Pipelineexplosionen Dänemark spricht von »absichtlichen Taten«, Schweden von »Sabotage«
Dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen bei der Bekanntgabe der ersten Erkenntnisse: »Kein Angriff auf Dänemark«
Foto:Emil Helms / EPA
Die Gaslecks in den Ostsee-Pipelines Nord Stream 1 und Nord Stream 2 sind nach Angaben der dänischen Regierung nicht auf einen Unfall zurückzuführen. Die Behörden seien zu der eindeutigen Bewertung gekommen, dass es sich um absichtliche Taten handle und nicht um ein Unglück, sagte Ministerpräsidentin Mette Frederiksen am Dienstagabend. Innerhalb kurzer Zeit seien mehrere Explosionen beobachtet worden. Es gebe noch keine Informationen dazu, wer dahinterstecke.
Zu den Vorfällen sei es in internationalen Gewässern in den Ausschließlichen Wirtschaftszonen Dänemarks und Schwedens vor der Ostseeinsel Bornholm gekommen, sagte Frederiksen.
Es handle sich nicht um einen Angriff auf Dänemark, sagte sie auf eine Frage, ob es sich um eine gegen ihr Land verübte Kriegshandlung handle.
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen schrieb am Dienstagabend bei Twitter , sie habe mit Frederiksen über »den Sabotageakt« gesprochen. Es sei nun von größter Bedeutung, die Vorfälle zu untersuchen, um »vollständige Klarheit« über die Geschehnisse und den Hintergrund zu erhalten. »Jede absichtliche Störung von aktiver europäischer Energieinfrastruktur ist inakzeptabel und wird zu der stärksten möglichen Reaktion führen.«
Spoke to @Statsmin Frederiksen on the sabotage action #Nordstream.
— Ursula von der Leyen (@vonderleyen) September 27, 2022
Paramount to now investigate the incidents, get full clarity on events & why.
Any deliberate disruption of active European energy infrastructure is unacceptable & will lead to the strongest possible response.
Leitungen in einer Tiefe von 70 bis 80 Metern
Der dänische Klima- und Energieminister Dan Jørgensen bestätigte vorherige Angaben von Geologen, dass es am Montag zunächst um 2.03 Uhr eine Explosion an Nord Stream 2 südöstlich von Bornholm gegeben habe; sowie um 19.03 Uhr eine weitere an Nord Stream 1 nordöstlich von der Insel entfernt. Die Gasleitungen lägen in einer Wassertiefe von 70 bis 80 Metern und bestünden aus Stahl und Beton. Die Größe der Lecks deute darauf hin, dass es sich nicht um ein Unglück etwa mit einem Schiffsanker handeln könne.
Schwedens Ministerpräsidentin Andersson: »Es ist wahrscheinlich eine Frage der Sabotage«
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Nach Einschätzung der schwedischen Regierung sind die Lecks vermutlich auf Sabotage zurückzuführen. Die Informationslage sei noch unvollständig, aber zwei Explosionen seien identifiziert worden, die drei Lecks verursacht hätten, sagte Ministerpräsidentin Magdalena Andersson am Dienstagabend auf einer Pressekonferenz in Stockholm. Basierend auf schwedischen und dänischen Informationen komme man zu dem Schluss, dass es sich vermutlich um eine absichtliche Tat handle. »Es ist also wahrscheinlich eine Frage der Sabotage«, sagte sie.
Man arbeite unter anderem mit Deutschland und den USA eng zusammen. Sie habe dazu am Abend mit der dänischen Ministerpräsidentin Frederiksen, Bundeskanzler Olaf Scholz und Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg telefoniert. Auch die EU sei informiert worden. Um eine Attacke gegen Schweden handele es sich nicht. Schwedens Verteidigungsminister Peter Hultqvist sagte, man sei bereit, militärische Ressourcen nach Bedarf abzustellen.
Weitere Reaktionen im Überblick:
Der polnische Regierungschef Mateusz Morawiecki sagte, »wir kennen heute noch nicht die Details dessen, was da passiert ist, aber wir sehen deutlich, dass ein Sabotageakt vorliegt«.
In Moskau will die Regierung einem Sprecher zufolge keine Variante ausschließen.
Der Betreiber von Nord Stream 2 erklärte: Die Leitungen seien so verlegt, dass eine gleichzeitige Beschädigung mehrerer Leitungen etwa durch einen einzelnen Schiffsunfall höchst unwahrscheinlich ist.
»Das ist etwas, das wir sehr genau beobachten«, sagte Nato-Generalsekretär Stoltenberg. Man sei in engem Kontakt mit den Nato-Alliierten sowie mit Schweden, das Nato-Mitglied werden will.
Das Bundesinnenministerium nimmt die Beschädigungen an den Pipelines nach Aussage eines Sprechers »sehr ernst«: »Wir sind hierzu innerhalb der Bundesregierung, mit den deutschen Sicherheitsbehörden und mit unseren dänischen und schwedischen Partnern im engen Kontakt.«