Ab 1. Mai Nato beschließt Truppenabzug aus Afghanistan

Die Entscheidung der USA, ihre Soldaten aus Afghanistan abzuziehen, hat unmittelbare Wirkung auf die Nato: Das Militärbündnis beschloss am Mittwochabend den Truppenabzug aus dem Land.
Nato-Truppen in Afghanistans Hauptstadt Kabul (Archivfoto)

Nato-Truppen in Afghanistans Hauptstadt Kabul (Archivfoto)

Foto: Rahmat Gul/ AP

Nach der Ankündigung der USA hat auch die Nato den vollständigen Truppenabzug aus Afghanistan offiziell beschlossen. Die Außen- und Verteidigungsminister der 30 Nato-Länder einigten sich nach Angaben des Militärbündnisses am Mittwoch darauf, am 1. Mai »geordnet, koordiniert und überlegt« mit dem Truppenabzug zu beginnen. Alle Nato-Truppen sollen Afghanistan demnach »innerhalb weniger Monate« verlassen.

Zurzeit sind noch etwa 10.000 reguläre Soldaten aus Nato-Ländern und Partnernationen in Afghanistan. Sie sollen die demokratisch gewählte Regierung durch die Ausbildung und Beratung von Sicherheitskräften in ihrem Kampf gegen islamistische Extremisten wie die Taliban unterstützen. Deutschland hat zurzeit rund 1100 Soldaten vor Ort und ist damit der zweitgrößte Truppensteller nach den USA.

Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer hatte bereits vor der Nato-Videokonferenz klargemacht, dass der Abzug der US-Soldaten zwingend den Abzug der Bundeswehr nach sich zieht. »Wir haben immer gesagt: Wir gehen gemeinsam rein, wir gehen gemeinsam raus«, sagte die CDU-Politikerin im ARD-»Morgenmagazin«. Mit der Entscheidung steht für die Bundeswehr der verlustreichste Einsatz ihrer Geschichte vor dem Ende. 59 deutsche Soldaten ließen in Afghanistan ihr Leben, von ihnen wurden 35 in Gefechten oder bei Anschlägen getötet. Afghanistan ist zudem der zweitlängste Auslandseinsatz der Bundeswehr nach der Kosovo-Mission, die bereits 1999 begann.

Abzuwarten bleibt nun, welche Konsequenzen die Abzugsentscheidung für die laufenden Friedensverhandlungen der afghanischen Regierung mit den militant-islamistischen Taliban hat. Als ein Risiko wird gesehen, dass die Taliban kurz nach einem Truppenabzug mit Waffengewalt die Macht übernehmen könnten. Für die junge Demokratie in Afghanistan und Fortschritte bei Frauenrechten oder Medienfreiheit dürfte eine solche Entwicklung der Todesstoß sein.

mjm/dpa/rtr
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