Verfeindete Nachbarstaaten Nordkorea droht dem Süden offen mit Atomschlag

Zuletzt hatte Südkorea detailliert geschildert, wie genau man Ziele im nördlichen Nachbarland mit Raketen zerstören könne. Nun reagiert Pjöngjang – und die Antwort ist mehr als deutlich.
Diktatorenschwester Kim Yo Jong (2019): »Dies ist nicht nur eine Drohung. Dies ist eine detaillierte Erklärung unserer Reaktion«

Diktatorenschwester Kim Yo Jong (2019): »Dies ist nicht nur eine Drohung. Dies ist eine detaillierte Erklärung unserer Reaktion«

Foto: Jorge Silva / dpa

Alle Augen richten sich derzeit auf den russischen Angriffskrieg in der Ukraine. Doch auch in anderen Teilen der Welt schwelen Konflikte zwischen verfeindeten Nachbarstaaten. Nach zahlreichen Raketentests in den vergangenen Monaten hat Nordkorea nun sehr offen in Richtung Süden gedroht: Man werde bei einem Angriff aus Südkorea Atomwaffen gegen den Nachbarn einsetzen.

»Dies ist nicht nur eine Drohung. Dies ist eine detaillierte Erklärung unserer Reaktion auf eine mögliche rücksichtslose Militäraktion Südkoreas«, sagte Kim Yo Jong, die mächtige Schwester des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong Un, am Dienstag einem Bericht der staatlichen Nachrichtenagentur KCNA zufolge. Der Süden könne dieses Schicksal vermeiden, indem er jeden »fantastischen Tagtraum« eines Präventivangriffs auf einen atomar bewaffneten Staat aufgebe.

Der südkoreanische Verteidigungsminister Suh Wook hatte am Freitag gesagt, sein Land verfüge über eine Reihe von Raketen mit deutlich verbesserter Reichweite, Genauigkeit und Leistung, die in der Lage seien, jedes Ziel in Nordkorea genau und schnell zu treffen.

Kim Yo Jong bezeichnete diese Äußerung als »sehr großen Fehler«. Pjöngjang lehne einen Krieg ab, der die Halbinsel in Trümmer legen würde, und betrachte Südkorea nicht als seinen Hauptfeind. Solle sich Südkorea jedoch aus irgendeinem Grund für die von Suh Wook »angepriesene Militäraktion als Präventivschlag« entscheiden, werde sich die Situation ändern und Südkorea werde selbst zum Ziel.

15.000 Kilometer Reichweite bedroht Ziele weltweit

Nordkorea hat in diesem Jahr bereits ungewöhnlich viele und immer leistungsfähigere Raketen getestet. Südkorea und die USA befürchten, dass sich das Land darauf vorbereiten könnte, angesichts der festgefahrenen Verhandlungen zum ersten Mal seit 2017 auch wieder Atomwaffen zu testen.

Ende März hatte Nordkorea eine neue Langstreckenrakete namens Hwasong-17 abgefeuert. Es war der erste große Test einer interkontinentalen ballistischen Rakete seit 2017. Staatschef Kim erklärte, dies solle die Macht seiner nuklearen Streitkraft demonstrieren und die USA vor jeder militärischen Bewegung gegen Nordkorea abschrecken.

Mit einer Reichweite von nach Angaben der japanischen Regierung wahrscheinlich mehr als 15.000 Kilometern könnte die Rakete von Nordkorea aus theoretisch Landziele überall auf der Erde erreichen, mit Ausnahme einiger weniger Länder in Südamerika und Teilen der Antarktis.

jok/Reuters
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