Referendum in Überseegebiet Neukaledonien stimmt für Verbleib bei Frankreich

Zum zweiten Mal stimmte das französische Überseegebiet Neukaledonien über seine Unabhängigkeit ab - zum zweiten Mal scheiterten die Separatisten. Aber eventuell bekommen sie noch eine Chance.
Urnengang in Neukaledonien

Urnengang in Neukaledonien

Foto: Mathurin Derel / dpa

Die Bewohner des französischen Überseegebiets Neukaledonien haben sich am Sonntag zum zweiten Mal nach 2018 gegen eine Trennung von Frankreich ausgesprochen. Bei dem Referendum auf dem Archipel im Südpazifik östlich von Australien stimmten offiziellen Angaben zufolge 53,3 Prozent der Stimmberechtigten für einen Verbleib, 46,7 Prozent waren für die Unabhängigkeit. Die Wahlbeteiligung lag bei rund 85 Prozent. Etwa 180.000 Neukaledonier durften teilnehmen.

Es handelt sich bereits um das zweite Referendum binnen zwei Jahren. Bei der ersten Abstimmung im November 2018 hatten noch mehr als 56 Prozent gegen die Loslösung von Frankreich gestimmt.

Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron begrüßte in Paris das Ergebnis. Das sei ein "Zeichen des Vertrauens in die französische Republik", erklärte der 42-Jährige. Den Anhängern einer Unabhängigkeit sagte er, das Neukaledonien der Zukunft solle gemeinsam geschaffen werden. "Ein drittes Referendum ist möglich." Auch Macrons rechtspopulistische Gegnerin Marine Le Pen begrüßte via Twitter den Ausgang des Votums.

Anfangs als Sträflingsinsel genutzt

Seit Jahrzehnten hofft vor allem die Bevölkerungsgruppe der Kanaken - Neukaledoniens Ureinwohner - auf eine Loslösung. Sie stellen heute noch knapp 40 Prozent der Bevölkerung. In den Achtzigerjahren hatten Konflikte zwischen Ureinwohnern und europäischstämmigen Bewohnern gewalttätige Zusammenstöße ausgelöst, bei denen mehr als 70 Menschen starben. Als Reaktion wurde das Nouméa-Abkommen geschlossen, das eine Dezentralisierung der Macht sowie bis zu drei Unabhängigkeitsreferenden bis 2022 vorsieht.

1853 war Neukaledonien von Frankreich in Besitz genommen worden und wurde anfangs als Sträflingsinsel genutzt. Heute leben dort außer den Ureinwohnern vor allem Nachfahren der Kolonisten sowie Zuwanderer aus anderen Pazifikstaaten. Neukaledonien mit der Hauptinsel Grande-Terre war früher französische Kolonie, genießt jedoch heute weitreichende Autonomie. Der Archipel erhält pro Jahr 1,5 Milliarden Euro an Beihilfen aus Paris. Kritiker einer Unabhängigkeit befürchten wirtschaftliche Nachteile, sollten die Verbindungen nach Frankreich gekappt werden.

Die Inselgruppe besitzt nach wie vor geostrategische Bedeutung für Paris. Zudem lagern in Neukaledonien enorme Nickelvorkommen - ein wichtiger Rohstoff für die Herstellung elektronischer Geräte.

hut/dpa/AFP/Reuters
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