Diktator Kim Jong Un Nordkorea erklärt sich »unwiderruflich« zur Atommacht

Nordkorea werde sein Nukleararsenal niemals aufgeben: Mit diesen Worten zementiert Machthaber Kim Jong Un den Status des Landes. Er droht zudem mit »automatischen« Atomschlägen, sollte die Führung angegriffen werden.
Nordkoreanischer Raketentest (datiert auf den 24. März 2022)

Nordkoreanischer Raketentest (datiert auf den 24. März 2022)

Foto: Êú?ÈÆÆÈÄö‰ø°Á§æ / AP

Der Ton im Atomstreit zwischen Nordkorea und dem Westen wird schriller. Am Freitag verabschiedete Pjöngjang ein Gesetz, dass das Land nach Angaben seiner Führung »unwiderruflich« zur Atommacht macht. Verhandlungen über eine mögliche Denuklearisierung seien damit ausgeschlossen, hieß es weiter.

Beobachter wähnen in diesen harschen Worten eine mögliche Vorbereitung für neue Atomtests des weitgehend isolierten Landes. Es wären der erste Test dieser Art seit 2017. Ein solcher Schritt würde die Spannungen mit dem Westen noch einmal deutlich verschärfen.

»Entscheidend bei der neuen Gesetzgebung ist, dass damit eine nicht verschiebbare Linie gezogen ist, sodass über unsere Atomwaffen nicht verhandelt werden kann«, zitiert die staatliche Nachrichtenagentur KCNA aus einer Rede von Diktator Kim Jong Un vor dem Parlament.

Nach Angaben von KCNA sieht die neue Gesetzgebung auch vor, dass mögliche Attacken auf die Führung des Landes »automatisch« mit Atomschlägen beantwortet werden. Den USA warf Kim in seiner Rede demnach vor, das Land schwächen und seine Führung absetzen zu wollen. Eine Grundvoraussetzung des Westens für mögliche Gespräche und dringend nötige wirtschaftliche Hilfen ist der Abbau des Atomarsenals.

Regime fabuliert von »sozialistischem Märchenland«

Erst gestern hatte sich das Parlament in blumigen Worten zu den Plänen für die Zukunft des verarmten Landes geäußert. Man wolle Nordkorea in ein »schönes und zivilisiertes sozialistisches Märchenland« verwandeln. »Zwei neue Gesetze werden die Bemühungen der Regierungspartei um eine radikale Wende in der Landbevölkerung und ihre Politik zur Landschaftsgestaltung vorantreiben, eine rasche Entwicklung der sozialistischen Landbevölkerung … zu erreichen und das Land in ein schönes und zivilisiertes sozialistisches Märchenland zu verwandeln«, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur KCNA am Donnerstag unter Berufung auf die Rede eines Abgeordneten vor der nordkoreanischen Obersten Volksversammlung.

Der Koreakrieg war 1953 mit einem Waffenstillstand und nicht mit einem Friedensvertrag geendet. Im Prinzip befinden sich die beiden Staaten deswegen weiter im Kriegszustand. Die Demarkationslinie, die die Halbinsel teilt, hat auch viele Familien zerrissen. Viele Betroffene sind inzwischen über 90 Jahre alt. Nach Erkenntnissen des Roten Kreuzes gibt es in Südkorea rund 75.000 Menschen, die ihre Verwandten im Norden nicht treffen können.

jok/Reuters
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