Krieg in Osteuropa Ukraine meldet 22 Tote bei russischem Angriff auf Bahnhof, Tausende Deutsche bei Antikriegsdemonstrationen

Der ukrainische Präsident gibt sich siegessicher. Bundesaußenministerin Baerbock sieht in Friedensgesprächen mit Moskau derzeit keinen Sinn. Und: Die USA verurteilen Russlands »Schauprozesse«. Das geschah in der Nacht.
Angesichts der Gefahr russischer Angriffe wurden die Militärparaden am ukrainischen Unabhängigkeitstag abgesagt – in Kiew wurde stattdessen zerstörtes russisches Kriegsgerät zur Schau gestellt

Angesichts der Gefahr russischer Angriffe wurden die Militärparaden am ukrainischen Unabhängigkeitstag abgesagt – in Kiew wurde stattdessen zerstörtes russisches Kriegsgerät zur Schau gestellt

Foto:

Evgeniy Maloletka / AP

Was in den vergangenen Stunden geschah

Genau sechs Monate nach Beginn des Ukrainekriegs sind bei einem russischen Angriff auf einen Bahnhof im Zentrum des Landes mindestens 22 Menschen getötet worden. Das sagte Präsident Wolodymyr Selenskyj am Mittwochabend in einer Videoansprache . Fünf der Toten seien in einem Auto an den Bahngleisen gestorben.

Die Rakete war am Bahnhof des Ortes Tschaplyne des zentralukrainischen Gebietes Dnipropetrowsk eingeschlagen. Mehr als 50 Menschen wurden nach ersten Angaben verletzt. Die Informationen ließen sich zunächst nicht unabhängig überprüfen. In einem anderen Ort des Gebietes Dnipropetrowsk wurde nach Angaben der Gebietsverwaltung ein elfjähriges Kind durch Beschuss getötet.

In einer vorherigen Zwischenbilanz des Angriffs auf den Bahnhof hatte der ukrainische Präsident noch von mindestens 15 Toten und rund 50 weiteren verletzten Menschen gesprochen. Durch den Beschuss seien vier Eisenbahnwaggons in Brand geraten. »Tschaplyne ist heute unser Schmerz«, sagte Selenskyj in seiner Videobotschaft. Die Ukraine werde die russischen Angreifer aber vertreiben.

Am Mittwoch feierte die Ukraine den 31. Jahrestag ihrer Unabhängigkeit von der Sowjetunion. »Unsere Unabhängigkeit endet nicht und wird niemals enden«, sagte Selenskyj. Er versicherte, es werde auch einen 32. Unabhängigkeitstag und einen 33. und alle folgenden geben. »Die Ukraine wird ewig bestehen.«

Internationale Reaktionen

Ein halbes Jahr nach dem Einmarsch russischer Truppen in die Ukraine haben in deutschen Städten Tausende Menschen gegen den Krieg protestiert. In Berlin zog eine Menge nach Gebeten in der Gedächtniskirche am Breitscheidplatz in Richtung Brandenburger Tor. Etliche von ihnen schwenkten ukrainische Flaggen, trugen diese über den Schultern oder blau-gelbe Kleidungsstücke. Nach Angaben der Polizei kamen rund 3500 Menschen zusammen. Die Veranstalter hatten mit bis zu 10.000 Demonstranten gerechnet.

In Frankfurt am Main demonstrierten nach Angaben der Polizei mehrere tausend Menschen für Solidarität mit der Ukraine. In Mainz bildeten Menschen eine Kette über die Theodor-Heuss-Brücke, um ihre Solidarität zu zeigen.

Demonstranten in Berlin

Demonstranten in Berlin

Foto: IMAGO/Achille Abboud

Die ARD sendete ihre »Tagesthemen« zu diesem besonderen Tag live aus Kiew. In der Sendung kamen neben Außenminister Dmytro Kuleba auch Ukrainerinnen und Ukrainer zu Wort, die über ihr Leben im Krieg sprachen (mehr dazu erfahren Sie hier).

In einem Interview mit dem ZDF-»heute journal«  sagte Bundesaußenministerin Annalena Baerbock (Grüne), dass sie in Friedensgesprächen mit Moskau derzeit keinen Sinn sehe. Moskau sei nicht mal dazu bereit, »über humanitäre Korridore wirklich umfänglich zu verhandeln«. Derzeit gebe es nicht mehr zu tun, als weiterhin »mit Waffenlieferungen die Ukraine zu unterstützen«.

Laut Baerbock ist es unklar, ob die Ukraine den Krieg gegen Russland gewinnen kann. »Das wissen wir nicht«, sagte sie auf eine entsprechende Frage in dem Interview. »So brutal ist die Realität.« Aber man werde alles dafür tun, dass dies möglich werde.

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Die USA haben die angekündigten russischen Prozesse gegen ukrainische Kriegsgefangene aus Mariupol verurteilt. »Die geplanten Schauprozesse sind unrechtmäßig und eine Verhöhnung der Justiz«, sagt Ned Price, Sprecher des US-Außenministeriums. »Wir verurteilen sie aufs Schärfste.« Russland versuche damit, von der Verantwortung für die Invasion seines Nachbarn abzulenken.

DER SPIEGEL

Was heute passiert

  • Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) besucht heute den Truppenübungsplatz Putlos in Schleswig-Holstein. Dort werden Soldatinnen und Soldaten aus der Ukraine für den Flugabwehrpanzer Gepard ausgebildet. Deutschland hat der Ukraine die Lieferung von 30 solcher Panzer zugesagt, die sich derzeit noch in Altbeständen des Rüstungskonzern Krauss-Maffei Wegmann befinden.

  • Die USA hatten der Ukraine gestern Militärhilfen für drei Milliarden US-Dollar zugesagt. Heute wollen US-Präsident Joe Biden und Selenskyj bei einem Telefonat Einzelheiten besprechen.

  • Die Internationale Kampagne für das Verbot von Landminen und Streumunition (ICBL-CMC) stellt in Genf ihren Jahresbericht zum Einsatz von Streumunition vor. Gemeint sind Geschosse, die kurz vor dem Aufschlag viele kleine Sprengkörper freisetzen, die sich verteilen und eine unkontrollierbare Gefahr für Menschen bedeuten. Russland hat nach ersten Erkenntnissen der Organisation solche Munition auch in der Ukraine eingesetzt.

aar/dpa/AFP
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