Roland Nelles

Die Lage am Morgen Wie Wladimir Putin Donald Trump austrickst

Roland Nelles
Von Roland Nelles, Büroleiter in Washington

Liebe Leserin, lieber Leser, guten Morgen,

heute beschäftigen wir uns mit der nicht ganz selbstlosen Hilfe Russlands für die USA in der Coronakrise, mit den Beratungen von Bund und Ländern. Und mit einer seltsamen Corona-Maßnahme in Turkmenistan.

Putin hilft Amerika - warum?

In den USA steigt die Zahl der Corona-Infizierten auf mehr als 180.000, innerhalb eines Tages starben 865 Menschen. Präsident Donald Trump hat seine Landsleute darauf vorbereitet, dass die nächsten zwei Wochen "sehr, sehr schmerzhaft" werden könnten. Die Corona-Experten der Task-Force im Weißen Haus sagen insgesamt zwischen 100.000 und 240.000 Tote voraus.

Die Lage ist inzwischen offenbar schon so schlimm, dass die US-Regierung sogar bereit ist, vom alten Erzrivalen Russland Hilfe anzunehmen. Trump und Wladimir Putin haben nach Kreml-Angaben in einem Telefonat vereinbart, dass die Russen ein Flugzeug mit Hilfsgütern in die USA schicken. Trump bestätigte dies.

Ob das Angebot aus Moskau ganz so selbstlos ist, wie es erscheinen mag, darf zumindest bezweifelt werden. Es kann gut sein, dass Putin Trump hier wieder einmal austrickst. Tatsächlich sendet die Hilfe eine klare Botschaft, die in Putins sonstige Strategie passt: Amerika erscheint schwach, Russland stark und großzügig.

In der Vergangenheit hat Putin Hilfslieferungen immer wieder gezielt als Propaganda-Instrument eingesetzt, etwa in der Ukrainekrise oder im Syrienkonflikt. In Italien, wo jüngst auch russische Lieferungen ankamen, berichteten Medien, 80 Prozent der Hilfsgüter seien nutzlos gewesen.

Andrew S. Weiss, Russlandexperte beim Washingtoner Think Tank Carnegie Endowment kommentiert: "Das ist verrückt. Hoffentlich sagt jemand Trump noch, dass er hier Russlands Propaganda in die Hände spielt."

Merkel konferiert mit Ministerpräsidenten

Hallo, ja, sind alle da? Moment, es fehlt noch Kollege xy. Nein, ich bin doch hier. Kann ich jetzt auch mal etwas sagen? Jaaaaa? Und so weiter: Telefonkonferenzen können qualvoll sein, gleichwohl feiern sie in der Coronakrise ein Comeback. Die "Telko", "Schalte" oder "Videokonfi" ist in vielen Unternehmen und Behörden das Steuerungsinstrument der Stunde, schlicht deshalb, weil es an Alternativen mangelt.

Kanzlerin Angela Merkel nutzt die "Schalte", um aus der Corona-Quarantäne in ihrer Berliner Wohnung das Land zu regieren. Heute berät sie so zunächst mit dem Bundeskabinett, dann spricht sie mit den Ministerpräsidenten der Länder über den Kampf gegen das Virus. Gemeinsam wolle man die Entwicklung beurteilen, wie es heißt. Voraussichtlich werden die von Bund und Ländern beschlossenen Kontaktbeschränkungen über den 5. April hinaus verlängert. In einigen Ländern gelten sie ohnehin schon bis zum 20. April.

Diskutiert werden könnte bei der Konferenz auch die Einführung einer Maskenpflicht beim Einkaufen, so wie es sie jetzt in Österreich gibt. Dass diese in Deutschland flächendeckend kommt, ist derzeit aber unwahrscheinlich. Die einfachen Masken schützen den Träger oder die Trägerin bekanntlich kaum vor einer Ansteckung. Sie können lediglich sinnvoll sein, um zu verhindern, dass Infizierte das Virus weitergeben. Die wenigen Masken, die es derzeit gibt, werden aktuell jedoch dringend für das medizinische Personal benötigt. 

Neuer Auslandspodcast startet

SPIEGEL-Leser wissen mehr: Unsere Redaktion verfügt über ein weltumspannendes Korrespondentennetz. Gerade jetzt in der Coronakrise ermöglicht uns diese starke Präsenz in vielen Ländern, Ihnen einen detaillierten Überblick über das zu geben, was in den unterschiedlichen Regionen der Erde vor sich geht. Und wir bauen unser Angebot für Sie weiter aus, mit dem neuen Auslandspodcast "Acht Milliarden".

Mein Kollege Juan Moreno spricht mit den SPIEGEL-Korrespondentinnen und -Korrespondenten über die globale Herausforderung. Wie navigiert die Welt durch die Coronakrise? Wie wirkt sie sich auf Politik und Gesellschaft aus? Wie gehen die Menschen weltweit damit um? In der ersten Folge ist China-Korrespondent Bernhard Zand zu Gast. Er erlebt die Coronakrise in dem Riesenreich seit Wochen mit und erklärt viele Hintergründe.

 Verlierer des Tages…

…ist die Regierung von Turkmenistan. Die Zentralasiatische Republik hat sich ein besonders bizarres Instrument ausgedacht, um der Coronakrise zu begegnen. Das Wort "Coronavirus" wurde verboten. Nach einem Bericht der Organisation "Reporter ohne Grenzen" dürfen die Staatsmedien es nicht länger benutzen. Auch aus den Broschüren der Gesundheitsbehörden soll es entfernt werden. Offiziell gibt es in dem Land unter dem Regime von Gurbanguly Berdimuhamedow angeblich bisher keinen einzigen Corona-Fall. Ob das stimmt, ist mehr als fraglich, Turkmenistan grenzt unmittelbar an Iran, wo sich das Virus seit Wochen ausbreitet.

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Ihr Roland Nelles

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