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Früherer US-Sicherheitsberater McMaster "Nord Stream 2 beruht auf einem korrupten Deal"

H. R. McMaster war Donald Trumps Nationaler Sicherheitsberater, bis er gefeuert wurde. Hier spricht er über Putins skrupelloses Vorgehen, die Zukunft der Nato und die Grabenkämpfe im Weißen Haus.
Ein Interview von René Pfister
aus DER SPIEGEL 41/2020
Offizier McMaster: "Ein bemerkenswertes Ausmaß an Selbsthass"

Offizier McMaster: "Ein bemerkenswertes Ausmaß an Selbsthass"

Foto: Ray Kachatorian

Herbert Raymond McMaster blickt auf eine lange Karriere in der U. S. Army zurück. Als in Europa der Eiserne Vorhang fiel, war er in Bayern stationiert, als Offizier eines gepanzerten Kavallerieregiments, das an der deutsch-deutschen Grenze patrouillierte. Im Februar 1991 befehligte er während des Kuwait-Krieges eine Schlacht, bei der innerhalb weniger Minuten 28 irakische Panzer zerstört wurden.

Im Februar 2017 ernannte Donald Trump den Dreisternegeneral zum Nationalen Sicherheitsberater. Im Weißen Haus geriet McMaster schnell in Konflikt mit dem Präsidenten. Er drängte darauf, dass die US-Regierung zu den Partnern in Europa steht, und riet dem Präsidenten davon ab, aus dem Pariser Klimaabkommen auszusteigen – was ihn zur Zielscheibe von Trumps Chefberater Steve Bannon machte, der den Präsidenten auf einen populistischen Kurs einschwören wollte.

Die rechtslastige Website Breitbart, für die Bannon jahrelang gearbeitet hatte, startete eine Schmutzkampagne gegen McMaster. Als dieser auch noch öffentlich Trump widersprach und erklärte, es sei "unbestreitbar", dass der Kreml in die Präsidentschaftswahl 2016 eingegriffen habe, dauerte es nicht lange, bis der Präsident McMaster feuerte. Heute forscht McMaster, 58, an der Stanford University in Kalifornien und hat ein Buch über den Niedergang der USA als Führungsmacht seit dem Ende des Kalten Krieges geschrieben.

DER SPIEGEL 41/2020

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SPIEGEL: General McMaster, der Fall des Eisernen Vorhangs, den Sie in Deutschland miterlebt haben, war einer der größten Triumphe der amerikanischen Außenpolitik im 20. Jahrhundert. Nun aber schwingt sich China zu einer neuen Weltmacht auf, und Russland macht sich offenkundig erneut daran, die amerikanischen Präsidentschaftswahlen zu manipulieren. Wie konnte es so weit kommen?

McMaster: Wir haben den Kalten Krieg gewonnen, aber der Sieg hat uns zu einem falschen Optimismus und zur Selbstzufriedenheit verleitet. In den USA und in Europa dachten wir, dass sich mit dem Kollaps der Sowjetunion endgültig die freien und demokratischen Gesellschaften durchsetzen würden. Wir glaubten, die Ära der großen Systemkonkurrenz sei zu Ende, und die Völker der Welt würden von nun an die großen globalen Probleme gemeinsam angehen. Der Sieg im Kuwait-Krieg 1991 bestärkte uns außerdem in der Gewissheit, dass das US-Militär und die Nato aufgrund ihrer Stärke und ihrer technischen Überlegenheit unschlagbar seien. All diese Annahmen haben sich als falsch herausgestellt und führten zu bitterer Enttäuschung.

SPIEGEL: Inwiefern?

McMaster: Die Anschläge vom 11. September 2001 haben bewiesen, dass ein Teppichmesser genügt, um Flugzeuge zu entführen und 3000 Menschen zu ermorden. Außerdem drängt die globale Systemkonkurrenz mit aller Macht zurück: China bedroht seine Nachbarn im Südchinesischen Meer und versucht, die Freiheitsbewegung in Hongkong zu unterdrücken. Und Russland träumt wieder davon, eine Großmacht zu sein, was sich unter anderem in der Annexion der Krim zeigte. Die Europäer haben darauf zu langsam reagiert, und die USA haben auch noch den Fehler begangen, Truppen aus Europa abzuziehen, während der russische Präsident Wladimir Putin seine Aggression zeigte.

SPIEGEL: Wer stellt im Moment die größte Bedrohung für die freie Welt dar? Russland, China – oder Donald Trump?

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