Ukraine-News am Sonntag Trudeau verspricht weitere Waffen – und will die Botschaft in Kiew wiedereröffnen

Jill Biden, Justin Trudeau und Bärbel Bas besuchen die Ukraine. Der ukrainische Außenminister kritisiert Berlin. Und: Im Schwarzen Meer toben heftige Kämpfe um die strategisch wichtige Schlangeninsel. Das waren die News am 8. Mai.
Justin Trudeau mit Präsident Selenskyj

Justin Trudeau mit Präsident Selenskyj

Foto: SERGEI SUPINSKY / AFP
Das Wichtigste in Kürze
  • Besuch in der Ukraine: First Lady Jill Biden, Bundestagspräsidentin Bärbel Bas und Kanadas Premier Justin Trudeau sind am Sonntag in die Ukraine gereist.

  • Bei einem russischen Luftangriff auf eine Schule im Gebiet Luhansk sind ukrainischen Angaben zufolge bis zu 60 Menschen getötet worden.

  • Die strategisch wichtige Schlangeninsel ist offenbar schwer umkämpft. Das legen Lageberichte beider Seiten nahe.

  • Olaf Scholz hat seine Russlandpolitik in einer TV-Ansprache erläutert. Anlass war das Gedenken an das Ende des Zweiten Weltkriegs. Scholz sagte unter anderem: »Angst darf uns nicht lähmen«

Auch Bulgarien fordert Ausnahme bei Öl-Embargo der EU

23:43 Uhr: Nach Ungarn, der Slowakei und Tschechien fordert auch Bulgarien eine Ausnahme vom geplanten russischen Öl-Embargo der EU. Andernfalls werde Bulgarien sein Veto einlegen, sagt der Vize-Ministerpräsident Assen Wassilew dem bulgarischen Sender BNT.

Eine Ausnahme sei notwendig, weil die bulgarische Raffinerie Burgas Zeit für die Ausweitung ihrer Entschwefelung benötige, sollte sie nur noch nicht-russisches Öl verarbeiten. Die Hälfte des dort verarbeiteten Öls kommt derzeit noch aus Russland. Angesichts der derzeitigen Gespräche mit der EU dazu glaube er aber nicht, dass Bulgarien am Ende sein Veto einlegen müsse, sagte Wassilew.

Habeck: Raffinerie Schwedt kann gerettet werden

22.13 Uhr: Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck sieht trotz der Sanktionen gegen russisches Öl eine Zukunft für die Raffinerie im ostdeutschen Schwedt. Mit Öl aus anderen Ländern und einem vollen staatlichen Zugriff auf die Raffinerie könne man Schwedt retten und mittelfristig sogar zu einem Leuchtturmprojekt für Wasserstoff machen, sagt Habeck dem Sender »Welt« einem Vorab-Bericht zufolge. Man komme aber nicht weiter, solange sich der russische Ölkonzern Rosneft querstelle.

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne)

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne)

Foto: FABIAN BIMMER / REUTERS

Die Raffinerie versorgt den Großraum Berlin und Brandenburg und Teile Polens und gehört mehrheitlich Rosneft. Dort wird russisches Öl über eine Pipeline angeliefert. Habeck will am Montag nach Schwedt reisen.

Ukrainischer Außenminister kritisiert Berlin

21:00 Uhr: Dmytro Kuleba, Außenminister der Ukraine, hat die Entscheidung des Berliner Sentas kritisiert, auch ukrainische Flaggen an einigen Gedenkorten zu verbieten. »Berlin hat einen Fehler gemacht«, schrieb Kuleba auf Twitter. Es sei zutiefst falsch, ukrainische Flaggen gleichberechtigt mit russischen Symbolen zu behandeln. Die Entscheidung sei ein Angriff auf all diejenigen, die derzeit Europa und Deutschland gegen die russische Aggression verteidigten.

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Die Berliner Polizei hatte für den 8. Mai Auflagen für insgesamt 15 Gedenkorte der Hauptstadt verhängt, wo keine Flaggen und militärischen Symbole erlaubt waren. Daher hatte die Polizei am Sonntag vor dem Sowjetischen Ehrenmal eine riesige Ukraine-Flagge eingerollt, die von Aktivisten mitgebracht worden war. Der Senat verteidigte die Entscheidung und erklärte, durch diese Regeln solle ein »würdevolles, friedliches Gedenken« ermöglicht werden. Überall sonst seien Fahnen in der Öffentlichkeit erlaubt.

Trudeau verspricht mehr Waffen

20.30 Uhr: Justin Trudeau ist zu einem Besuch in die Ukraine gereist und hat den Kiewer Vorort Irpin besucht, der vor wenigen Wochen noch heftig umkämpft war.

Justin Trudeau und Wolodymyr Selenskyj bei ihrer gemeinsamen Pressekonferenz in Kiew

Justin Trudeau und Wolodymyr Selenskyj bei ihrer gemeinsamen Pressekonferenz in Kiew

Foto: SERGEY DOLZHENKO / EPA

Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Präsident Selenskyj versprach er weitere Waffenlieferungen. »Heute kündige ich mehr Militärhilfe, Drohnenkameras, Satellitenbilder, Kleinwaffen, Munition und andere Unterstützung an, einschließlich der Finanzierung von Minenräumaktionen«, sagte Trudeau. Zudem beschließe Kanada Sanktionen gegen 40 weitere Russen, die Botschaft in Kiew werde wiedereröffnet.

