst beunruhigt« über die Zerstörung eines Hochhauses in Gaza-Stadt.

Er sei zudem »bestürzt« über die steigende Zahl von zivilen Opfern, einschließlich des Todes von zehn Mitgliedern einer Familie, darunter Kinder, nach einem israelischen Luftangriff auf das Flüchtlingslager Schati im Westen von Gaza.

Sicherheitsrat tagt

Guterres erinnerte alle Seiten daran, jeder willkürliche Angriff auf zivile und mediale Strukturen verstoße gegen das Völkerrecht. Der Uno-Sicherheitsrat beschäftigt sich Sonntagnachmittag bereits zum dritten Mal mit dem neu aufgeflammten Konflikt.

Trotz internationaler Vermittlungsversuche hält die schwerste Gewalteskalation seit Jahren zwischen Israel und Palästinensern seit Tagen an. Seit Beginn der Eskalation am vergangenen Montag feuerten radikale Palästinenser nach Armeeangaben rund 2900 Raketen auf Israel ab. Israels Armee unternahm demnach mindestens 650 Angriffe in dem dicht besiedelten Küstengebiet.

Nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Gaza wurden dort bislang 174 Menschen getötet und 1200 verletzt. Wie der Rettungsdienst Magen David Adom mitteilte, kamen in Israel durch den Raketenbeschuss der vergangenen Tage zehn Menschen ums Leben, Hunderte wurden verletzt.

Eine Verständigung ist nicht in Sicht. Israel setzt offenkundig darauf, die palästinensischen Kämpfer nachhaltig zu schwächen, bevor die Armee ihre Angriffe zurückfährt. Und die Hamas, von Israel, den USA und der EU als terroristische Vereinigung eingestuft, denkt nicht daran, den Raketenbeschuss einzustellen.

Der Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern hatte sich während des muslimischen Fastenmonats Ramadan und nach der Absage der palästinensischen Parlamentswahl zugespitzt. Als Auslöser gelten auch Polizeiabsperrungen in der Jerusalemer Altstadt, die viele junge Palästinenser als Demütigung empfanden.

Hinzu kamen Auseinandersetzungen von Palästinensern und israelischen Siedlern im Jerusalemer Viertel Scheich Dscharrah wegen drohender Zwangsräumungen sowie heftige Zusammenstöße auf dem Tempelberg.

jpz/dpa/AFP/AP
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