Trotz internationaler Proteste Nordkorea feuert erneut Raketen Richtung Japan ab

»Das kann absolut nicht toleriert werden«: Schon zum zweiten Mal in dieser Woche hat das Regime in Pjöngjang ballistische Kurzstreckenraketen starten lassen. Derweil ringt der Uno-Sicherheitsrat um eine gemeinsame Haltung.
Menschen in Seoul verfolgen am 4. Oktober eine Nachrichtensendung über Nordkoreas Raketenstart

Menschen in Seoul verfolgen am 4. Oktober eine Nachrichtensendung über Nordkoreas Raketenstart

Foto: Seokyong Lee / Penta Press / IMAGO

Ungeachtet starker Proteste hat Nordkorea seine Serie von Raketentests fortgesetzt. Das südkoreanische Militär teilte mit, Nordkorea habe am Donnerstag erneut zwei ballistische Kurzstreckenraketen in Richtung des Japanischen Meeres (koreanisch: Ostmeer) abgefeuert, wie die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap berichtete . Die Geschosse seien bei der nordkoreanischen Hauptstadt Pjöngjang gestartet worden. Das eine sei bei einer maximalen Höhe von 80 Kilometern 350 Kilometer weit geflogen, das andere 800 Kilometer bei einer maximalen Höhe von 60 Kilometern.

»Das kann absolut nicht toleriert werden«, sagte der japanische Ministerpräsident Fumio Kishida. Der Verteidigungsminister des Landes, Yasukazu Hamada, erklärte: »Nordkorea hat seine Provokationen vor allem seit Anfang dieses Jahres unerbittlich und einseitig verschärft.« Und vom südkoreanischen Militär hieß es: »Die fortgesetzten Raketenstarts Nordkoreas sind eine schwerwiegende Provokation, die nicht nur den Frieden und die Stabilität auf der koreanischen Halbinsel bedrohen, sondern auch die internationale Gesellschaft.«

Der Start erfolgte etwa eine Stunde, nachdem das Regime in Pjöngjang den Schritt der USA verurteilt hatte, Nordkoreas »gerechte Gegenmaßnahmen der Koreanischen Volksarmee zu den gemeinsamen Übungen zwischen Südkorea und den USA« vor den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen zu bringen. Zudem kritisierte Pjöngjang die Verlegung eines US-Flugzeugträgers in die Gewässer vor der koreanischen Halbinsel. Dies stelle eine ernsthafte Bedrohung für die Stabilität der Situation dar, erklärte das nordkoreanische Außenministerium.

Keine gemeinsame Haltung des Uno-Sicherheitsrats in Sicht

Südkorea hatte am Mittwoch mitgeteilt, die USA wollten ihren nukleargetriebenen Flugzeugträgers »USS Ronald Reagan« erneut in die Gewässer östlich der koreanischen Halbinsel entsenden. Zuletzt war das Schiff im September zu seinem ersten Besuch in Südkorea seit mehreren Jahren eingetroffen und hatte an einem Seemanöver zwischen südkoreanischen und US-Streitkräften teilgenommen. Es wird laut Yonhap erwartet, dass der Flugzeugträger an einer weiteren Übung mit Südkorea und Japan in den internationalen Gewässern teilnehmen wird.

Der Uno-Sicherheitsrat befasste sich am Mittwoch (Ortszeit) bei einer Dringlichkeitssitzung mit Nordkorea. Eine gemeinsame Haltung des Rats ist dabei aber nicht in Sicht. Diplomaten zufolge wurde ein Vorschlag zu einer gemeinsamen Stellungnahme von China im Vorfeld des Treffens blockiert.

Der stellvertretende chinesische Botschafter Geng Shuang gab den USA eine Schuld am Verhalten Nordkoreas. Washington habe in der Vergangenheit auf Maßnahmen des Landes zur Denuklearisierung nicht angemessen reagiert. Er forderte die USA auf, »Bedingungen für die Aufnahme eines Dialogs zu schaffen«. China gilt als wichtigster Partner Nordkoreas.

Sitzung des Uno-Sicherheitsrats zu Nordkorea

Sitzung des Uno-Sicherheitsrats zu Nordkorea

Foto: Bebeto Matthews / AP

Erst am Dienstag hatte Pjöngjang eine ballistische Mittelstreckenrakete abgefeuert, die – erstmals seit knapp fünf Jahren – über die japanische Inselgruppe geflogen war. Sowohl die USA als auch die Nato verurteilten den Test scharf. Als Reaktion schossen die USA und Südkorea am Mittwoch vier Boden-Boden-Raketen in Richtung des Japanischen Meers.

Als Nordkorea 2017 eine Rakete über Japan fliegen ließ, führte das Land nur wenige Tage später einen Atomwaffentest durch. Uno-Resolutionen untersagen Nordkorea die Erprobung von ballistischen Raketen jeglicher Reichweite, die je nach Bauart auch einen Atomsprengkopf befördern können. Seit dem 25. September hat Nordkorea damit sechsmal Raketen abgeschossen.

aar/dpa/Reuters
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