Scholz: »Angst darf uns nicht lähmen«

20.10 Uhr: Olaf Scholz hat in einer TV-Ansprache des Endes des Zweiten Weltkriegs vor 77 Jahren gedacht. Die Rede nutzte der Kanzler, um seine Russlandpolitik zu erklären. Er sagte: »Wir verteidigen Recht und Freiheit – an der Seite der Angegriffenen. Wir unterstützen die Ukraine im Kampf gegen den Aggressor.« (lesen Sie hie einen Kommentar zur Rede, hier ist sie in voller Länge zu sehen.)

Russland beschießt weitere Ziele in Ukraine

20.01 Uhr: Russland hat weitere Ziele in der Ukraine beschossen. Nach Angaben der ukrainischen Regionalverwaltung von Luhansk wurden dabei in einer Ölraffinerie in Lyssytschansk Produktionsanlagen beschädigt.

Das russische Verteidigungsministerium erklärte, sechs Raketen- und Artillerielager in den Gebieten Luhansk, Donezk und Charkiw seien zerstört worden. Auf einem Bahnhof der Stadt Soledar seien Waffen und Militärausrüstung zerstört worden, die die Ukraine von den USA und anderen westlichen Staaten erhalten habe.

Uno-Generalsekretär Guterres besucht Republik Moldau

19.55 Uhr: Uno-Generalsekretär António Guterres reist am Montag für einen zweitägigen Besuch in die Republik Moldau. Dort sind unter anderem Treffen mit der politischen Führung und ein Besuch eines Auffanglagers für ukrainische Kriegsflüchtlinge geplant. Seit Beginn der russischen Invasion in der Ukraine am 24. Februar sind fast eine halbe Million Ukrainer in das Nachbarland geflüchtet.

Die meisten Flüchtlinge reisten weiter nach Rumänien und in andere EU-Länder, dennoch sind die Menschen für die kleine, verarmte ehemalige Sowjetrepublik eine große Belastung. Auch wuchs zuletzt die Furcht, dass der Krieg in der Ukraine auf das Nachbarland übergreifen könnte. In der moldauischen, pro-russischen Separatistenregion Transnistrien hat Russland rund 1500 Soldaten stationiert.

G7-Staaten vereinbaren Ausstieg aus russischem Öl

18.50 Uhr: Die sieben wichtigsten westlichen Industriestaaten stellen sich hinter die Position der USA und der EU, aus den Ölimporten aus Russland schrittweise auszusteigen. »Wir werden dafür sorgen, dass wir dies rechtzeitig und geordnet tun, und zwar in einer Weise, die der Welt Zeit gibt, alternative Lieferungen zu sichern«, hieß es in einer am Sonntag veröffentlichten G7-Erklärung. Zuvor hatten Kanzler Olaf Scholz und die Staats- und Regierungschefs von USA, Frankreich, Italien, Großbritannien, Kanada und Japan in einer Videoschalte konferiert. Daran nahm auch der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj teil. Deutschland hat derzeit den Vorsitz der Gruppe inne.

Die Staaten verurteilten Russland für den Angriffskrieg. »Wir sind entsetzt über den massiven Verlust von Menschenleben, den Angriff auf die Menschenrechte und die Zerstörung, die das russische Vorgehen in der Ukraine angerichtet hat.« Die USA kündigten darüber hinaus weitere Sanktionen an:

  • Die USA wollen ein Verbot für unternehmerische Dienstleistungen für Firmen oder Personen in Russland einführen. Betroffen seien etwa Dienstleistungen im Bereich Buchhaltung, Management, Beratung oder Marketing.

  • Die USA würden darüber hinaus Sanktionen gegen drei der wichtigsten Fernsehsender verhängen, die direkt oder indirekt von der Regierung von Präsident Wladimir Putin kontrolliert würden: Perwy Kanal. Rossija-1 und NTW. An diese »Sprachrohre des Kreml« dürften weder Werbeaufträge aus den USA erteilt noch US-Technik zum Sendebetrieb geliefert werden.

  • Zudem würden die USA ihre Exportkontrollen weiter verschärfen, um Russlands Kriegsanstrengungen zu schwächen. Betroffen seien etwa Holzprodukte, Industriemotoren und Räumfahrzeuge. Auch gegen Manager der größten und der drittgrößten russischen Bank, Sberbank und Gazprombank, würden Sanktionen verhängt. Die anderen G7-Staaten kündigten ähnliche Maßnahmen im Bereich unternehmerische Dienstleistungen sowie gegen russische Banken und russische Propaganda und Desinformation an.

Kühnert trifft Botschafter Melnyk

17.52 Uhr: SPD-Generalsekretär hat offenbar gemeinsam mit dem ukrainischen Botschafter Andrij Melnyk den Opfern des Zweiten Weltkriegs gedacht. Bei Twitter veröffentlichte er am Nachmittag ein entsprechendes Foto. Kühnert und Melnyk sind heute Abend beide bei »Anne Will« zu Gast.

