Erste Frau im Amt Choe Son Hui wird nordkoreanische Außenministerin

Außenministerin in einem weitgehend abgeschotteten Staat – diese Aufgabe hat künftig die Diplomatin und Unterhändlerin Choe Son Hui. In Nordkorea steht damit erstmals eine Frau an der Spitze des Ministeriums.
Choe Son Hui im Jahr 2016: Damals war sie stellvertretende Generaldirektorin der Abteilung für US-Angelegenheiten im nordkoreanischen Außenministerium

Choe Son Hui im Jahr 2016: Damals war sie stellvertretende Generaldirektorin der Abteilung für US-Angelegenheiten im nordkoreanischen Außenministerium

Foto: Andy Wong / dpa

Nordkorea hat erstmals eine Außenministerin: die Diplomatin und erfahrene Unterhändlerin in Gesprächen mit den USA, Choe Son Hui. Die bisherige Vizeaußenministerin wurde bei einer Plenarsitzung des Zentralkomitees der herrschenden Arbeiterpartei befördert, berichteten die staatlich kontrollierten Medien. Sie leitet künftig als erste Frau des weithin abgeschotteten Staats das Ministerium und ersetzt als neue Ressortchefin den Armeeoffizier Ri Son Gwon.

Schon als Vizeministerin galt die 1964 geborene Choe als eine der wenigen Frauen, die in der Machtelite Nordkoreas einen hohen Posten innehatten. Etwa bei den beiden Gipfeltreffen von Machthaber Kim Jong Un mit dem früheren US-Präsidenten Donald Trump 2018 und 2019 spielte sie eine entscheidende Rolle. Auch begleitete sie Kim im April 2019 bei seinem ersten Staatsbesuch in Russland.

Spannungen durch nordkoreanische Atomtests

Welche Folgen die Beförderung Choes für die Verhandlungen über das Atomwaffenprogramm Nordkoreas haben könnten, war zunächst unklar. Ihre Ernennung erfolgte zu einem Zeitpunkt, da die Spannungen nach einer Reihe von Tests mit atomwaffenfähigen Raketen durch Nordkorea in diesem Jahr wieder steigen. Auch befürchten die USA und Südkorea, Nordkorea könnte jederzeit wieder einen neuen Atomtest vornehmen.

Die Verhandlungen Washingtons mit Pjöngjang kommen seit dem gescheiterten zweiten Gipfeltreffen Kims mit Trump im Februar 2019 in Vietnam nicht mehr voran. Nordkorea machte daraufhin mehrfach deutlich, an neuen Gesprächen nicht interessiert zu sein, solange Washington keine neuen Vorschläge unterbreite. So hatte auch Choe erklärt, es gebe keine Notwendigkeit, sich zusammenzusetzen.

Bei der jüngsten Sitzung des Zentralkomitees sprach Kim den Berichten zufolge von einem »sehr ernsten« Sicherheitsumfeld für das Land und dass es nötig sei, die Verteidigungsfähigkeiten zu verstärken. Auf die USA ging er dabei nicht direkt ein.

ani/dpa
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