Generalsekretär Stoltenberg Nato will Zahl der schnellen Eingreifkräfte drastisch erhöhen

Bislang umfasst die Nato Response Force rund 40.000 Soldatinnen und Soldaten. Nun soll die Zahl massiv auf 300.000 Kräfte steigen, kündigte Nato-Generalsekretär Stoltenberg an. Es ist nicht die einzige Maßnahme.
Französische Soldatinnen und Soldaten der Nato Response Force

Französische Soldatinnen und Soldaten der Nato Response Force

Foto: Daniel Mihailescu / AFP

Es werde »die größte Generalüberholung seit dem Ende des Kalten Krieges«: Generalsekretär Jens Stoltenberg will die Nato massiv aufrüsten. So soll unter anderem die Zahl der schnellen Eingreifkräfte auf mehr als 300.000 Soldatinnen und Soldaten erhöht werden, kündigte Stoltenberg vor dem Gipfeltreffen der 30 Nato-Mitgliedstaaten in Madrid an. Bislang umfasst die Nato-Eingreiftruppe Nato Response Force (NRF) rund 40.000 Soldatinnen und Soldaten.

Der geplante Umbau der NRF ist Teil eines neuen Streitkräftemodells für das gesamte Bündnisgebiet. Dieses sieht mehr Kräfte in hoher Bereitschaft vor. Zudem sollen Kräfte auch bestimmten Gebieten zugeordnet werden. Damit könnten deutsche Soldaten etwa fest dafür eingeplant werden, litauische Truppen im Fall eines russischen Angriffs zu unterstützen.

Die Truppen sollen in Friedenszeiten in der Regel unter nationalem Kommando stehen, könnten dann aber im Ernstfall vom Oberbefehlshaber der Nato-Streitkräfte in Europa (Saceur) angefordert werden.

»Schnell und reibungslos« auf Ernstfälle reagieren

Es sei nötig, in Zeiten von Krisen und Konflikten kurzfristig mehr Kräfte einsetzen zu können, sagte Stoltenberg. Auch mehr Militärgerät soll für rasche Einsätze bereitgestellt werden, die Trainingspläne für die Reservetruppen überarbeitet werden. »Um unsere Verbündeten zu verteidigen, ist es nötig, unsere Verteidigungspläne deutlich zu überarbeiten«, so Stoltenberg. Die Nato müsse bereit sein, »schnell und reibungslos« auf Ernstfälle reagieren zu können.

Der massive Ausbau soll nach Wunsch von Stoltenberg auch mit deutlich höheren Verteidigungsausgaben einhergehen. Die Nato-Mitgliedstaaten haben vereinbart, zwei Prozent ihres Bruttoinlandsproduktes für Verteidigung auszugeben. Diese zwei Prozent seien jedoch »ein Boden, keine Decke«. Bis Jahresende würden die Nato-Länder gemeinsam 350 Milliarden US-Dollar zusätzlich für ihre Verteidigung ausgeben.

Bereits jetzt würden neun Nato-Mitgliedstaaten die zwei oder mehr Prozent in Verteidigung investieren, so Stoltenberg. Bis 2024 hätten 19 weitere Mitglieder angekündigt, das Zwei-Prozent-Ziel zu erreichen, fünf weitere Mitgliedstaaten hätten versprochen, danach ihre Militärausgaben zu erhöhen. Deutschland hat sich zum Ziel gesetzt, binnen zwei Jahren das Zwei-Prozent-Ziel zu erreichen. Mit dem Bundeswehrsondervermögen von 100 Milliarden Euro soll das laut Finanzminister Christian Lindner (FDP) möglich werden.

mrc/dpa
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