Namibia Hunderte protestieren gegen Aussöhnungsabkommen mit Deutschland

Deutschland hat mit Namibia ein Völkermord-Entschädigungsabkommen verabredet. Das Parlament muss es noch ratifizieren. Nun gingen Hunderte Demonstranten auf die Straße – die Entschädigungssumme sei zu gering.

Vor dem Parlament in Namibia haben mehrere Hundert Menschen gegen das Versöhnungsabkommen mit Deutschland zur Aufarbeitung der blutigen deutschen Kolonialgeschichte protestiert. »Sagt Nein zum falschen Abkommen zum Genozid« oder »eine angemessene Entschädigung jetzt« hieß es auf Plakaten anlässlich der Parlamentsdebatte über das Abkommen, die am Dienstag begann. Bei den rund 400 Demonstranten handelte es sich überwiegend um Mitglieder der Opposition.

Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters drangen die Demonstranten auch in das Parlament ein, in dem die Nationalversammlung über die Einigung abstimmen sollte. Dort übergaben sie demnach Vizeparlamentspräsident Loide Kasingo eine Petition, in der das angebotene Entschädigungsvolumen von rund 1,1 Milliarden Euro als zu gering kritisiert wurde. Zudem bemängeln sie, nicht an den Verhandlungen mit Deutschland beteiligt gewesen zu sein. Das Abkommen sei eine eklatante Missachtung der legitimen Wiedergutmachungs- und Restitutionsforderungen.

Der namibische Verteidigungsminister Frans Kapofi bezeichnete das Versöhnungsabkommen »in gewisser Hinsicht« als »gelungen«, da es bedeute, dass Deutschland die Verantwortung für den Völkermord »akzeptiert«. Die Regierung Namibias habe allerdings Bedenken über die Höhe der Zahlungen geäußert. Eine Verbesserung der Entschädigungsbedingungen, vor allem über die Höhe, sei nicht ausgeschlossen, sagte der Minister. Die Debatte wurde auf Mittwoch vertagt.

Ende Mai war bekannt geworden, dass Deutschland die Verbrechen deutscher Kolonialtruppen an den Volksgruppen der Herero und Nama im heutigen Namibia Anfang des 20. Jahrhunderts offiziell als Völkermord anerkennen und die Nachkommen der Opfer um Entschuldigung bitten wird. In dem Versöhnungsabkommen vorgesehen sind außerdem deutsche Wiederaufbauhilfen in Höhe von 1,1 Milliarden Euro. Das Geld soll vor allem in den Siedlungsgebieten der Herero und Nama eingesetzt werden.

Das Abkommen muss vom namibischen Parlament noch ratifiziert werden. Der Einigung zwischen Berlin und Windhoek waren mehr als fünfjährige Verhandlungen vorausgegangen. Von einigen Vertretern der Herero und Nama wird die Vereinbarung jedoch als unzureichend kritisiert. Unter anderem beanstanden sie, dass Deutschland den Nachfahren der Opfer keine direkte Entschädigung zahlt.

ime/AFP/Reuters
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.