CDU-Abgeordneter fordert Tätigkeitsverbot für Altkanzler Schröder

17.45 Uhr: In der Debatte um die Kürzung der Amtsausstattung Gerhard Schröder kommt aus der CDU/CSU-Bundestagsfraktion der Vorstoß, ihm seine Einnahmen aus der Tätigkeit für russische Energiekonzerne zu nehmen. Man sollte den Altkanzer nicht weiterhin Millionen-Beträge für seine Tätigkeiten zugunsten von Gazprom und Rosneft verdienen lassen, sagte der CDU-Abgeordnete Thomas Heilmann der Deutschen Presse-Agentur.

»Das geht verhältnismäßig einfach, indem man ein entsprechendes Tätigkeitsverbot ausspricht. Beträge, die er dennoch erhalten würde, müsste er vollständig an die Staatskasse abführen«, erläuterte Heilmann. Er hat den Wissenschaftlichen Dienst des Bundestags um eine Analyse gebeten, auf welchem rechtlichen Weg dies geschehen könnte.

Schröder steht massiv in der Kritik, weil er sich trotz des russischen Angriffs auf die Ukraine nicht von seinen Posten für russische Energieunternehmen trennt. Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) hat deshalb dafür plädiert, ihm sein vom Staat finanziertes Büro zu streichen. CSU-Chef Markus Söder verlangte, Schröder müsse seine Privilegien als Altkanzler zurückgeben.

Treffen der First Ladys in der Westukraine

16.20 Uhr: Die First Lady der USA, Jill Biden, ist zu einem unangekündigten Besuch in die Ukraine gereist. In einer als Unterkunft für Binnenflüchtlinge genutzten Schule in der Stadt Uschgorod kam Biden mit der ukrainischen Präsidentengattin Olena Selenska zusammen, wie ihr Sprecher am Sonntag sagte. Nach Angaben eines US-Vertreters handelte es sich um den ersten öffentlichen Auftritt der Frau des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj seit Beginn des russischen Angriffskriegs am 24. Februar.

Jill Biden und Olena Selenska in Uschgorod

Jill Biden und Olena Selenska in Uschgorod

Foto: Susan Walsh / AP

Es sei ihr ein Anliegen gewesen, am Muttertag in die Ukraine zu reisen, sagte Biden vor Journalisten. »Ich fand es wichtig, den Ukrainern zu zeigen, dass dieser Krieg aufhören muss, dass dieser Krieg brutal ist und dass die Vereinigten Staaten an der Seite des ukrainischen Volkes stehen.«

Zerstörungen in Odessa nach russischen Raketenangriffen

15.45 Uhr: Die Verwaltung der ukrainischen Hafenstadt Odessa hat nach russischen Angriffen von zahlreichen zerstörten Wohnhäusern berichtet. Mehr als 250 Wohnungen seien durch Raketenbeschuss beschädigt worden, teilte der Stadtrat der Schwarzmeer-Metropole am Sonntag auf Telegram mit. Davon sei nur noch ein Viertel derzeit bewohnbar. Über mögliche Todesopfer war zunächst nichts bekannt. Ukrainische Behörden hatten am Samstag mehrere Raketeneinschläge in Odessa gemeldet. Aus dem russischen Verteidigungsministerium hieß es später, mit Langstreckenwaffen sei Kriegsgerät der ukrainischen Luftwaffe zerstört worden.

Bono spielt in der Kiewer Metro

15.00 Uhr: Der irische Rockstar Bono hat ein Überraschungskonzert in Kiew gegeben und dabei den Ukrainern für ihren Kampf für die »Freiheit« gedankt. »Die Menschen in der Ukraine kämpfen nicht nur für ihren eigenen Frieden, ihr kämpft auch für all jene von uns, die den Frieden lieben«, sagte der U2-Frontmann während des Konzerts in einem Kiewer U-Bahnhof am Sonntag.

Gemeinsam mit U2-Gitarrist The Edge trat Bono vor einer kleinen Gruppe ukrainischer Fans auf, darunter auch einige Mitglieder der ukrainischen Armee. Einen der Soldaten holte Bono zu sich auf die provisorische Bühne auf dem Bahnsteig und sang mit ihm »Stand By Me«.

Während Bonos Auftritt war in der ukrainischen Hauptstadt Sirenenalarm zu hören. Mit Blick auf den Krieg erinnerte der 61-jährige Rockstar auch an die Konflikte der Vergangenheit in seiner irischen Heimat. »Wir beten, dass ihr bald etwas von diesem Frieden genießen werdet«, sagte er.

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Asow-Regiment will weiter kämpfen

14.35 Uhr: Auf einer Online-Pressekonferenz haben Kämpfer des Asow-Regiments ihren Willen bekundet, das belagerte Stahlwerk in Mariupol weiter zu verteidigen. »Wir werden weiter kämpfen, solange wir leben, um die russischen Besatzer zurückzuschlagen«, sagte Hauptmann Swjatoslaw Palamar, stellvertretender Kommandeur des Asow-Regiments. »Wir haben nicht viel Zeit, wir stehen unter intensivem Beschuss.« Palamar bat die internationale Gemeinschaft um Hilfe bei der Evakuierung verwundeter Soldaten. Er könne zudem nicht bestätigen, dass bereits alle Zivilisten das Stahlwerk verlassen hätten.

