Trotz Corona-Ausgangssperre Erneute Ausschreitungen in den Niederlanden

In mehreren niederländischen Städten ist es wieder zu heftigen Krawallen gekommen – in Rotterdam wurden Geschäfte geplündert und Polizisten attackiert. An den Unruhen beteiligen sich wohl vor allem junge Menschen.
Brennende Barrikade in Rotterdam

Brennende Barrikade in Rotterdam

Foto: MARCO DE SWART / AFP

Eigentlich sollte in den größten Städten der Niederlande ab 21 Uhr Ruhe einkehren – ab dieser Uhrzeit gilt wegen der hohen Corona-Infektionszahlen seit Samstag eine landesweite Ausgangssperre. Stattdessen kam es auf den Straßen von Rotterdam, Amsterdam und Zwolle zu schweren Ausschreitungen – am zweiten Abend hintereinander.

Hunderte gewaltbereite Jugendliche versammelten sich nach Polizeiangaben am Montagabend kurz vor Beginn der Ausgangssperre an mehreren Orten und attackierten die Polizei. In Rotterdam wurden laut Medienberichten Polizisten von rund 100 Randalierern mit Steinen und Feuerwerkskörpern angegriffen.

Krawalle in sechs Städten – mindestens 70 Festnahmen

Insgesamt wurden Krawalle aus mindestens sechs Städten gemeldet. Nach Angaben von Sicherheitskräften beteiligten sich vor allem junge Menschen an den Unruhen. Mehr als 70 Personen wurden nach Angaben des Rundfunksenders NOS bereits festgenommen, anderen Berichten zufolge liegt die Zahl der Festnahmen sogar bei rund 250.

Bilder des Senders zeigten Zerstörungen und brennende Barrikaden in Rotterdam und Amsterdam. Videos im Kurznachrichtendienst Twitter sollen aber auch Plünderungen in anderen Städten, etwa in Den Bosch, zeigen. Laut NOS  soll in der Stadt Haarlem auch ein Pressefotograf aus kürzester Distanz mit einem Stein beworfen und am Kopf getroffen worden sein.

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Anlass der Unruhen sind offenbar die von der Regierung verhängten verschärften Corona-Maßnahmen und die seit Samstag geltende Ausgangssperre. Die Polizei geht davon aus, dass sich verschiedene Gruppen an den Krawallen beteiligen – darunter Corona-Leugner und Fußball-Hooligans.

Bereits am Wochenende hatten schwere Unruhen in etwa zehn Städten das Land erschüttert. Die Polizei hatte von den schlimmsten Krawallen seit 40 Jahren gesprochen. Polizei und Bürgermeister hatten bereits vor weiteren Unruhen gewarnt, nachdem mehrere Aufrufe in den sozialen Medien erschienen waren.

Der niederländische Ministerpräsident Mark Rutte hatte das Verhalten der Randalierer verurteilt und von »krimineller Gewalt« gesprochen. Die von 21 bis 4.30 Uhr geltende Ausgangssperre soll bis zum 9. Februar gelten. Verstöße werden mit einem Bußgeld von 95 Euro geahndet. Es ist die erste Ausgangssperre in dem EU-Land seit dem Zweiten Weltkrieg. 

fek/dpa
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