Am Fuße eines Vulkans In El Salvador soll eine »Bitcoin City« entstehen

Der Präsident von El Salvador will die weltweit erste Stadt bauen, die mit Einnahmen aus Bitcoin-Bonds finanziert wird. Im besten Fall lasse sich die Kryptowährung mit Vulkan-Energie erzeugen.
Bitcoin gibt es – anders als in dieser Illustration – nicht als Münzen

Bitcoin gibt es – anders als in dieser Illustration – nicht als Münzen

Foto: PAWEL KOPCZYNSKI/ REUTERS

Seit September gilt die Kryptowährung Bitcoin in El Salvador als gesetzliches Zahlungsmittel. Nun hat der Präsident des zentralamerikanischen Landes verkündet: Die Bitcoin-Nutzung soll vorangetrieben werden – durch den Bau einer Stadt, der ersten »Bitcoin City« weltweit.

Nayib Bukele, der 40-jährige Staatschef, sagte am Samstag: »Bitcoin City« solle die erste Stadt ihrer Art werden, die mit den Einnahmen aus neuen Bitcoin-Bonds gebaut werde.

Vulkanenergie zum Cryptomining

Als Standort wurde die Region La Unión auserkoren, im Osten des Landes an der Meeresbucht Golf von Fonseca. Was diesen Standort auszeichnet? Der Conchagua-Vulkan. Bukele sagte, man wolle die geothermische Energie dieses Vulkans nutzen. Der Staat prüfe derzeit, ob es möglich ist, mithilfe der Vulkanenergie die Kryptowährung zu generieren.

»Investieren Sie hier und verdienen Sie so viel Geld, wie Sie wollen.«

Nayib Bukele, Präsident von El Salvador

In »Bitcoin City« sollen dem Präsidenten zufolge außer der Mehrwertsteuer keine Steuern erhoben werden. Die Hälfte der erhobenen Mehrwertsteuer werde zur Finanzierung der für den Bau ausgegebenen Bitcoin-Anleihen verwendet, die andere Hälfte für städtische Dienstleistungen wie die Müllabfuhr. Die Stadt sei vollständig ökologisch geplant, sagte Bukele.

»Investieren Sie hier und verdienen Sie so viel Geld, wie Sie wollen«, sagte Bukele zum Abschluss einer einwöchigen Bitcoin-Werbewoche im Badeort Mizata. Mit dieser Aktion beabsichtigte El Salvador, Investoren anzuwerben. Der Präsident war bei diesem Auftritt ganz in Weiß gekleidet und trug – wie so oft – eine nach hinten gedrehte Baseball-Mütze.

Die Stadt werde 300.000 Bitcoins teuer

Er schätze, sagte der Präsident weiter, dass die öffentliche Infrastruktur rund 300.000 Bitcoins kosten werde. Aktuell ist eine Bitcoin etwas mehr als 53.000 Euro wert – entsprechend würde der Bau der »Bitcoin City« knapp 16 Milliarden Euro kosten.

Die ersten Bitcoin-Bonds wolle El Salvador bereits im nächsten Jahr ausgeben. Die Rede ist von einer »Vulkan-Anleihe« im Wert von einer Milliarde Dollar.

Obwohl Präsident Bukele in Meinungsumfragen hohe Beliebtheitswerte erreicht, teilen nicht alle Landsleute seine Begeisterung für Bitcoin. Die Einführung der Kryptowährung hatte zu Protesten gegen die Regierung geführt.

Seit September müssen alle Händlerinnen und Händler, die technisch dazu in der Lage sind, Bitcoin als Zahlungsmittel annehmen. Auch Steuern können in der Digitalwährung bezahlt werden. El Salvador hat etwa sechs Millionen Einwohner. Seit 2001 ist der US-Dollar das gängige Zahlungsmittel. Dadurch ist das Land von der Geldpolitik der US-Notenbank abhängig. Für das Wirtschaftswachstum der Nation sei es nötig, eine digitale Währung zuzulassen, deren Wert allein von marktwirtschaftlichen Kriterien abhänge, hieß es im Bitcoin-Gesetzestext.

Bitcoin ist die bekannteste Digitalwährung. Sie wird nicht von einer Zentralbank kontrolliert, sondern durch ein dezentrales, energieintensives Computerverfahren geschaffen. Die Kryptowährung gilt als Spekulationsobjekt und ist heftigen Kursschwankungen unterworfen. Kritisch bewerten viele, dass es für die Kryptowährung kaum eine Form der Regulierung gibt. Zudem ist der Energieverbrauch beim sogenannten Mining – dem Erschaffen neuer Coins – immens hoch.

vki/Reuters