Die stellvertretende ukrainische Regierungschefin Iryna Wereschtschuk hatte am Samstagabend bekannt gegeben, dass alle verbliebenen Zivilisten – »Frauen, Kinder und ältere Menschen« – aus dem Stahlwerk herausgeholt worden seien. Viele Bewohner der seit Wochen belagerten Hafenstadt im Südosten der Ukraine hatten in den Tunneln und Bunkern des Stahlwerks Zuflucht gesucht.

In dem Industriekomplex haben sich zudem hunderte Soldaten verschanzt, es ist die letzte Bastion des ukrainischen Militärs in der zerstörten Hafenstadt Mariupol. Sollte das Stahlwerk schließlich fallen, hätten die Russen die strategisch wichtige Hafenstadt gänzlich eingenommen, was für Moskau ein wichtiger militärischer Erfolg wäre – insbesondere vor der Militärparade in Moskau am 9. Mai.

Bundestagspräsidentin Bärbel Bas trifft Selenskyj in Kiew

13.50 Uhr: Bundestagspräsidentin Bärbel Bas hat zusammen mit ihrem ukrainischen Amtskollegen Ruslan Stefantschuk in Kiew der Opfer des von Nazi-Deutschland entfesselten Zweiten Weltkriegs gedacht. Beide legten am Grabmal des unbekannten Soldaten Kränze nieder. Dieses Gedenken sei für sie »sehr bewegend«, sagte Bas. Es sei ein großer Schritt, dass sie dies als Repräsentantin des Landes, das den Zweiten Weltkrieg mit all seinen Gräueltaten zu verantworten habe, gemeinsam mit dem ukrainischen Parlamentspräsidenten tun könne.

Bas machte deutlich, dass es um »alle Opfer« gehe – zuerst um die der Ukraine, aber auch um die Opfer in Russland, Polen, Belarus, in den baltischen Staaten und in den Staaten Mittel- und Osteuropas. »Für mich ist der Tag auch insofern besonders, weil er nicht nur erinnert, sondern auch der Versöhnung dienen soll.« Bas forderte, dass es in der Ukraine zum Frieden kommen müsse.

Stefantschuk, auf dessen Einladung Bas mit dem Zug nach Kiew gefahren war, dankte ihr für ihr Kommen gerade an diesem 8. Mai. »Das ist für uns wirklich ein Zeichen der Solidarität Deutschlands mit der Ukraine und mit dem ukrainischen Volk.« Am 8. Mai 1945 war der Zweite Weltkrieg in Europa mit der bedingungslosen Kapitulation der deutschen Wehrmacht zu Ende gegangen.

Bas legte in Kiew ein Kranz am Grabmal des unbekannten Soldaten nieder

Bas legte in Kiew ein Kranz am Grabmal des unbekannten Soldaten nieder

Foto: Andreas Stein / dpa

Bas wurde von Stefantschuk betont herzlich und mit einer Umarmung begrüßt. Zur Kranzniederlegung wurden die Nationalhymnen beider Staaten gespielt, eine Ehrengarde war angetreten. Zum Auftakt ihres Besuches in Kiew hatte sich die Bundestagspräsidentin mit dem ukrainischen Regierungschef Denys Schmyhal getroffen. Außerdem kam es zu einem Gespräch mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. Enrico Brissa, Protokollchef des Bundestags, veröffentlichte ein Foto der Begegnung auf Twitter.

Sie habe in Kiew unter anderem über die EU-Perspektive der Ukraine gesprochen, sagte Bas der »Rheinischen Post«. »Auch hier wird Deutschland die Ukraine unterstützen. Der Bundestag wird alle nötigen Verfahren beschleunigen.« Zudem sei sie zuversichtlich, dass es zu einem groß angelegten Hilfsprogramm des Westens für einen Wiederaufbau in der Ukraine kommen werde.

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Bas war am Morgen in der ukrainischen Hauptstadt eingetroffen. Die Anreise sei »ohne Zwischenfälle oder Verspätungen« verlaufen, sagte eine Parlamentssprecherin. Nach den Querelen infolge der Ausladung von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier durch die Regierung in Kiew ist Bas die erste hohe Repräsentantin Deutschlands, die inmitten des russischen Angriffskriegs in der ukrainischen Hauptstadt zu Besuch ist. Der Besuch von Bas war schon seit April geplant. Inzwischen hat Selenskyj den Bundespräsidenten und die gesamte Bundesregierung in die Ukraine eingeladen.

Putin: Werden in Ukraine siegen »wie 1945«

13.35 Uhr: Wladimir Putin hat seine Invasion der Ukraine mit dem Zweiten Weltkrieg verglichen. »Wie 1945 wird der Sieg unser sein«, heißt es in der am Sonntag auf der Kreml-Webseite veröffentlichten Grußbotschaft.

»Leider erhebt der Nationalsozialismus heute wieder sein Haupt«, heißt es in einer an die Ukrainer gerichteten Passage. »Unsere heilige Pflicht ist es, die ideologischen Erben derer, die besiegt wurden«, daran zu hindern, sich »ihre Revanche« zu verschaffen.

