Anerkennung von Kolonialverbrechen Vertreter der Herero und Nama fordern Hunderte Milliarden Euro Entschädigung

Deutschland will die Kolonialverbrechen an den Herero und Nama als Völkermord anerkennen und mehr als eine Milliarde Euro für Projekte bereitstellen. Einige Betroffenenverbände kritisieren das – und fordern deutlich mehr Geld.
Protestaktion gegen die Einigung zwischen Deutschland und Namibia am Freitag in Windhuk

Protestaktion gegen die Einigung zwischen Deutschland und Namibia am Freitag in Windhuk

Foto: Sonja Smith / AP

1,1 Milliarden Euro zum Wiederaufbau und zur Entwicklung im heutigen Namibia – diese Summe hatte Bundesaußenminister Heiko Maas jüngst als »Geste der Anerkennung« für die Kolonialverbrechen an den Volksgruppen der Herero und Nama in Aussicht gestellt. Präsident Frank-Walter Steinmeier soll bei einem Festakt im namibischen Parlament offiziell um Vergebung bitten.

Einigen Betroffenenvertretern geht das offenbar nicht weit genug. Wie die »Bild«-Zeitung berichtet, fordert Manasse Zeraeua von der Zaraeua-Traditionsbehörde (ZTA) bereits unmittelbar nach der Einigung acht Billionen Namibia-Dollar Entschädigung von Deutschland. Dies entspräche umgerechnet mehr als 470 Milliarden Euro. Das Geld soll demnach über 40 Jahre fließen.

Die Plattform »Namibian Sun « veröffentlichte auf Twitter ebenfalls ein entsprechendes Zitat Zeraeuas. In einem angefügten Video einer Pressekonferenz ist die Aussage jedoch nicht klar zu verstehen.

Delegationen aus Namibia und Deutschland hatten nach fast sechsjährigen Verhandlungen am Freitag eine Einigung über eine politische Erklärung erzielt. Beide Regierungen hatten dem bereits zugestimmt, obwohl im Vorfeld bereits Kritik daran laut wurde.

Laut der Nachrichtenseite »The Namibian « handelt es sich bei den geforderten acht Billionen Namibia-Dollar bereits um die Hälfte der eigentlich von den Betroffenenverbänden veranschlagten Summe.

Neben den Zaraeua stehen auch führende Verteter der Maharero, Kambazembi und Gam hinter der Forderung. Begründet wird die Summe der Nachrichtenseite zufolge auch durch einen Vergleich mit Entschädigungssummen, die Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg an Juden gezahlt haben soll.

»Affront gegen unsere Existenz«

Die Vertreter nannten die Abmachung mit Deutschland am Montag laut der Nachrichtenagentur dpa »eine schockierende Offenbarung«, »inakzeptabel« und einen »Affront gegen unsere Existenz«. Der »beleidigende Betrag« von 1,1 Milliarden Euro werde abgelehnt.

Die Anerkennung des Völkermords durch die Bundesregierung, das Schuldeingeständnis für die mehr als hundert Jahre zurückliegenden Gräueltaten und die geplante Bitte um Vergebung wurde zwar begrüßt. Die Reparationsfrage müsse jedoch neu verhandelt werden, hieß es.

Gesundheitsministerin fordert offenbar Abbruch der Gespräche

Die »Namibian Sun« zitierte auch Namibias Gesundheitsministerin Esther Muinjangue mit den Worten , die namibische Regierung solle die Gespräche mit Deutschland abbrechen.

Das Deutsche Reich war von 1884 bis 1915 Kolonialmacht im heutigen Namibia und schlug Aufstände brutal nieder. Historikern zufolge wurden etwa 65.000 von 80.000 Herero und mindestens 10.000 von 20.000 Nama getötet.

fek/dpa