Coronaausbruch 167.650 neue Fälle in Nordkorea – Biden bietet US-Hilfe an

Das Coronavirus breitet sich in Nordkorea aus – auch wenn die offiziellen Zahlen zuletzt etwas niedriger ausfallen. Von internationaler Unterstützung will Pjöngjang weiter nichts wissen.
Fiebermessung bei Schulkind in Pjöngjang

Fiebermessung bei Schulkind in Pjöngjang

Foto: Cha Song Ho / AP

Die nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA meldet den zweiten Tag infolge weniger als 200.000 Fieberfälle binnen 24 Stunden. 167.650 weitere Menschen zeigten Fiebersymptome, eine Person sei gestorben. Die Zahl der verzeichneten Todesfälle erhöht sich demnach auf 68. Mehr als 2,81 Millionen Infektionen wurden offiziell bestätigt.

KCNA berichtet nicht, wie viele der Betroffenen auf eine Infektion mit dem Coronavirus getestet sind. Seit den ersten bestätigten Coronafällen in Nordkorea am 12. Mai wächst die Sorge über den Mangel an Impfstoffen, die unzureichende medizinische Versorgung und eine mögliche Nahrungsmittelkrise in dem 25-Millionen-Einwohner-Land. Die Regierung in Pjöngjang hat bislang nicht auf Hilfsangebote Südkoreas und der USA reagiert.

Zuletzt hatte US-Präsident Joe Biden sein Angebot für schnelle Hilfslieferungen von Impfstoffen erneuert. »Wir sind bereit, das sofort zu tun«, sagte Biden am Wochenende in Seoul. Die USA hätten bereits Hilfe angeboten, doch Nordkorea habe nicht darauf reagiert.

Biden und sein südkoreanischer Amtskollege Yoon Suk-yeol hätten sich bei ihrem Treffen in Seoul besorgt über den »Covid-19-Ausbruch« in Nordkorea geäußert, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung. Demnach seien beide Seiten willens, gemeinsam mit der internationalen Gemeinschaft Nordkorea im Kampf gegen das Virus zu unterstützen.

Kritik des Diktators an den eigenen Behörden

Die Regierungen der USA und Südkoreas gehen von einer ernsten Situation in dem international isolierten Nordkorea aus. Trotz des Streits über das nordkoreanische Atomwaffenprogramm betonen beide Länder, zu humanitärer Hilfe für die Nordkoreaner bereit zu sein.

Als eines der letzten Länder weltweit hatte Nordkorea in der vergangenen Woche offiziell bestätigt, dass es Infektionsfälle mit dem Krankheitserreger gebe. Schon seit Ende April stieg demnach die Zahl fieberbedingter Erkrankungen rasant.

Angesichts der offenbar massiven Ausbreitung des Virus hatte Machthaber Kim Jong Un die Reaktion der Behörden zuletzt als mangelhaft kritisiert. Den Behördenmitarbeitern warf er Unzulänglichkeiten und Trägheit vor, wie KCNA meldete. Bei einer Sitzung des Politbüros der regierenden Arbeiterpartei habe er in der vergangenen Woche kritisiert, dass die »Unreife der staatlichen Kapazitäten zur Bewältigung der Krise« die »Komplexität und die Schwierigkeiten« bei der Bekämpfung der Pandemie verschärft habe.

jok/Reuters