Kolonialverbrechen in Namibia Herero und Nama fordern neues Versöhnungsabkommen mit Deutschland

Wegen des Völkermordes an Herero und Nama vereinbarte die Bundesregierung mit Namibia ein Aussöhnungsabkommen. Doch Vertreter der beiden Volksgruppen drängen jetzt auf einen besseren Vertrag.
Ein Vertreter der Herero zeigt Fotos seiner Vorfahren – die Familie war vor dem Völkermord unter deutscher Kolonialherrschaft geflohen

Ein Vertreter der Herero zeigt Fotos seiner Vorfahren – die Familie war vor dem Völkermord unter deutscher Kolonialherrschaft geflohen

Foto: Gioia Forster / picture alliance/dpa

Die Herero und Nama aus Namibia fordern von Deutschland ein neues Versöhnungsabkommen. Der mit der namibischen Regierung ausgehandelte Vertrag zur Kolonialgeschichte müsse verworfen werden.

»Wir werden dieses Abkommen niemals akzeptieren, bis wir Teil (des Verhandlungsprozesses) werden«, sagte der Berliner Herero-Aktivist Israel Kaunatjike bei einer Online-Pressekonferenz. Er forderte neue Verhandlungen über Wiedergutmachungen für die deutschen Kolonialverbrechen Anfang des 20. Jahrhunderts. Es gehe um die »Anerkennung des Genozids« durch deutsche Kolonialtruppen im damaligen Deutsch-Südwestafrika und um die enge Einbeziehung der betroffenen Gemeinschaften in die Verhandlungen, sagte Kaunatjike.

Das heutige Namibia war von 1884 bis 1915 deutsche Kolonie. Zwischen 1904 und 1908 wurden unter der deutschen Herrschaft Zehntausende Herero und Nama von Truppen des deutschen Kaiserreichs getötet.

Mutjinde Katjiua von der namibischen Herero-Vereinigung Ovaherero Traditional Authority (OTA) bezeichnete das im vergangenen Jahr ausgehandelte deutsch-namibische Abkommen als »Reinfall«. »Es muss einen Neustart der Verhandlungen geben«, sagte er und forderte direkte Reparationszahlungen an die Nachfahren der Opfer.

Im Mai 2021 war eine Einigung der damaligen Bundesregierung und der namibischen Regierung auf ein Versöhnungsabkommen  bekannt geworden. Die Übereinkunft sieht als Wiedergutmachung für die deutschen Kolonialverbrechen Wiederaufbauhilfen in Höhe von 1,1 Milliarden Euro vor. In dem Abkommen werden die deutschen Kolonialverbrechen an den Herero und Nama im historischen, nicht aber im völkerrechtlichen Sinne als »Völkermord« anerkannt. Der Rechtsbegriff »Reparationen« wird deshalb nicht verwendet.

Die deutsch-namibische Einigung wurde unter anderem von der Opposition in Namibia und Vertretern der Herero und Nama heftig kritisiert. Sie beklagen eine fehlende Beteiligung von Opfervertretern bei den Verhandlungen mit Deutschland und bestehen auf einer offiziellen Anerkennung des Völkermords auch im völkerrechtlichen Sinne. Das namibische Parlament hat das Versöhnungsabkommen bislang nicht ratifiziert.

als/AFP
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