Wladimir Putin am 5. Mai

Wladimir Putin am 5. Mai

Foto: Mikhail Klimentyev / AP

Russland feiert am 9. Mai den Sieg über Nazideutschland. Für Montag ist in Moskau zu diesem Anlass eine große Militärparade geplant. Seinen Angriffskrieg rechtfertigt Putin mit dem Vorwand, die Ukraine angeblich »entnazifizieren« zu müssen. Die Ukraine wird von einem jüdischen Präsidenten regiert. Russische Truppen begehen in den von ihnen eroberten Gebieten Kriegsverbrechen (lesen Sie hier eine Rekonstruktion der Gräueltaten von Butscha).

Putin gratulierte in dem Schreiben mehreren Ex-Sowjetrepubliken zum Jahrestag des Weltkriegsendes. Das Schreiben ging unter anderem an die Regierungen von Armenien, Aserbaidschan und Belarus. Neben den ostukrainischen Separatistengebieten Donezk und Luhansk gratulierte Putin auch den von der Südkaukaus-Republik Georgien abtrünnigen Gebieten Abchasien und Südossetien. Das ukrainische und das georgische Volk erwähnte er zwar auch – nicht aber deren Regierungen. Gegen Georgien hatte Russland 2008 Krieg geführt.

Ukraine meldet Rückzug aus umkämpften Popasna

13.00 Uhr: Russische Truppen haben nach wochenlangen Kämpfen laut ukrainischen Angaben die in Ruinen liegende Kleinstadt Popasna eingenommen. »Leider haben sich unsere Truppen tatsächlich etwas aus Popasna zurückgezogen, weil die Stadt mehr als zwei Monate lange beschossen wurde«, sagte der Gouverneur der Region Luhansk, Serhij Hajdaj, am Sonntag laut der Nachrichtenagentur Unian in einem Fernsehinterview. Die Ukrainer seien auf zuvor vorbereitete Stellungen etwas außerhalb der Stadt ausgewichen, fügte er hinzu.

In Popasna ist Hajdajs Angaben nach »alles bis auf die Grundmauern zerstört«. Zugleich sprach der Gouverneur von schweren Kämpfen um die Ortschaft Wojewodiwka, einem Vorort der Großstadt Sjewjerodonezk. Derzeit kontrollieren prorussische Truppen rund 90 Prozent des Luhansker Gebiets.

Kriegsschäden in Popasna (am 30. April)

Kriegsschäden in Popasna (am 30. April)

Foto: IMAGO/Alexander Reka / IMAGO/ITAR-TASS

Popasna wird seit Wochen von prorussischen Separatisten und moskautreuen Truppen gestürmt, die dabei Luftwaffen- und Artillerieunterstützung bekommen. Erstmals marschierten die russischen Einheiten vor genau zwei Monaten am 8. März in die Stadt ein, die die Ukrainer zuvor zur Festung ausgebaut hatten. Vor Kriegsausbruch sollen in Popasna etwa 20.000 Menschen gelebt haben.

Melnyk legt unter Rufen Kranz am Ehrenmal nieder

12.55 Uhr: Der ukrainische Botschafter Andrij Melnyk hat am Sonntag am Sowjetischen Ehrenmal im Berliner Tiergarten einen Kranz zum Gedenken an die ukrainischen Gefallenen des Zweiten Weltkriegs niedergelegt. Mehrere Hundert Menschen waren ebenfalls zum Mahnmal gekommen. Einige von ihnen skandierten bei der Kranzniederlegung des Botschafters »Melnyk raus«. Andere Teilnehmende begannen daraufhin mit ukrainischen Sprechchören. Viele trugen blaue und gelbe Kleidungsstücke, die Nationalfarben der Ukraine.

Ein Mann verteilte ukrainische Papier-Flaggen, die die Polizei aber rasch wieder einsammelte. Der Mann wurde demnach von den Beamten von der Veranstaltung weggeführt. Ein Polizeisprecher machte auf Anfrage dazu nächst keine Angaben.

Die Polizei hatte anlässlich des Gedenkens an das Weltkriegsende in Europa vor 77 Jahren am Sonntag und am Montag in Berlin für 15 Gedenkorte Auflagen erlassen, unter anderem ein Verbot von russischen und ukrainischen Fahnen. Ausgenommen von dem Verbot waren unter anderem Diplomatinnen und Diplomaten sowie Veteranen des Weltkriegs.

Lageberichte: schwere Kämpfe um strategisch wichtige Schlangeninsel

12.00 Uhr: Meldungen sowohl von russischer als auch von ukrainischer Seite zeugen von heftigen Kämpfen um die strategisch wichtige Schlangeninsel. Das ukrainische Eiland liegt 35 Kilometer von der Küste entfernt direkt vor dem Donaudelta im Gebiet Odessa.

Die russischen Streitkräfte hatten gleich zu Beginn des Krieges den ukrainischen Stützpunkt dort eingenommen, dessen Funkspruch an ein russisches Kriegsschiff weltweit berühmt wurde. In dem Gebiet sank aber später auch das Flaggschiff der russischen Schwarzmeerflotte, der Panzerkreuzer »Moskwa«, offenbar nach ukrainischem Beschuss .

