Schiff im Schwarzen Meer Niederlande werfen Russland Provokation mit Kampfjets vor

Über fünf Stunden sollen die »Scheinattacken« gedauert haben: Die niederländische Regierung beschuldigt Russland, im Schwarzen Meer eine Fregatte bedrängt zu haben. Der Kreml dementiert.
Fregatte »HNMLS Evertsen« auf dem Weg ins Schwarze Meer (am 14. Juni)

Fregatte »HNMLS Evertsen« auf dem Weg ins Schwarze Meer (am 14. Juni)

Foto: YORUK ISIK / REUTERS

Im Schwarzen Meer hat es offenbar einen weiteren militärischen Zwischenfall gegeben. Nachdem zuletzt ein britisches Kriegsschiff im Mittelpunkt gestanden hatte, geht es dieses Mal um eine niederländische Fregatte. Nach Angaben aus Den Haag hatten russische Kampfflugzeuge provozierende Manöver durchgeführt.

Die Jets hätten die Fregatte »HNMLS Evertsen« am vergangenen Donnerstag im Südosten der Krimhalbinsel über einen Zeitraum von fünf Stunden »wiederholt bedrängt« und dabei »Scheinattacken« geflogen. Das teilte das niederländische Verteidigungsministerium am Dienstag mit.

Die russischen Flugzeuge seien mit Bomben und Luft-Boden-Raketen bewaffnet gewesen, teilte das Ministerium in Den Haag mit. Es sei auch »zu Störungen an der elektronischen Ausrüstung der Evertsen« gekommen. Verteidigungsministerin Ank Bijleveld-Schouten nannte das Verhalten der russischen Streitkräfte »unverantwortlich«. Die Niederlande würden »Russland darauf ansprechen«.

Moskau widersprach dieser Darstellung: Die Flugzeuge hätten »in sicherem Abstand« und »in Übereinstimmung mit den internationalen Regeln« operiert.

Aufregung um die »Defender«

Die »Evertsen« hatte sich als Teil eines Flottenverbands in dem Gebiet befunden, zu dem auch die »HMS Defender« gehört. Auf das britische Schiff waren Moskau zufolge einen Tag zuvor Warnschüsse abgegeben worden. London wies diese Darstellung zurück.

Anders als die britische Regierung berichtete der BBC-Reporter Jonathan Beale , der an Bord des Zerstörers war, jedoch von massiven Versuchen russischer Flugzeuge und Schiffe, den Zerstörer von seinem Kurs abzubringen. »Zeitweise waren 20 (russische) Flugzeuge über dem Kriegsschiff«, sagte er in einem aufgezeichneten Telefonat. Es habe Warnungen der Küstenwache gegeben und auch Schüsse, die seien jedoch wohl außerhalb der Reichweite abgefeuert worden. Die »HMS Defender« habe trotzdem ihren Kurs beibehalten.

Manöver soll Signal an Moskau senden

Die Ukraine und die USA starteten zusammen mit mehr als 30 weiteren Staaten am Montag eine zweiwöchige Militärübung im Schwarzen Meer. Das Manöver »Sea Breeze« hat seit 1997 bereits 21-mal stattgefunden. Es gilt im Ukraine-Russland-Konflikt als Rückendeckung des Westens für die Regierung in Kiew und wird von Moskau regelmäßig kritisiert.

Schon lange stört sich Russland an der Präsenz von Kriegsschiffen etwa aus den USA oder aus Großbritannien, obwohl diese Staaten keine Anrainer sind. Warnungen gab es oft von Russland, das immer wieder eine Luft- und Seegrenzen bedroht sieht.

jok/AFP
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