Nahostkonflikt USA verurteilen Erdoğans Äußerungen über Israel als »antisemitisch«

Die Regierung von Joe Biden hat die Aussagen des türkischen Präsidenten zu Israel in scharfen Worten zurückgewiesen. In der Nacht gingen die Kämpfe in Nahost weiter – eine Waffenruhe ist nicht in Sicht.
Rakete über Gaza-Stadt: Gefechte gehen in den zehnten Tag

Rakete über Gaza-Stadt: Gefechte gehen in den zehnten Tag

Foto: MOHAMMED SABER / EPA

Die USA und die Türkei sind Nato-Partner. Trotzdem kommt es zwischen beiden Ländern immer wieder zu Verstimmungen, nun auch im Zusammenhang mit der Eskalation im Nahen Osten. Die US-Regierung hat Äußerungen des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan über die israelischen Luftangriffe im Gazastreifen als »antisemitisch« kritisiert.

»Die Vereinigten Staaten verurteilen die jüngsten antisemitischen Äußerungen von Präsident Erdoğan über das jüdische Volk auf das Schärfste und schätzen sie als verwerflich ein«, erklärte der Sprecher des Außenministeriums in Washington, Ned Price, am Dienstag.

»Wir fordern Präsident Erdoğan und andere türkische Politiker auf, aufwieglerische Bemerkungen zu unterlassen, die zu weiterer Gewalt anstacheln könnten«, fügte Price hinzu. Für antisemitische Reden sei nirgendwo Platz.

Türkischer Präsident Erdoğan (im März 2020): Harsche Kritik aus Washington

Türkischer Präsident Erdoğan (im März 2020): Harsche Kritik aus Washington

Foto: Mustafa Kaya/ dpa

Erdoğan hatte Israel zuletzt unter anderem »Terrorismus« gegen die Palästinenser vorgeworfen und gesagt, dies liege »in der Natur« der Israelis. »Sie sind Mörder, sie töten Kinder, die fünf oder sechs Jahre alt sind. Sie sind erst zufrieden, wenn sie ihr Blut aussaugen«, hatte Erdoğan gesagt. Auf welche Formulierung sich die USA in ihrer deutlichen Missbilligung konkret beziehen, wurde aus den Worten von Price nicht deutlich.

Der türkische Präsident hatte auch seinen US-Amtskollegen Joe Biden wegen seiner Unterstützung für Israel angegriffen. Biden habe deshalb »blutige Hände«, so Erdoğan.

Die Kämpfe in Nahost gingen in der Nacht zu Mittwoch trotz aller internationaler Aufrufe zur Mäßigung mit unverminderter Härte weiter. Die israelische Luftwaffe bombardierte erneut den Gazastreifen. Häuser mehrerer Hamas-Kämpfer, die als Kommandozentren oder Waffenlager gedient hätten, seien zerstört worden, erklärte das israelische Militär. Am frühen Mittwoch beschoss die israelische Artillerie auch Ziele im südlichen Gazastreifen, wie Augenzeugen berichteten. Militante Palästinenser feuerten Raketen auf die Städte Aschdod, Aschkelon und Beerscheba ab, Tausende Menschen suchten dort in Luftschutzkellern Zuflucht.

Auch im Westjordanland gab es Gefechte

Zusammenstöße flammten auch im besetzten Westjordanland auf, wo nach Angaben des Militärs israelische Streitkräfte einen Palästinenser erschossen, der sie mit einem Gewehr und improvisiertem Sprengstoff angreifen wollte. Ein weiterer Palästinenser wurde von israelischen Streitkräften bei einer Demonstration im Westjordanland getötet, wie das Gesundheitsministerium mitteilte. Das Militär erklärte, die Soldaten seien unter Beschuss geraten und hätten zurückgeschossen.

Die israelische Armee erklärte, dass von der im Gazastreifen herrschenden Hamas und anderen radikalen Palästinensergruppen seit Ausbruch der Kämpfe mehr als 3450 Raketen auf Israel abgefeuert worden seien. Das Militär habe mit Luftangriffen und Artilleriefeuer etwa 160 Extremisten getötet. Die Behörden im Gazastreifen sprechen von 217 getöteten Palästinensern, darunter 63 Kinder. Mehr als 1400 Menschen seien verwundet worden. In Israel sind den Behörden zufolge zwölf Menschen getötet worden, darunter zwei Kinder.

DER SPIEGEL

Vereinte Nationen ringen um gemeinsamen Kurs

Im Uno-Sicherheitsrat hat es am Dienstag auch auf der vierten Dringlichkeitssitzung in acht Tagen keine Einigung auf eine gemeinsame Stellungnahme zum Konflikt gegeben. Die Erklärung scheiterte nach Diplomatenangaben erneut am Widerstand Washingtons, das eine Verurteilung seines Verbündeten Israel ablehnt.

Frankreich legte unterdessen einen neuen Entwurf für eine Resolution vor, der in Abstimmung mit Ägypten und Jordanien erarbeitet wurde. Dabei hätten sich die drei Staatsoberhäupter auf drei »einfache« Forderungen verständigt, erklärte der Élysée-Palast in Paris. »Der Beschuss muss enden, die Zeit für eine Waffenruhe ist gekommen und der Uno-Sicherheitsrat muss sich der Sache annehmen.«

jok/AFP
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