Nahostkonflikt Israel und Hamas einigen sich auf Waffenruhe

Nach schweren Kämpfen zwischen Israel und der radikalislamischen Hamas haben sich die Konfliktparteien auf einen Waffenstillstand verständigt. Dieser trat am Freitagmorgen in Kraft.
Luftangriffe zerstörten eine Reihe von Häusern in Gaza

Luftangriffe zerstörten eine Reihe von Häusern in Gaza

Foto: Fatima Shbair / Getty Images

Im Nahostkonflikt haben sich Israel und die radikalislamische Hamas auf eine Waffenruhe geeinigt – die seit der Nacht zum Freitag offiziell gilt. Im Gazastreifen wurden nach Angaben von Journalisten der Nachrichtenagentur AFP direkt nach dem offiziellen Inkrafttreten der Feuerpause um 02.00 Uhr (Ortszeit) Freudenschüsse abgefeuert. Auf der israelischen Seite waren weder Sirenen noch Geräusche von Raketen oder anderen Geschossen zu hören.

Beide Seiten folgten damit einem Vorschlag Ägyptens, das zwischen den Kontrahenten vermittelt hatte. Das ägyptische Staatsfernsehen berichtete von einer erfolgreichen Mediation der Regierung in Kairo. Zwei ägyptische Delegationen sollen nach Angaben von Diplomaten in den palästinensischen Gebieten und in Tel Aviv auf die Wahrung der Feuerpause achten und die »Verfahren überwachen, um dauerhaft stabile Beziehungen zu erhalten«.

Der Konflikt zwischen Israel und militanten Palästinensern war in den vergangenen Wochen eskaliert. Einer der Auslöser war die drohende Zwangsräumung palästinensischer Wohnungen in Ostjerusalem. Nach Ausschreitungen an der al-Aksa-Moschee schoss die Hamas Raketen aus dem Gazastreifen nach Israel, das israelische Militär antwortete mit Luftangriffen.

Seit Beginn der Gefechte am 10. Mai wurden nach palästinensischen Angaben im Gazastreifen 232 Menschen getötet. In Israel gab es den Behörden zufolge zwölf Todesopfer. Im Gazastreifen hatten die Kämpfe die ohnehin extrem angespannte humanitäre Situation noch weiter verschärft.

Zuletzt gab es nach intensiven internationalen Bemühungen vorsichtige Anzeichen für eine möglicherweise bevorstehende Waffenruhe. US-Präsident Joe Biden hatte am Mittwoch in einem Telefonat mit Premier Netanyahu auf eine sofortige Deeskalation gedrungen. Dieser hatte den Vorstoß aus Washington zunächst noch zurückgewiesen.

Entsprechend erleichtert reagierte die US-Regierung auf die nun erklärte Waffenruhe. »Wir glauben, dass die Israelis ihre selbstgestellten, signifikanten militärische Ziele erreicht haben, um ihre Bevölkerung zu schützen und auf die Tausenden Raketenangriffe der Hamas zu reagieren«, sagte die Sprecherin des Weißen Hauses, Jen Psaki. Biden selbst nannte die Entwicklung eine »echte Chance« auf einen Friedensprozess in der Region.

Rund 4000 Raketen in weniger als zwei Wochen

Bis zum Eintritt einer Waffenruhe gehen die Kämpfe aber offenbar weiter. Direkt nach der Mitteilung über Israels Entscheidung für eine Waffenruhe gab es erneut Raketenalarm in den israelischen Grenzorten am Rande des Gazastreifens.

Der jüngste Gewaltausbruch war die schwerste Eskalation in dem Dauerkonflikt seit einigen Jahren gewesen. Seit Beginn der neuen Kämpfe hatten militante Palästinenser nach Armeeangaben rund 4000 Raketen auf israelische Ortschaften abgefeuert. Israels Luftwaffe beschoss daraufhin nach Militärangaben mehr als 1000 Ziele im Gazastreifen.

hba/jok/dpa/Reuters/AFP
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