Frankreichs Ex-Präsident Korruptionsprozess gegen Sarkozy vorerst unterbrochen

Nicolas Sarkozy muss sich wegen Bestechung vor Gericht verantworten. Kurz nach Prozessauftakt wurde die Verhandlung aber vertagt – ein Mitbeschuldigter erschien wegen der Corona-Pandemie nicht.
Nicolas Sarkozy auf dem Weg aus dem Gerichtsgebäude

Nicolas Sarkozy auf dem Weg aus dem Gerichtsgebäude

Foto: Aurelien Morissard / imago images/IP3press

Der Strafprozess gegen den französischen Ex-Staatschef Nicolas Sarkozy ist kurz nach Eröffnung unterbrochen worden. Für einen der Beschuldigten solle ein medizinisches Gutachten angefertigt werden, berichtete der Nachrichtensender BFMTV. Der Anwalt des 73-jährigen Gilbert Azibert habe vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie einen Aufschub des Gerichtsverfahrens aus gesundheitlichen Gründen beantragt. Azibert sei nicht vor Gericht erschienen.

Nach Überzeugung der Ermittler versuchte Sarkozy im Jahr 2014, Azibert – damals Richter am Obersten Gerichtshof – zu bestechen, um Informationen zum Stand eines gegen ihn laufenden Ermittlungsverfahrens zu erlangen.

Azibert soll Sarkozy geheime Informationen über Ermittlungen gegen ihn beschafft haben. Zudem soll er versucht haben, seine Kollegen zugunsten des ehemaligen Präsidenten zu beeinflussen. Im Gegenzug soll Sarkozy dem Staatsanwalt Hilfe versprochen haben, um seinen Wunschposten im Fürstentum Monaco zu bekommen, den er jedoch nie erhielt.

Als dritter Angeklagter steht Sarkozys Anwalt Thierry Herzog vor Gericht, mit dem er die Bestechung abgesprochen haben soll. In Frankreich ist der Fall als »Abhöraffäre« bekannt, da die Justiz Telefongespräche zwischen dem früheren Präsidenten und seinem Anwalt abhören ließ. Sarkozy und Herzog kamen beide zum Prozess. Den Beschuldigten drohen jeweils Haftstrafen von bis zu zehn Jahren und eine Geldbuße von einer Million Euro.

Die Richter ordneten eine vorläufige Aussetzung des Verfahrens bis zum Donnerstag an. Bis dahin soll eine medizinische Expertise zum Gesundheitszustand Aziberts vorliegen. Der Prozess ist bis zum 10. Dezember angesetzt.

Es dürfte nicht das letzte Mal sein, dass Sarkozy sich vor Gericht verantworten muss. Ihm steht noch ein Prozess wegen des Verdachts auf illegale Wahlkampffinanzierung bevor.

Sarkozy war von 2007 bis 2012 Präsident Frankreichs. Er ist der erste französische Präsident der Nachkriegszeit, der wegen Korruption angeklagt wird. In einer anderen Sache stand vor ihm bereits Ex-Präsident Jacques Chirac vor Gericht: Er wurde 2011 zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt, weil er als Pariser Bürgermeister in den Neunzigerjahren Parteimitarbeiter illegal aus der Stadtkasse bezahlt hatte. Chirac starb im September 2019.

svs/dpa/AFP
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