Krieg in Osteuropa Satellitenbilder zeigen Zerstörung auf Krim, giftiges Ammoniak in Donezk ausgetreten

Bei den Explosionen auf der Krim wurden neuen Aufnahmen zufolge mindestens sieben russische Kampfflugzeuge zerstört. In Donezk bereitet ein Brauereibrand Probleme. Und: Selenskyj ruft zu Widerstand auf. Der Überblick.
Der russische Stützpunkt Saki auf der Krim: Die Aufnahme von Planet Labs PBC entstand nach den Explosionen und soll mindestens sieben zerstörte Kampfflugzeuge zeigen

Der russische Stützpunkt Saki auf der Krim: Die Aufnahme von Planet Labs PBC entstand nach den Explosionen und soll mindestens sieben zerstörte Kampfflugzeuge zeigen

Foto:

Planet Labs PBC / AP

Was in den vergangenen Stunden geschah

Noch immer ist unklar, was genau zu den heftigen Explosionen auf einem russischen Militärstützpunkt auf der Halbinsel Krim führte, die Angaben sind teils widersprüchlich . Inzwischen gibt es aber zunehmend Berichte über die Schäden, die dabei entstanden sind.

Laut dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj wurden auf dem russischen Luftwaffenstützpunkt Saki auf einen Schlag neun russische Kampfflugzeuge zerstört. Russland wiederum behauptet, es seien keinerlei Flugzeuge beschädigt worden; es habe lediglich mehrere Explosionen von Munition auf einem Lagergelände gegeben.

DER SPIEGEL

Neue Satellitenaufnahmen von Planet Labs PBC lassen die Zweifel an Russlands Version nun allerdings wachsen. Sie zeigen, dass mindestens sieben Kampfflugzeuge komplett zerstört und weitere beschädigt wurden. Die Bilder entstanden nach den Explosionen auf Saki. Auf Fotos desselben Stützpunktes, die vor den Detonationen entstanden, sind noch mehrere intakte Flugzeuge zu erkennen.

Der russische Stützpunkt Saki auf der Krim: Die Aufnahme von Planet Labs PBC entstand vor den Explosionen und soll die intakten Kampfflugzeuge zeigen

Der russische Stützpunkt Saki auf der Krim: Die Aufnahme von Planet Labs PBC entstand vor den Explosionen und soll die intakten Kampfflugzeuge zeigen

Foto: Planet Labs PBC / AP

Auch der US-Sender CNN berichtet über die neuen Aufnahmen: Gemessen an der Anzahl der zerstörten Flugzeuge könnte es sich um einen der zerstörerischsten Tage für Flugzeuge der russischen Luftwaffe seit dem Zweiten Weltkrieg handeln, heißt es in dem Bericht .

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In der ostukrainischen Separatistenhochburg Donezk ist derweil nach Angaben örtlicher Behörden giftiges Ammoniak ausgetreten. Der Brand in einer Brauerei sei durch den Beschuss ukrainischer Artillerie ausgelöst worden, teilte die Territorialverteidigung Donezk am Mittwoch mit. Das Gas verteile sich im Umkreis von zwei Kilometern. Die Bevölkerung wurde aufgefordert, in Gebäuden zu bleiben und Fenster geschlossen zu halten. Ammoniak – bekannt für seinen stechenden Geruch – dient beim Bierbrauen als Kühlmittel.

Die Front zwischen ukrainischen Truppen und den Einheiten der von Moskau gesteuerten Separatisten verläuft seit 2014 nur wenige Kilometer nordöstlich der größten Stadt im Donbass. In diesen Tagen gibt es dort heftige Kämpfe. Russische Truppen versuchen, die gut befestigten ukrainischen Linien zu durchbrechen. Durch ukrainischen Beschuss seien am Mittwoch in Donezk drei Zivilisten getötet worden, teilten die Separatisten mit. Die Berichte sind in der Regel nicht unabhängig zu überprüfen.

Das sagt Kiew

Präsident Selenskyj rief die Bewohnerinnen und Bewohner der von Russland besetzten Gebiete zum Widerstand auf. Sie sollten den ukrainischen Streitkräften über sichere Kanäle Informationen zum Feind oder über Kollaborateure übermitteln, sagte er in seiner allabendlichen Videoansprache.