Nun hat das russische Militär nach eigenen Angaben in der Nacht auf Sonntag mehrere Flugzeuge und Hubschrauber über der Insel abgeschossen. »Während der Nacht haben russische Luftabwehreinheiten über der Schlangeninsel zwei weitere ukrainische Bomber vom Typ Su-24 und einen Hubschrauber vom Typ Mi-24 vernichtet und vor der Stadt Odessa eine Bayraktar-Drohne abgeschossen«, teilte ein Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums mit. Darüber hinaus sei eine ukrainische Korvette versenkt worden.

Von ukrainischer Armee am Samstag (7. Mai) verbreitetes Luftbild, das den Angriff auf ein russisches Landungsschiff zeigen soll

Von ukrainischer Armee am Samstag (7. Mai) verbreitetes Luftbild, das den Angriff auf ein russisches Landungsschiff zeigen soll

Foto: Ukrainian Ground Forces / REUTERS

Auf der Gegenseite meldete das ukrainische Militär zuletzt die Versenkung eines russischen Landungsschiffs auf der Insel. Zudem zeigte der Operationsstab des ukrainischen Wehrkommandos Süd ein Video mit dem angeblichen Abschuss eines russischen Hubschraubers über der Insel. Ukrainische Medien hatten zuvor sogar gemeldet, dass eine russische Fregatte in der Region nach Beschuss in Brand geraten sei. Für diese Berichte gibt es allerdings keine Bestätigung.

Schon im Lagebericht am Samstagabend hatte das russische Militär den Abschuss mehrerer Drohnen, eines Su-24-Bombers, eines Su-27-Kampfjets und eines Militärhubschraubers mit Fallschirmjägern an Bord gemeldet. Darüber hinaus sei ein ukrainisches Landungsschiff versenkt worden.

Ukraine: Russische Truppen in Transnistrien bereiten sich auf Kampf vor

11.45 Uhr: Bewaffnete Gruppen und russische Truppen in der moldauischen Separatistenregion Transnistrien befinden sich laut dem ukrainischen Generalstab »inmitten der Vorbereitungen für den Kampf«. Die Befürchtung, dass der Konflikt in der Ukraine auf das Nachbarland Moldau übergreifen könnte, war in den vergangenen Wochen gewachsen.

Die Behörden der prorussischen Separatistenregion hatten am Donnerstag erneut Explosionen in Grenznähe zur Ukraine gemeldet. Kiew wirft Moskau vor, eine Destabilisierung in der Region anzustreben, um auf diese Weise einen Vorwand für eine militärische Intervention zu schaffen. Ein russischer General hatte im April erklärt, zu den Zielen der russischen Offensive in der Ukraine gehöre es, eine Landverbindung durch die Südukraine bis nach Transnistrien zu schaffen.

Transnistrien hatte sich im Zuge des Zerfalls der Sowjetunion von der Republik Moldau abgespalten. International wird die selbst ernannte Republik nicht anerkannt. Auf dem an die Ukraine grenzenden Gebiet sind rund 1500 russische Soldaten stationiert.

Steinmeier nennt russischen Angriffskrieg »Epochenbruch«

11.30 Uhr: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat zum Gedenken an das Ende des Zweiten Weltkriegs von einem »Epochenbruch« mit Blick auf den russischen Angriffskrieg in der Ukraine gesprochen. Der Tag des 8. Mai sei nicht nur ein Tag des Erinnerns und der Mahnung, sondern lange auch ein »Tag der Hoffnung« gewesen, sagte Steinmeier laut Redetext zur Eröffnung des Bundeskongresses des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) in Berlin.

»Aber heute, an diesem 8. Mai, ist der Traum des gemeinsamen europäischen Hauses gescheitert; ein Albtraum ist an seine Stelle getreten«, sagte Steinmeier demnach. »Dieser 8. Mai ist ein Tag des Krieges.« Der »brutale, völkerrechtswidrige Angriffskrieg, den eine atomare Großmacht nun seit mehr als zwei Monaten gegen ein souveränes, demokratisches Land in Europa führt«, sei »ein Bruch mit vielem, was uns als selbstverständlich galt«, sagte Steinmeier. »Er ist ein Epochenbruch.« Der Krieg bedrohe die Ukraine in ihrer Existenz, und Russlands Präsident Wladimir Putin »zerstört damit endgültig die Grundlage der europäischen Friedensordnung, wie wir sie nach dem Zweiten Weltkrieg und dem Kalten Krieg gebaut haben«.

Russland meldet Zerstörung ukrainischen Kriegsschiffs

10.40 Uhr: Das russische Militär hat nach Aussagen des russischen Verteidigungsministeriums in der Nacht ein ukrainisches Kriegsschiff nahe Odessa zerstört. Raketen hätten eine Korvette getroffen. Zudem habe die russische Luftabwehr über der Schlangeninsel im Schwarzen Meer zwei ukrainische Bomber und einen Hubschrauber abgeschossen, teilte das Ministerium mit. Die Angaben lassen sich nicht unabhängig überprüfen.

