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Iranische Aktivistin Nika Shakarami »Heute gratuliere ich dir zu deinem Märtyrertum«

Der Tod einer 17-jährigen Aktivistin befeuert die seit Wochen andauernden Proteste in Iran. Nika Shakarami wurde offenbar verhaftet. Aktivisten werfen der Polizei vor, sie misshandelt und getötet zu haben.

Seit Wochen protestieren die Menschen in Iran gegen das Regime. Nun wurde in Teheran die 17-jährige Aktivistin Nika Shakarami tot aufgefunden. In sozialen Medien häufen sich die Anschuldigungen gegen die Polizei: Shakarami sei gefoltert und ermordet worden.

Shakarami, die in der Hauptstadt lebte, verschwand in der Nacht des 20. September, berichtet ihr Onkel Kianoush Shakarami gegenüber der Nachrichtenagentur Tasnim. Ihre Tante Atesh Shakarami sagte nach Angaben der britischen Tageszeitung »The Sun«  gegenüber BBC Farsi, sie habe das Haus mit einer Flasche Wasser und einem Handtuch verlassen, um sich womöglich vor Tränengas zu schützen. In ihrem letzten Telefonat mit einem Freund soll sie gesagt haben, sie sei »auf der Flucht vor Sicherheitsbeamten«. In dieser Nacht wurden ihre Telegram- und Instagram-Konten gelöscht und ihr Mobiltelefon wurde abgeschaltet, berichtet »The Sun« weiter.

Mehr als eine Woche fehlte jede Spur von Nika Shakarami. Dann wurde ihr lebloser Körper angeblich auf einer Teheraner Straße gefunden und ihrer Familie zurückgegeben, berichtete die Agentur Tasnim. »The Sun« berichtet, dass die Angehörigen sie in der Leichenhalle von Kahrisak fanden. Ihr Körper habe Anzeichen eines Schädelbruchs aufgewiesen, ihre Nase sei zertrümmert worden, heißt es.

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Bilder der 17-Jährigen wurden in den sozialen Medien zehntausendfach geteilt.

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Wie Rana Rahimpour, Iran-Spezialistin der BBC, auf Twitter mitteilte , wurde auch die Tante von Nika Shakarami verhaftet, nachdem sie die Öffentlichkeit über die Umstände ihres Todes informiert hatte.

Todesursache ein »Sturz aus großer Höhe«?

Während Tasnim berichtet, es habe keine offizielle Mitteilung über die Todesursache gegeben, wurde den Angehörigen laut »The Sun« mitgeteilt, die Todesursache sei ein Sturz aus großer Höhe gewesen. Die Angehörigen glaubten das jedoch nicht. Sie sagen, ein Foto ihres leblosen Körpers auf dem Bürgersteig zeige, »dass die Wasserflasche und das Mobiltelefon zum Fotografieren neben ihr platziert waren«.

Der Staatsanwalt der westlichen Provinz Lorestan, Dariush Shahoonvand, bestritt jegliches Fehlverhalten der Behörden und sagte, Nika Shakarami sei am Montag in ihrem Dorf beerdigt worden. »Ausländische Feinde haben versucht, nach diesem Vorfall eine angespannte und ängstliche Atmosphäre zu schaffen«, sagte er der Tageszeitung »Hamshari«, ohne näher auf den Vorfall einzugehen.

Ein Video auf Twitter zeigt angeblich die Mutter von Nika Shakarami bei der Beerdigung ihrer Tochter. »Heute war dein Geburtstag«, ruft sie angeblich, und: »Heute gratuliere ich dir zu deinem Märtyrertum!«

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Ein anderes Video, das unter anderem von der BBC geteilt wird, zeigt Nika Shakarami bei einer Veranstaltung.

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Nach SPIEGEL-Informationen bereiten Deutschland und weitere EU-Länder derzeit neue Sanktionen gegen Iran vor. Die Proteste in dem Land waren durch den Tod der 22-jährigen Kurdin Mahsa Amini in Polizeigewahrsam ausgelöst worden, richten sich aber inzwischen auch generell gegen die Unterdrückung insbesondere von Frauen durch die iranische Führung. Nach Angaben der Organisation Iran Human Rights (IHR) wurden bei den Protesten bisher mindestens 92 Menschen getötet, Aktivisten gehen von noch höheren Zahlen aus.

Am Montag hatte sich erstmals Irans geistliches Oberhaupt Ali Khamenei zu den Protesten geäußert. Er bezeichnete sie als »von den USA und den Zionisten« aus dem Ausland gesteuert. Er erklärte seine Unterstützung für die Sicherheitskräfte. Zuletzt hatten Polizei und Milizen den Campus der renommierten Scharif-Universität abgeriegelt und offenbar Studierende und Professoren verprügelt. Außenministerin Baerbock äußerte sich per Twitter entsetzt über die »rohe Gewalt des Regimes« in Teheran.

Seit die 22-jährige Mahsa Amini Mitte September im Gewahrsam der iranischen Sittenpolizei gestorben war, kommt es landesweit zu Protesten gegen das Regime in Iran. Amini war wegen ihres angeblich »unislamischen Outfits« von der Sittenpolizei festgenommen worden. Was genau mit ihr geschah, ist unklar. Die Frau war ins Koma gefallen und am 16. September in einem Krankenhaus gestorben. Kritiker werfen der Moralpolizei vor, Gewalt angewendet zu haben. Die Polizei weist die Vorwürfe entschieden zurück.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Textes hieß es, Nika Shakarami habe bei ihrer Mutter gelebt. Nach anderen Berichten lebte sie mit ihrer Tante zusammen. Zudem hieß es, der letzte Clip zeige sie bei einem Protest. Beides ließ sich nicht endgültig verifizieren, daher wurden die Passagen angepasst.

Mit Material von AP