Offenbar Flucht in die Türkei Nawalny-Verbündete Ljubow Sobol soll Russland verlassen haben

Russischen Staatsmedien zufolge ist Ljubow Sobol, eine der engsten Unterstützerinnen des inhaftierten Oppositionellen Alexej Nawalny, aus Russland ausgereist. Sie wollte wohl der Vollstreckung eines Urteils zuvorkommen.
Ljubow Sobol

Ljubow Sobol

Foto: Sergei Karpukhin / imago images/ITAR-TASS

Ljubow Sobol, eine prominente Verbündete des inhaftierten Kreml-Kritikers Alexej Nawalny, hat Russland offenbar verlassen. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf die russischen staatlichen Fernsehsender RT und REN, die sich wiederum auf nicht genannte Quellen beziehen. Sobol soll ausgereist sein, nachdem ein Gericht in Moskau vor wenigen Tagen ihre Freiheitsrechte weiter beschnitten hatte – wegen angeblicher Verstöße gegen die Coronabestimmungen, die sie unter anderem durch die Teilnahme an Kundgebungen begangen habe.

Die Gerichtsentscheidung fügt sich ein in das harte Vorgehen gegen die Opposition in Russland. Sobol stand bereits seit mehreren Monaten unter Hausarrest, das Urteil zielte darauf ab, ihre Bewegungsfreiheit auf längere Zeit einzuschränken. So dürfe Sobol für anderthalb Jahre nachts zwischen 22 und 6 Uhr nicht mehr aus dem Haus gehen, schrieb ihr Anwalt Wladimir Woronin am 3. August auf Twitter. Außerdem dürfe sie Moskau nicht verlassen und müsse öffentlichen Veranstaltungen fernbleiben.

Den Staatssendern zufolge soll Sobol am Samstagabend in die Türkei geflogen sein. Das schrieb am Sonntagnachmittag auch der Chefredakteur der kremlkritischen Radiostation Echo Moskwy, dem sie vor wenigen Tagen noch ein Interview gegeben habe. Darin hatte sie gesagt, die Tatsache, dass das gegen sie ergangene Urteil bisher nicht vollstreckt worden sei, wirke fast wie eine Aufforderung, das Land zu verlassen.

Sobol war für eine Stellungnahme für den SPIEGEL am Sonntag nicht zu erreichen, auch eine Sprecherin reagierte nicht auf eine SPIEGEL-Anfrage. Eine Bestätigung der Angaben der russischen Staatssender steht damit noch aus. Auch Unterstützer und Mitstreiter lehnten es ab, in ihrem Namen zu sprechen.

Die 33-Jährige ist eines der bekanntesten Gesichter in Nawalnys Unterstützerkreis und war in Moskau geblieben, als andere enge politische Verbündete aus Angst vor Strafverfolgung vor den Parlamentswahlen im September flohen.

pat/heb/Reuters
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