Neujahrsbotschaft des britischen Premiers Johnson versucht es mit Zuversicht

In seiner Rede zum Jahreswechsel bemüht sich Boris Johnson um Optimismus. Über eines können die wohlklingenden Worte indes nicht hinwegtäuschen: Der Premier durchlebt die vielleicht schwerste Phase seiner Amtszeit.
Boris Johnson: »Schaut euch die Intensivstationen und das elende, unnötige Leiden an«

Boris Johnson: »Schaut euch die Intensivstationen und das elende, unnötige Leiden an«

Foto: GEOFF PUGH / AFP

Trotz des enormen Anstiegs der Coronazahlen in Großbritannien gibt sich Premierminister Boris Johnson in seiner Neujahrsbotschaft optimistisch. »Unsere Position zum 31. Dezember ist unvergleichlich besser als vergangenes Jahr«, sagte Johnson in einem am Freitag veröffentlichten Videoclip. Grund sei die erfolgreiche Impfkampagne, mit der 70 Prozent der Erwachsenen eine Auffrischungsimpfung erhalten hätten.

Dies habe es dem Land erlaubt, das größte Wirtschaftswachstum der G7-Gruppe zu erreichen und »die offenste Wirtschaft und Gesellschaft unter den wichtigsten europäischen Volkswirtschaften zu bleiben«, so Johnson.

Wegen der Ausbreitung der hoch ansteckenden Omikron-Variante hatte die britische Regierung zuletzt in England einige Coronaregeln wieder eingeführt. Sie setzt aber anders als die Regionalregierungen in den anderen britischen Landesteilen vor allem auf persönliche Verantwortung. Am Donnerstag hatten die Behörden mit landesweit knapp 190.000 Neuinfektionen erneut einen Tagesrekord gemeldet.

Über die Feiertage hat die Motivation der Bevölkerung, sich impfen zu lassen, jedoch offensichtlich gelitten. Wie der Dachverband des Gesundheitsdienstes NHS mitteilte, nahmen bis zu 40 Prozent ihren gebuchten Termin nicht wahr. Johnson rief vor allem die Ungeimpften auf, sich impfen zu lassen. »Die Leute, die denken, dass ihnen die Krankheit nichts antun kann, sollten sich diejenigen anschauen, die ins Krankenhaus müssen: Das könntet ihr sein«, sagte Johnson. »Schaut euch die Intensivstationen und das elende, unnötige Leiden derer an, die ihre Auffrischimpfung nicht bekommen haben: Das könntet ihr sein.«

Johnson in der Krise

Die Ausbreitung der Omikron-Variante ist bei Weitem nicht die einzige Herausforderung, mit der Johnson umgehen muss. Der britische Regierungschef durchlebt dieser Tage die womöglich schwerste Phase  seiner Amtszeit:

  • Johnson steht wegen einer Weihnachtsfeier  im vergangenen Jahr unter Druck.

  • Auch in seiner eigenen Konservativen Partei nimmt der Unmut über den Regierungschef zu. So trat Brexit-Minister David Frost jüngst mit sofortiger Wirkung zurück. Als Grund gab er seine Enttäuschung über den Kurs der Regierung an.

  • Mit diesem scheinen auch immer mehr Brexit-Befürworter in der Bevölkerung unzufrieden zu sein. (Mehr dazu lesen Sie hier .)

asa/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.