350 Einsätze Nato-Kampfjets müssen verstärkt wegen russischer Militärflieger ausrücken

Russische Militärflugzeuge sind nahe der Nato-Grenzen oft undercover unterwegs. Deswegen lässt das Bündnis immer wieder vorsorglich Kampfjets starten. Die Zahl dieser Alarmstarts hat sich nun abermals erhöht.
Kampfjet bei der Landung auf dem von der Nato genutzten Flughafen Šiauliai in Litauen

Kampfjet bei der Landung auf dem von der Nato genutzten Flughafen Šiauliai in Litauen

Foto: Mindaugas Kulbis/ AP

Kampfflugzeuge der Nato haben in diesem Jahr bereits mehr als 400 Alarmstarts absolviert. Wie das Verteidigungsbündnis mitteilte, ging es bei 350 der Einsätze um die Identifizierung und Überwachung russischer Flugzeuge.

Russische Militärflugzeuge übermittelten oft keine Angabe ihrer Position und Höhe, legten keinen Flugplan vor oder kommunizierten nicht mit Fluglotsen, hieß es von der Nato. Dies stelle ein potenzielles Risiko für zivile Flugzeuge dar. Im Vergleich zu 2019 sei die Zahl der Alarmstarts wegen russischer Maschinen leicht angestiegen.

Bei Alarmstarts müssen Jagdflugzeuge aus Nato-Staaten innerhalb weniger Minuten in der Luft sein, um zum Beispiel durch Sichtkontakt festzustellen, ob von einem verdächtigen Luftfahrzeug eine Gefahr ausgeht. Notfalls könnte dieses dann mit Gewalt aufgehalten werden.

Die Einsätze werden in den allermeisten Fällen wegen russischer Flugzeuge geflogen. Nur selten geht es um Militärflugzeuge anderer Staaten oder nicht sofort identifizierbare Passagier- oder Frachtmaschinen. In Europa überwachen Nato-Angaben zufolge rund 40 Radarstationen und Meldeknotenpunkte den Luftraum. Etwa 60 Nato-Flugzeuge seien rund um die Uhr in Bereitschaft.

Auch Bundeswehr an Präventivmaßnahme beteiligt

Auch die Bundeswehr ist regelmäßig im Rahmen des verstärkten Air Policing der Nato im Baltikum an der Überwachung russischer Flugzeuge beteiligt. Derzeit sind dafür bis zu sechs deutsche Kampfflugzeuge vom Typ Eurofighter im estnischen Ämari stationiert. Die schärferen Kontrollen im Baltikum waren 2014 nach dem Beginn des Ukrainekonflikts begonnen worden – vor allem auf Wunsch der östlichen Bündnispartner Litauen, Lettland und Estland.

»In den vergangenen Jahren haben wir eine zunehmende russische Militärflugtätigkeit an den Grenzen des Bündnisses erlebt«, sagte Nato-Sprecherin Oana Lungescu. Das Air Policing sei ein wichtiger Bestandteil des Sicherheitskonzepts für die Bündnisstaaten.

Eine Rekordzahl an Kampfjeteinsätzen war 2016 erreicht worden. Damals waren von europäischen Militärstützpunkten 780 Einsätze zur Identifizierung und Überwachung russischer Flugzeuge geflogen worden.

fek/dpa/AFP
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