Spannungen mit Russland Nato hält große Militärübung im Mittelmeer ab

Die Nato kommt Russlands geplanten Marinemanövern zuvor und belässt einen US-Flugzeugträger in europäischen Gewässern – zur »Beruhigung«. Unterdessen gibt es offenbar Streit über Raketenlieferungen an die Ukraine.
Der US-Flugzeugträger »USS Harry Truman« bleibt außerplanmäßig im Mittelmeer

Der US-Flugzeugträger »USS Harry Truman« bleibt außerplanmäßig im Mittelmeer

Foto: Mc3 Adelola Tinubu / AFP

Inmitten der Spannungen mit Russland im Ukrainekonflikt hält die Nato im Mittelmeer eine große Militärübung ab. An den Marinemanövern ab kommendem Montag wird sich unter anderem der US-Flugzeugträger »USS Harry Truman« beteiligen, wie der Sprecher des US-Verteidigungsministeriums, John Kirby, sagte. Die Übung mit dem Namen »Neptune Strike 22« soll demnach bis zum 4. Februar dauern.

Kirby betonte, die Manöver hätten nichts mit den derzeitigen Befürchtungen vor einem russischen Einmarsch in der Ukraine zu tun. »Die Übung ist nicht für die Art von Szenarien entworfen, die sich mit Blick auf die Ukraine abspielen könnten«, sagte der Pentagon-Sprecher. Das Manöver sei zudem schon seit langer Zeit geplant.

Allerdings befand sich »Neptune Strike 22« nicht auf einer im Dezember von der Nato veröffentlichten Liste mit für 2022 geplanten Militärübungen. Laut Kirby sei angesichts der derzeitigen Spannungen mit Russland das Manöver zwar auf den Prüfstand gestellt worden. Letztlich hätten die Nato-Partner aber beschlossen, an dem Manöver festzuhalten.

Russland hatte erst am Donnerstag groß angelegte Marinemanöver in Atlantik, Arktis, Pazifik und Mittelmeer angekündigt. An den für Januar und Februar geplanten Übungen sollen insgesamt mehr als 140 Schiffe und 10.000 Soldaten teilnehmen.

Deutschland blockiert offenbar estnische Waffenlieferung an die Ukraine

Der Flugzeugträger »USS Harry Truman« und seine Begleitschiffe befinden sich seit Mitte Dezember im Mittelmeer. Das Kriegsschiff sollte eigentlich verlegt werden – Verteidigungsminister Lloyd Austin entschied dann aber, es im Mittelmeer zu lassen, um die Europäer angesichts der Spannungen mit Russland zu »beruhigen«.

Derweil wollen die baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen der Ukraine in den USA hergestellte Panzerabwehrraketen und Flugabwehrsysteme liefern. Dies teilten die Verteidigungsministerien der drei EU- und Nato-Mitgliedsstaaten in einer gemeinsamen Erklärung mit. Damit solle die Verteidigungsfähigkeit der Ukraine gestärkt werden.

Estland werde Javelin-Panzerabwehrraketen liefern, Lettland und Litauen Stinger-Flugabwehrraketen sowie weitere Ausrüstung. Die USA stimmten demnach der Lieferung der Waffen aus US-Produktion an die Ukraine zu. »Wir hoffen aufrichtig, dass die Ukraine diese Ausrüstung nicht verwenden muss, und fordern die Russische Föderation auf, ihr aggressives und unverantwortliches Verhalten zu unterbinden«, hieß es in der Mitteilung.

Deutschland blockiert dagegen laut dem »Wall Street Journal«  estländische Militär-Lieferungen an die Ukraine. Dem Nato-Verbündeten werde keine Erlaubnis erteilt, in Deutschland hergestellte Artillerie-Geschütze zu entsenden, hieß es unter Berufung auf estländische und deutsche Behörden. Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) lehnte am Freitag Waffenlieferungen erneut ab – die USA, Großbritannien und Polen hatten sich dagegen bereit erklärt, Waffen in die Ukraine zu entsenden.

Wegen massiver russischer Truppenbewegungen mit rund 100.000 russischen Soldaten an der ukrainischen Grenze befürchtet der Westen einen bevorstehenden Einmarsch Russlands in die Ukraine. Moskau argumentiert, dass der Truppenaufmarsch auf russischem Staatsgebiet stattfinde und daher »niemanden« bedrohe. Der Westen droht Moskau seit Wochen mit massiven Konsequenzen, sollte es zu einem Einmarsch in die Ukraine kommen.

jso/AFP/dpa