Mitteilung der dänischen Behörden Aus Nord Stream 2 tritt wohl kein Gas mehr aus

Es blubbert offenbar nicht mehr über Nord Stream 2: Den dänischen Behörden zufolge entweicht kein Methan mehr aus der Leitung. Das muss aber nicht heißen, dass sich in der Pipeline kein Gas mehr befindet.
Gas stieg tagelang aus Lecks in der Nord-Stream-2-Pipeline aus: Nun hat sich der Druck offenbar stabilisiert

Gas stieg tagelang aus Lecks in der Nord-Stream-2-Pipeline aus: Nun hat sich der Druck offenbar stabilisiert

Foto: SWEDISH COAST GUARD / HANDOUT / EPA

Aus der beschädigten Ostsee-Pipeline Nord Stream 2  tritt dänischen Behörden zufolge kein Gas mehr aus. Man sei vom Betreiber darüber informiert worden, dass sich der Druck in der Pipeline stabilisiert habe, teilt die dänische Energiebehörde auf Twitter  mit. Das deute darauf hin, dass kein Gas mehr ausströme.

Zuvor waren aus den insgesamt vier Lecks an den beiden Nord-Stream-Pipelines tagelang ununterbrochen große Mengen Gas ausgeströmt. Zum Austritt aus den Leitungen von Nord Stream 1 gab es zunächst keine aktuellen Informationen. Es wird gemutmaßt, dass der Gasaustritt an diesem Sonntag vorbei sein könnte.

Dass kein Gas mehr austritt, heißt nicht zwangsläufig, dass kein Gas mehr in der Leitung ist. Wie ein Nord-Stream-2-Sprecher jüngst der Nachrichtenagentur dpa mitteilte, bleibt ein Teil des Gases wohl zunächst in der Leitung. Das sei der Fall, wenn Wasser- und Gasdruck ein gewisses Gleichgewicht erreichten. Auch das Gefälle, über das die Leitung verlegt sei, spiele eine Rolle.

Methan in der Luft

Bei dem ausgetretenen Gas handelt es sich um Methan. Die exakte Menge ist noch nicht bekannt. Eine Auswertung des Integrated Carbon Observation System (ICOS) zeigt aber, wie eine gewaltige Gaswolke  über der Ostsee aufgestiegen und über Europa gezogen ist.

Zunächst gab es nur Schätzungen, wie viel Gas in die Atmosphäre gelangt ist: »Aus den Lecks könnte so viel Gas entwichen sein wie in einer Stadt von Paris oder einem Land wie Dänemark in einem ganzen Jahr«, heißt es in der ICOS-Mitteilung.

Das Umweltbundesamt  schätzt, dass Emissionen von etwa 7,5 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalenten entstanden sind. Das entspricht etwa einem Prozent der deutschen Jahresgesamtemissionen. »Das ist schon eine beachtliche Menge Treibhausgas, die da emittiert werden kann«, sagte Gregor Rehder vom Leibniz Institut für Ostseeforschung Warnemünde (IOW) dem SPIEGEL am Donnerstag (mehr dazu lesen Sie hier ).

Von den insgesamt vier Lecks befinden sich zwei in der schwedischen und zwei in der dänischen Wirtschaftszone. Die Leitungen waren zwar nicht in Betrieb, aber aus technischen Gründen mit Gas gefüllt.

Die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen sagte nach einem Treffen mit ihrer britischen Amtskollegin Liz Truss am Samstag, die Lecks seien kein Unfall, sondern »Sabotage von kritischer Infrastruktur«. Die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union wollen sich bei einem Gipfeltreffen in Prag mit der mutmaßlichen Sabotage beschäftigen. Die Sabotage sei eine Bedrohung für die EU, twitterte  EU-Ratspräsident Charles Michel nach einem Treffen mit Frederiksen. »Wir sind entschlossen, unsere kritische Sicherheitsstruktur zu schützen.« Die Staats- und Regierungschefs würden das auf dem bevorstehenden Gipfel diskutieren.

Noch ist unklar, wer für die Lecks verantwortlich ist. Von verschiedenen Seiten – unter anderem aus der Ukraine – waren Vermutungen laut geworden, dass der Kreml hinter dem Angriff steckt. Russland bestreitet das. Präsident Wladimir Putin machte am Freitag den Westen dafür verantwortlich und sprach von »Sabotage«.

ptz/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.