Mitteilung der russischen Botschaft Diplomaten fliehen angeblich massenhaft aus Nordkorea

»Kaum jemand erträgt die Einschränkungen«: Ein Schreiben von russischen Diplomaten schildert die extreme Coronalage in Nordkorea. Nach ihren Angaben sind kaum noch internationale Vertreter vor Ort.
Russische Diplomaten bei der Ausreise aus Nordkorea per Schiene (im Februar)

Russische Diplomaten bei der Ausreise aus Nordkorea per Schiene (im Februar)

Foto: Russian Foreign Ministry / REUTERS

Wenig ist bekannt über die Coronalage in Nordkorea. Das ohnehin schon international isolierte Land hat sich nach dem Ausbruch der Pandemie noch weiter abgeschottet. Innerhalb der Grenzen sollen extrem harte Beschränkungen gelten. Details waren bisher spärlich, nun jedoch liefern russische Diplomaten einen Einblick.

Mitarbeiter der russischen Botschaft in Pjöngjang hatten am Donnerstag einen Facebook-Post veröffentlicht. Darin heißt es unter anderem: »Es ist verständlich, dass viele die nordkoreanische Hauptstadt verlassen. Kaum jemand erträgt die Einschränkungen im täglichen Leben. Den massiven Mangel an grundlegenden Dingen, auch an Medikamenten. Die Tatsache, dass gesundheitliche Probleme einfach nicht behandelt werden können.«

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Facebook, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Sie beschreiben eine »massenhafte Ausreise« von Diplomaten aus der Hauptstadt, die die Bedingungen vor Ort nicht mehr aushalten könnten. Über den Post berichtet unter anderem der britische »Guardian« . Es seien »kaum noch Diplomaten im Land«, so die russische Botschaft. Weniger als 300 internationale Vertreter befänden sich noch vor Ort – Tendenz sinkend. Erst in der vergangenen Woche hatte die Uno mitgeteilt, dass sie kein ausländisches Personal mehr in Nordkorea habe.

Laut den russischen Angaben sind die Vertretungen Großbritanniens, Venezuelas, Brasiliens, Deutschlands, Italiens, Nigerias, Pakistans, Polens, der Tschechischen Republik, Schwedens, der Schweiz und Frankreichs bereits zu. Alle ausländischen Mitarbeiter internationaler humanitärer Organisationen seien ebenfalls abgereist. Demnach vertreten nur noch neun Botschafter und vier Geschäftsträger ihre Staaten.

Für Aufsehen hatte ein Fall im Februar gesorgt. Aus Mangel an Reisealternativen waren Diplomaten und ihre Familien mit einer Art Draisine, einem handbetriebenen Schienenfahrzeug, ausgereist. Bilder zeigen sie beim Überqueren einer Brücke, die Nordkorea von Russland trennt.

In der vergangenen Woche waren gleich sechs nordkoreanische Grenzsoldaten nach China übergelaufen. Als Motiv für ihre riskante Flucht hatten sie »Hunger und Erschöpfung« angegeben.

Knapp zwei Millionen Impfdosen sollen ins Land kommen

Problematisch für die Versorgungslage in dem bitterarmen Land ist besonders der Rückgang im Handel mit China, dem wichtigsten internationalen Partner. Dieser sei um 80 Prozent zurückgegangen, bei Nahrungsmitteln und Medikamenten sogar noch weiter. Das geht aus einem Bericht von Human Rights Watch  hervor, der im vergangenen Monat erschienen war. Nahrung, Seife, Zahnpasta und Batterien seien Mangelware. Dazu hätten Überschwemmungen die ohnehin angespannte Versorgungslage verschärft.

Offiziell gibt es in dem Land keine Coronafälle. Jenseits dieser staatlichen Propaganda gehen Analysten aber davon aus, dass es bei den Streitkräften und mindestens auch in den Grenzstädten zu Ausbrüchen gekommen sein muss. Im Rahmen eines Programms der Weltgesundheitsorganisation wird Nordkorea bald rund 1,7 Millionen Impfdosen erhalten. Im Land leben rund 26 Millionen Menschen, der weitaus größte Teil in bitterer Armut.

jok