Krieg in Osteuropa Neuer ukrainischer Botschafter rechnet mit Leopard-Panzern, Moskau ist laut Selenskyj nicht bereit zu verhandeln

Oleksij Makejew sieht »Grund zur Hoffnung«, dass Berlin die gewünschten Panzer liefert. Und Selenskyj warnt, Moskau wolle alle in die Irre führen. Der Stand am Morgen.
Oleksij Makejew bei seinem Antritt als ukrainischer Botschafter in Deutschland Ende Oktober am Schloss Bellvue

Oleksij Makejew bei seinem Antritt als ukrainischer Botschafter in Deutschland Ende Oktober am Schloss Bellvue

Foto: Michele Tantussi / REUTERS

Das sagt Kiew

Der neue ukrainische Botschafter in Berlin, Oleksij Makejew, rechnet mit der Lieferung von Kampfpanzern aus Deutschland. »Wir haben Grund zur Hoffnung, dass die Entscheidung fällt, Leopard 2 aus Deutschland direkt in die Ukraine zu liefern«, sagte er den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Hierzu gebe es Gespräche mit der Bundesregierung.

»Wir brauchen diese Kampfpanzer«, betonte Makejew, der seit Ende Oktober Botschafter in Deutschland ist. Es sei an der »Zeit, mit dem Gerede aufzuhören, man wolle Russland nicht provozieren. Was soll denn noch passieren? Wie viele Butschas, Mariupols oder Isjums – Orte der Vergewaltigung und der Massengräber – soll es noch geben?«

Deutschland habe »Führung gezeigt« mit der Lieferung des Raketenabwehrsystems Iris-T, sagte der Diplomat weiter, der seit Ende Oktober Botschafter in Deutschland ist. »Und diese Führungsrolle erwarten wir bei weiteren Waffensystemen.« In einem Interview mit den ARD-Tagesthemen sagte Makejew zudem am Freitag, er spüre jeden Tag, dass Deutschland hilfsbereit sei.

Makejew sprach sich auch dafür aus, Menschen aus Russland nicht mehr nach Deutschland zu lassen. »Andere Länder verwehren Russen die Einreise. Ich appelliere an die Bundesregierung, das auch so zu machen«, sagte er. Er sprach in diesem Zusammenhang von einem »ernsten Sicherheitsrisiko«. »Die Russen, die nach Deutschland kommen, tun dies nicht aus Protest gegen den Krieg«, sagte der Diplomat. »Sie wollen nur nicht im Krieg sterben.«

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sieht unterdessen keine Bereitschaft bei Moskau zu Verhandlungen über ein mögliches Ende des Angriffskrieges gegen sein Land. Russland schicke Zehn- oder Hunderttausende Menschen für den Kampf; wer verhandeln wolle, lasse die Menschen aber nicht im »Fleischwolf« sterben, sagte Selenskyj am Freitagabend in seiner täglichen Videobotschaft. Für einen »fairen und gerechten Frieden« müsse Russland die Grenzen der Ukraine und ihre territoriale Unversehrtheit respektieren.

Der ukrainische Staatschef warf Russland vor, mit den jüngst auch gegenüber ausländischen Gesprächspartnern angebotenen Verhandlungen über ein Ende des Konflikts alle in die Irre zu führen. Zwar habe Moskau die Mobilmachung für beendet erklärt. »Aber in Wahrheit sammelt Russland in seinen Regionen und auf unseren Gebieten, die besetzt sind, weiter Leute ein, um sie sterben zu lassen«, sagte er.

Die schwersten Kämpfe sind laut Selenskyj derzeit im Donbass um die Städte Bachmut und Soledar im Gebiet Donezk.

Das sagt Moskau

In der von russischen Truppen besetzten ukrainischen Stadt Cherson forderten die Behörden die Menschen erneut mit Nachdruck zur Flucht auf. Kremlchef Wladimir Putin sagte in Moskau, die Evakuierung der Stadt Cherson sei notwendig, damit die Menschen nicht durch Kampfhandlungen gefährdet würden.

Nach offiziellen Angaben sollen bereits 80.000 Menschen das Gebiet Cherson verlassen haben. Die Ukraine spricht von Verschleppung der Menschen. In den umkämpften Teilen der Region sollen noch weiter 170.000 Menschen ausharren, die bisher nicht fliehen wollten oder konnten. Nach nicht überprüfbaren Angaben des russischen Verteidigungsministeriums werden weiter rund 5000 Menschen täglich über den Fluss Dnipro in Booten und über eine Pontonbrücke gebracht. Die »Evakuierung« soll am Samstag fortgesetzt werden. Die ukrainische Armee führt seit Wochen eine Offensive zur Befreiung der Region. (Lesen Sie hier mehr  zum Stand in Cherson.)

Internationale Reaktionen

Der Nationale Sicherheitsberater von US-Präsident Joe Biden, Jake Sullivan, ist unangekündigt nach Kiew gereist. Bei politischen Gesprächen sicherte er Kiew »die unerschütterliche Unterstützung« seines Landes zu, wie eine Sprecherin mitteilte. Demnach bekräftigte er auch die Bereitschaft zu weiterer wirtschaftlicher und humanitärer Hilfe. Dabei sei auch über ein neues von den USA am Freitag bereitgestelltes militärisches Hilfspaket im Wert von 400 Millionen US-Dollar für die Ukraine gesprochen worden.

kko/dpa/AFP
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