Selenskyjs emotionale Botschaft zum Jahrestag des Weltkriegsendes

10.25 Uhr: In einer emotionalen Videoansprache aus dem schwer zerstörten Kiewer Vorort Borodjanka hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj Parallelen zwischen dem deutschen Überfall im Zweiten Weltkrieg und der jetzigen russischen Invasion gezogen. »In der Ukraine haben sie eine blutige Neuauflage des Nazismus organisiert«, sagte Selenskyj über den russischen Angriff auf die Ukraine in einem Schwarz-Weiß-Video vor den Trümmern eines Wohnhauses. »Eine fanatische Imitation des Regimes, seiner Ideen, Handlungen, Worte und Symbole. Eine verrückte detailgetreue Wiedergabe seiner Bestialitäten und Alibis, die diesem Bösen angeblich ein heiliges Ziel geben.«

Am Gedenktag zum Ende des Zweiten Weltkriegs erinnerte Selenskyj an den Beitrag des ukrainischen Volks zum Sieg der Anti-Hitler-Koalition. Das Land habe unter Bombardements, Massenerschießungen und Okkupation gelitten, habe Menschen in Konzentrationslagern und Gaskammern, in Kriegsgefangenschaft und bei Zwangsarbeit verloren, am Ende aber trotzdem gewonnen. Beweis sei der zerstörte »Werwolf«-Bunker von Adolf Hitler nahe der ukrainischen Stadt Winnyzja. Das zeige, dass sich das Böse seiner Verantwortung nicht entziehen könne. »Es kann sich nicht im Bunker verstecken«, sagte Selenskyj unter Anspielung auf den russischen Präsidenten Wladimir Putin, dem Kritiker seit Kriegsbeginn immer wieder vorwerfen, sich vorsichtshalber an einem geheimen sicheren Ort aufzuhalten.

Russland soll wegen Verlusten ranghohe Offiziere im Kampf einsetzen

10.05 Uhr: Nach Einschätzung britischer Geheimdienste setzt Russland in seinem Angriffskrieg in der Ukraine aufgrund großer Verluste in den eigenen Truppen ranghohe Kommandanten im Kampf ein. Allerdings gebe es bislang keine Anzeichen darauf, dass die Anwesenheit dieser Offiziere im Gefecht zu einem verbesserten Einsatzkonzept geführt habe, hieß es am Sonntag in einem Update des britischen Verteidigungsministeriums.

Planungsfehler würden weiterhin einen Fortschritt der Russen untergraben. Außerdem führe die Strategie zu überproportional hohen Verlusten unter den russischen Offizieren. Da die getöteten Kommandanten dann von weniger ausgebildeten Soldaten ohne Führungserfahrung ersetzt würden, sei damit zu rechnen, dass die konzeptionellen Probleme anhalten würden.

Bundestagspräsidentin Bas in Kiew eingetroffen

9.03 Uhr: Bundestagspräsidentin Bärbel Bas ist am Sonntag in Kiew eingetroffen, wo sie an den Gedenkveranstaltungen zum Ende des Zweiten Weltkriegs in Europa vor 77 Jahren teilnehmen will. Die SPD-Politikerin ist nach dem Bundespräsidenten die zweithöchste Repräsentantin der Bundesrepublik und damit die wichtigste Repräsentantin Deutschlands, die die Ukraine seit Beginn des russischen Angriffskriegs besucht. Sie folgt einer Einladung des ukrainischen Parlamentspräsidenten Ruslan Stefantschuk.

Im Namen des Deutschen Bundestages will die SPD-Politikerin am Grabmal des unbekannten Soldaten und am Denkmal für die ermordeten ukrainischen Juden in Babyn Jar Kränze niederlegen. Bas und Stefantschuk wollen gemeinsam aller zivilen und militärischen Opfer des Zweiten Weltkrieges gedenken. Geplant ist auch ein Gespräch mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj.

Luftangriff auf Schule in Luhansk: Ukraine meldet bis zu 60 Tote

7.35 Uhr: Nach einem russischen Luftangriff auf eine Schule im Gebiet Luhansk sprechen die ukrainischen Behörden von möglicherweise bis zu 60 Toten. Nach einem Luftschlag auf die Schule in Bilohoriwka seien bisher zwei Leichen geborgen worden, teilte der Gouverneur der Region Serhij Hajdaj am Sonntag auf seinem Telegram-Kanal mit. »Wahrscheinlich sind alle 60 Menschen, die noch unter den Trümmern des Gebäudes liegen, tot«, fügte er hinzu.

Der Luftangriff ereignete sich seinen Angaben nach bereits am Samstagnachmittag. In dem Schulgebäude hatten 90 Personen vor den Angriffen Schutz gesucht. Durch den Bombenabwurf brach ein Feuer in der Schule aus und das Gebäude stürzte zusammen. 30 Menschen konnten die Einsatzkräfte retten, sieben davon waren verletzt, so der Gouverneur. Bilohoriwka ist eine städtische Siedlung etwa zehn Kilometer westlich von Lyssytschansk. Die Ortschaft ist schwer umkämpft.

Russland verstärkt Bodenangriffe im Donbass

7.08 Uhr: Nach mehreren Tagen ohne nennenswerte Fortschritte haben die russischen Truppen bei ihren Angriffen im Donbass-Gebiet ukrainischen Angaben zufolge wieder Geländegewinne erzielt. »In Richtung Liman hat der Feind durch Angriffe den Nordrand von Schandrigolowe erobert«, teilte der ukrainische Generalstab am Sonntag in seinem Lagebericht mit. Schandrigolowe liegt rund 20 Kilometer nördlich der Großstadt Slowjansk, die Teilziel der russischen Operation im Donbass ist.