Selenskyj äußerte auch die Erwartung, dass die russischen Besatzer bald die Flucht ergreifen. »Sie haben bereits das Gefühl, dass die Zeit gekommen ist, aus Cherson und im Allgemeinen aus dem Süden unseres Landes zu fliehen. Es wird eine Zeit geben, in der sie aus dem Gebiet Charkiw, aus dem Donbass und von der Krim fliehen werden.«

Präsident Selenskyj Ende Juli in Kiew

Präsident Selenskyj Ende Juli in Kiew

Foto: Efrem Lukatsky / dpa

Außerdem kündigte der Präsident Vergeltung für russische Luftangriffe auf das Gebiet Dnipropetrowsk an. Dabei waren in der Nacht auf Mittwoch 13 Zivilisten getötet worden. Wie lange der Krieg noch dauere, hänge von den russischen Verlusten ab, sagte Selenskyj. »Je höher die Verluste der Besatzer sind, desto schneller können wir unser Land befreien.« Dies wiederum hänge von der ausländischen Militärhilfe für die Ukraine ab. Je entschiedener sie ausfalle, desto eher könnten die Ukraine und Europa wieder in Frieden leben.

Die Regierung in Kiew teilte am Mittwoch mit, dass sie ihre diplomatischen Interessen in Russland künftig durch die Schweiz vertreten lassen wolle. Die Schweiz habe »große Erfahrung bei der Erfüllung solcher Funktionen«, sagte ein Sprecher des Außenministeriums, Oleh Nikolenko. Nach Angaben ukrainischer Medien bestätigte das Schweizer Außenministerium die Einigung.

Moskau lehnt diese Lösung allerdings ab. Das russische Außenministerium verwies auf Äußerungen von Minister Sergej Lawrow, wonach man keine Vermittlung eines Landes akzeptieren werde, das sich Sanktionen angeschlossen habe. Die Neutralität der Schweiz sei durch deren Übernahme der EU-Sanktionen entwertet, heißt es in einer Stellungnahme, aus der die Zeitung »Kommersant« zitierte.

Wirtschaftliche Konsequenzen

Die EU-Staaten dürfen seit Mitternacht keine Kohle mehr aus Russland importieren. Zu diesem Zeitpunkt endete die Übergangsperiode für das Kohleembargo gegen Russland, das die EU-Staaten als Teil des fünften Sanktionspakets im April beschlossen hatten. Damit sich die Industrie auf das Einfuhrverbot einstellen konnte, hatten sich die Länder damals auf eine Übergangsfrist von 120 Tagen geeinigt.

Ziel des Importstopps ist es, die russische Wirtschaft vor dem Hintergrund des Krieges in der Ukraine weiter zu schwächen. Nach Angaben der EU-Kommission im April könnte das Kohleembargo ein Minus von rund acht Milliarden Euro pro Jahr für Russland bedeuten.

Moldau wird eigenen Angaben zufolge die Gasrechnung des russischen Lieferanten Gazprom im August nicht bezahlen können. »Ich kann Ihnen jetzt schon sagen, dass wir nicht in der Lage sind zu zahlen«, sagte der Vorsitzende von Moldovagaz, Ion Ceban, der moldauischen Nachrichtenseite Newsmaker. »Wir werden den Juli abdecken, aber wir können die Vorauszahlung für August nicht leisten. Das ist klar.«

Die Ex-Sowjetrepublik hoffe auf einen Aufschub und einen neuen, günstigeren Vertrag im vierten Quartal mit Gazprom. Das südosteuropäische Land, das gerade den EU-Kandidatenstatus erhalten hat, kämpft mit einer Inflation von 29 Prozent und hatte im vergangenen Jahr wiederholt Schwierigkeiten, seine Gasrechnungen zu begleichen. Gazprom hat Moldovagaz damals mehrfach gewarnt, dass es die Lieferungen einstellen könnte.

Was heute passiert

  • Angesichts der Gefahr einer nuklearen Katastrophe  im ukrainischen Atomkraftwerk Saporischschja soll sich der Uno-Sicherheitsrat nach Angaben aus diplomatischen Kreisen heute um 21 Uhr MESZ zu einer Krisensitzung treffen. Seit Tagen wird aus der Gegend um das AKW heftiger Beschuss gemeldet. Moskau und Kiew machen sich gegenseitig für die Angriffe in der Region verantwortlich.

  • Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) stellt sich ab elf Uhr den Fragen von Journalistinnen und Journalisten. Bei dem Auftritt vor der Bundespressekonferenz will er sich zu aktuellen Themen der Innen- und der Außenpolitik äußern. Im Mittelpunkt dürften die Folgen des russischen Krieges in der Ukraine und die sich abzeichnende Energiekrise stehen.

aar/dpa/AFP
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