Eskalation im Nahen Osten Israels Armee fliegt neue Luftangriffe

Die israelische Armee bombardiert das Tunnelsystem der Hamas, die aus dem Gazastreifen weiter Raketen auf Israel schießt. Zehntausende Palästinenser fliehen aus ihren Häusern.
Explosion im Gazastreifen: Die israelische Armee hat ihre massiven Angriffe in der Nacht fortgesetzt

Explosion im Gazastreifen: Die israelische Armee hat ihre massiven Angriffe in der Nacht fortgesetzt

Foto: Bashar Taleb / AFP

Auch eine Woche nach Beginn der jüngsten Eskalation ist im Nahostkonflikt keine Entspannung der Lage in Sicht. Angaben der israelischen Armee zufolge sind in den vergangenen sieben Tagen rund 3150 Raketen aus dem Gazastreifen in Richtung Israel abgefeuert worden. Israel setzt seine massiven Angriffe auf das Palästinensergebiet derweil fort.

Eigenen Angaben zufolge hat das israelische Militär erneut das Tunnelsystem der islamistischen Hamas im Gazastreifen angegriffen. 54 Kampfflugzeuge hätten rund 35 Ziele im Laufe der Nacht beschossen, teilte die Armee am Montagmorgen mit. Dabei seien etwa 15 Kilometer des sogenannten Metrosystems attackiert worden. Es handelte sich demnach um die dritte Angriffswelle, die gegen das Tunnelnetz gerichtet war.

Wie Israels Armee mitteilte, hatte die Hamas das System über Jahre aufgebaut. Es dient unter anderem dem Schutz von Kämpfern und deren schneller Verlegung. Die »Metro« liegt zu großen Teilen unter der Stadt Gaza im Norden des Gazastreifens. Ein Sprecher bezeichnete sie als »Stadt unter der Stadt«.

Ein Ziel der Israel Defence Forces (IDF) in dem jüngsten Konflikt ist es, wichtige Infrastruktureinrichtungen der im Gazastreifen herrschenden Hamas zu zerstören. In der vergangenen Nacht wurden zudem erneut Wohnorte von wichtigen Hamas-Vertretern beschossen.

DER SPIEGEL

Die israelische Armee erklärte in der Nacht, Kampfjets bombardierten im Gazastreifen »Terrorziele«. Die massiven Luftangriffe haben aber auch verheerende Folgen für die Zivilbevölkerung in dem Palästinensergebiet.

Zehntausende Palästinenser haben ihre Häuser verlassen

Rund 42.000 Palästinenser haben wegen der anhaltenden Attacken Israels auf das Küstengebiet ihre Häuser verlassen. Sie suchten Schutz in 50 Schulen des Uno-Palästinenserhilfswerks (UNRWA) im Gazastreifen, wie ein Sprecher der Organisation mitteilte. Mehr als 2500 Menschen sind nach der Zerstörung ihrer Häuser obdachlos geworden.

Zeitgleich geht auch der Beschuss aus dem Gazastreifen auf Israel weiter. In mehreren Orten ertönten in der Nacht der Armee zufolge Warnsirenen.

Bei der jüngsten Gewaltwelle im Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern sind mittlerweile mehr als 200 Menschen gestorben. Seit vergangenem Montag wurden zehn Israelis getötet, weitere 280 wurden verletzt. Auf palästinensischer Seite starben mindestens 197 Menschen, darunter mindestens 58 Kinder. Mehr als 1200 Menschen wurden dort verletzt.

Internationale Vermittlungsbemühungen bislang erfolglos

Trotz der anhaltenden Gewalt blieben internationale Bemühungen um eine Waffenruhe bisher erfolglos. Uno-Generalsekretär António Guterres warnte bei einer Dringlichkeitssitzung des Uno-Sicherheitsrats in New York vor unkontrollierbaren Folgen des Konflikts für den gesamten Nahen Osten.

Angesichts der zunehmenden Gewalt mit vielen Toten beriet sich am Wochenende auch US-Außenminister Antony Blinken mit seinem saudischen Amtskollegen Faisal bin Farhan al-Saud. Dem US-Außenministerium zufolge ging es dabei vor allem um die fortlaufenden Bemühungen, die Spannungen in Israel, im Westjordanland und im Gazastreifen abzubauen und die Gewalt zu beenden.

»Unsere Kampagne gegen die Terrororganisationen wird mit voller Wucht fortgesetzt«, sagte hingegen Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu am Sonntag. Die Armee habe bislang mehr als 1500 Ziele im Gazastreifen attackiert. Der Einsatz »werde noch einige Zeit dauern«.

Der jüngste Konflikt eskalierte während des Versuchs zur Bildung einer Regierung in Israel. Der bisherige Oppositionsführer Jair Lapid warf Netanyahu vor, den Konflikt dafür zu nutzen, seinen Verbleib im Amt zu sichern. Der Ministerpräsident widersprach. Ihm war es zuvor nicht gelungen, eine Mehrheit für eine Koalition zu schmieden, sodass der Auftrag zur Regierungsbildung Lapid zufiel.

asc/dpa/AFP