Nord Stream 2 US-Außenminister benennt Berater für Energiesicherheit

Im Streit über Nord Stream 2 haben sich die USA und Deutschland zuletzt geeinigt. Nun soll ein US-Diplomat darüber wachen, dass Russland über die Ostseepipeline keinen politischen Einfluss nimmt.
Produktionswerk in Russland: Die Ostseepipeline wird bald fertigestellt

Produktionswerk in Russland: Die Ostseepipeline wird bald fertigestellt

Foto: Maxim Shemetov / REUTERS

US-Außenminister Antony Blinken hat einen Topberater für Energiesicherheit ernannt, der sich um eine »Reduzierung der Risiken« der deutsch-russischen Gaspipeline Nord Stream 2 bemühen soll. Die Berufung des Diplomaten Amos Hochstein unterstreiche die Entschlossenheit der US-Regierung, Russland davon abzuhalten, seine Energievorräte als geopolitische Waffe einzusetzen, erklärte Blinken am Dienstag in Washington.

Hochstein werde sich darum bemühen, der Ukraine und den östlichen Nato- und EU-Staaten zu einer sichereren und nachhaltigeren Energiezukunft zu verhelfen, erklärte Blinken. Hochstein ist für seine kritische Haltung gegenüber Russland bekannt. Für die Regierung des damaligen Präsidenten Barack Obama war er im Außenministerium als Sondergesandter für internationale Energieangelegenheiten zuständig. Seit 2017 war er in der Privatwirtschaft tätig, auch bei Energieunternehmen.

Im jahrelangen Streit über die deutsch-russische Ostseepipeline hatten Berlin und Washington im Juli einen Durchbruch verkündet. Sie veröffentlichten eine gemeinsame Erklärung, in der der Ukraine Unterstützung zugesagt wurde. Deutschland verpflichtete sich unter anderem dazu, alle Einflussmöglichkeiten zu nutzen, um eine Verlängerung des 2024 auslaufenden Gastransitabkommens der Ukraine mit Russland um bis zu zehn Jahre zu ermöglichen. Blinken sagte, Hochstein solle sich nun um die Umsetzung der Vereinbarung bemühen.

USA kritisieren Abhängigkeit von Russland

Die beinahe fertiggestellte Ostseepipeline soll russisches Gas nach Deutschland bringen – unter Umgehung der Ukraine, die auf die Einnahmen aus dem Gastransit angewiesen ist. Die USA hatten Nord Stream 2 jahrelang massiv kritisiert und sind weiterhin gegen das Projekt.

Die Amerikaner argumentieren, dass sich Deutschland durch Nord Stream 2 zu stark von Russland abhängig mache. Sie haben jedoch auch ein Interesse daran, selbst Erdgas zu verkaufen. Ex-US-Präsident Donald Trump drang im Pipelinestreit erfolgreich darauf, dass die Europäer sich zur Abnahme von Flüssiggas (LNG) aus den USA verpflichten.

Kritiker sehen in der Pipeline ein geopolitisches Projekt Russlands, das die Energiesicherheit Europas gefährde. Diese Sorge äußern sowohl die USA als auch bisherige Transitländer für russisches Gas, insbesondere die Ukraine.

muk/dpa