Darüber hinaus fahren die russischen Truppen auch weiterhin Angriffe Richtung Sjewjerodonezk, Popasna, und Awdijiwka. »In Richtung Kurachowe versuche der Feind seine Offensive auf Nowomychajliwka mit Unterstützung der Artillerie wieder aufzunehmen«, heißt es zudem. In Mariupol würden die ukrainischen Einheiten weiterhin im Stahlwerk blockiert. Mit Luft- und Artillerieunterstützung setzen die russischen Truppen dort ihre Sturmversuche fort.

Insgesamt spricht die ukrainische Militärführung von neun abgewehrten russischen Angriffen. Dabei seien unter anderem ein Hubschrauber vom Typ Mi-28, 19 Panzer und 20 gepanzerte Militärfahrzeuge abgeschossen worden. In die Defensive sind die Russen dem Bericht zufolge im Norden des Gebiets Charkiw geraten. Dort habe »der Gegner seine Anstrengungen darauf konzentriert, den Vormarsch unserer Truppen in Richtung Grenze nördlich und nordöstlich von Charkiw zu stoppen«, teilte der Generalstab mit.

Ukraine will Cherson zurückerobern

6.10 Uhr: Die ukrainische Führung setzt auf eine Rückeroberung der von russischen Truppen besetzten Stadt Cherson im Süden des Landes. »Es wird keine Volksrepublik Cherson geben«, sagte Mychajlo Podoljak, Berater von Präsident Wolodymyr Selenskyj, im ukrainischen Radio. Das Gebiet werde vollständig befreit werden, was viele russische Soldaten das Leben kosten werde, sagte Podoljak.

Er reagierte damit auf Äußerungen Moskauer Politiker und der Besatzungsmacht, die Cherson für russisch erklären wollen. »Russland ist für immer hier!«, sagte der Generalsekretär der Kremlpartei Geeintes Russland, Andrej Turtschak, bei einem Besuch. Auch sollen in Cherson russische Pässe ausgegeben werden, der Rubel soll einziges Zahlungsmittel werden. Dies wäre eine Entwicklung wie in den 2014 begründeten »Volksrepubliken« der prorussischen Separatisten in Donezk und Luhansk in der Ostukraine.

Cherson zählte vor dem russischen Angriffskrieg etwa 290.000 Einwohner und liegt am Unterlauf des Flusses Dnipro. In der Stadt protestieren die Menschen immer wieder gegen die russische Besatzungsmacht.

Selenskyj beklagt Zerstörung von Kulturgütern durch russische Truppen

6.00 Uhr: Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat die Zerstörung von Kulturgütern in der Ukraine durch russische Truppen beklagt. In dem seit zweieinhalb Monaten dauernden Angriffskrieg seien 200 Kulturerbestätten getroffen worden, sagte Selenskyj in einer Videoansprache vom Samstagabend. Als ein Beispiel nannte er den Raketentreffer auf das Museum des bedeutenden ukrainischen Dichters und Philosophen Hryhorij Skoworoda (1722 bis 1794) im Gebiet Charkiw in der Nacht zuvor.

»Leider kehrt das Böse zurück, wenn Menschen die Rechte anderer Menschen missachten, das Gesetz missachten und die Kultur zerstören«, sagte Selenskyj. Deshalb verteidige die Ukraine ihr Volk, ihre Städte und ihre Museen gegen Russland.

Minister: Ukrainische Piloten sollen westliche Jets fliegen lernen

5.10 Uhr: Der ukrainische Verteidigungsminister Olexij Resnikow will seine Luftwaffenpiloten bald auch auf westlichen Kampfflugzeugen ausbilden lassen. Darüber werde bereits verhandelt, sagte Resnikow im ukrainischen Fernsehen. Es werde Zeit für die Ukrainer, zum Beispiel das US-amerikanische Erdkampfflugzeug A-10 Thunderbolt beherrschen zu lernen.

Eine A-10 Thunderbolt II der US-Luftwaffe bei einem Manöver auf den Philippinen (2015)

Eine A-10 Thunderbolt II der US-Luftwaffe bei einem Manöver auf den Philippinen (2015)

Foto: TED ALJIBE/ AFP

Als weitere Typen nannte er die US-Kampfflugzeuge F-15 und F-16 sowie die Saab JAS 39 Gripen aus schwedischer Produktion. Dem Minister zufolge werden ukrainische Soldaten bereits von Großbritannien an Flugabwehrwaffen und Artilleriesystemen ausgebildet. Als Beispiel nannte er die Flugabwehrraketen Starstreak.

Großbritannien sagt Ukraine weitere 1,5 Mrd. Euro Militärhilfe zu

00.01 Uhr: Großbritannien stellt der Ukraine nach Angaben der Regierung weitere 1,3 Milliarden Pfund (rund 1,5 Milliarden Euro) an Militärhilfen zur Verfügung. Damit verdoppelt sich die bislang zugesagte Summe nahezu. Großbritannien hat bislang Panzerabwehrraketen, Luftverteidigungssysteme und andere Waffen in die Ukraine geschickt. Premierminister Boris Johnson werde sich zudem noch im Mai mit Vertretern führender Rüstungsunternehmen treffen, um über eine mögliche Erhöhung der Produktion zu sprechen.

atb/slü/fdi/Reuters/AFP/dpa
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