Angeblicher Terrorismus Nawalny berichtet von neuem Verfahren gegen ihn

Obwohl er seit zwei Jahren im Gefängnis sitzt, soll der Kremlgegner Alexej Nawalny weiterhin Straftaten begangen haben. Nun werde er erneut angeklagt, schreibt der Oppositionelle – und übt sich in Galgenhumor.
Der russische Oppositionsführer Alexej Nawalny in einer Videoübertragung aus dem Gefängnis

Der russische Oppositionsführer Alexej Nawalny in einer Videoübertragung aus dem Gefängnis

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Dmitry Serebryakov / dpa

Der in Russland inhaftierte Kremlkritiker Alexej Nawalny sieht sich nach eigenen Angaben einem neuen Strafverfahren gegenüber. Er werde mehrerer Vergehen beschuldigt, die er aus seiner Haft heraus begangen haben soll, schreibt der Oppositionelle auf Twitter. Zu den Vorwürfen gehören demnach angebliche Anstachelung zu Terrorismus und Finanzierung von Extremismus sowie die angebliche Verbreitung von Nazismus.

»Ist das nicht großartig?«, witzelt Nawalny. »Selten hat ein Krimineller draußen so viel angestellt wie ich hinter Gittern.« Moriarty, der Gegenspieler von Meisterdetektiv Sherlock Holmes, sei so einem »Genie der Unterwelt« wie ihm nicht gewachsen.

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Die Anschuldigungen gegen ihn seien auf Sätze seiner Vertrauten zurückzuführen. So hänge der Extremismusvorwurf mit einer Aussage seines Freundes und Bürgerrechtlers Leonid Wolkow zusammen, der das Stauffenberg-Attentat auf Hitler gelobt hatte. In den Augen Putins sei Hitler rechtmäßiges Staatsoberhaupt gewesen, schreibt Nawalny – »ihn hochzujagen war demnach ein Terrorakt«.

Wieder in Isolationshaft

Nawalny rechnet vor, dass die neuen Anschuldigungen ihn wohl für 30 weitere Jahre hinter Gitter bringen würden. Zum Abschluss seiner Tweets empfiehlt er die Seite, die ihm den ganzen Ärger einbringe: seinen oppositionellen YouTube-Kanal »Popular Politics« .

Alexej Nawalny sitzt seit 2021 im Gefängnis, nachdem er nach einem gescheiterten Giftanschlag auf ihn in seine Heimat zurückgekehrt war. Nach Angaben von Amnesty International wird dem russischen Oppositionellen, der wegen angeblichen Betrugs zu neun Jahren Haft verurteilt wurde, unter anderem der vertrauliche Austausch mit seinem Anwalt verweigert.

Zuletzt hatte Nawalny Kritik an der von Präsident Wladimir Putin befohlenen Mobilmachung geübt und war dafür erneut in Einzelhaft verlegt worden. Auch aus seiner Haft heraus bleibt er seiner Rolle als Kremlkritiker treu und mokiert sich regelmäßig über die Machenschaften von Kremlchef Wladimir Putin.

mrc
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