Grenzstadt Kaesong Nordkorea sprengt Verbindungsbüro zu Südkorea

Nordkorea hat die Sprengung eines Verbindungsbüros an der Grenze zu Südkorea bestätigt. Pjöngjang hatte nach einer Propaganda-Aktion südkoreanischer Aktivisten gedroht, "entmilitarisierte" Zonen wieder mit Soldaten zu besetzen.
Rauch über Kaesong: Bereits am Samstag hatte Nordkorea die Grenzstadt in Drohungen erwähnt

Rauch über Kaesong: Bereits am Samstag hatte Nordkorea die Grenzstadt in Drohungen erwähnt

Foto: YONHAP NEWS AGENCY/ REUTERS

Regelmäßig werfen südkoreanische Aktivisten Flugblätter über Nordkorea ab - sorgen damit für eine Verschärfung der Spannungen zwischen beiden Ländern. Nun hat Nordkorea mitgeteilt, man habe das innerkoreanische Verbindungsbüro an der Grenze gesprengt.

Damit bestätigte das Land entsprechende Meldungen des Vereinigungsministeriums in Seoul. Zudem habe man alle Kommunikationswege nach Südkorea abgeschnitten, berichtete die staatliche nordkoreanische Nachrichtenagentur . Aus Seoul hieß es, Südkorea werde streng reagieren, wenn Nordkorea die Spannungen weiter anheize.

Nähere Einzelheiten zu der Sprengung wurden nicht mitgeteilt. Die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap berichtete, bei Kaesong, wo sich neben dem Verbindungsbüro auch ein stillgelegtes gemeinsames Industriegebiet befindet, sei nach einer Explosion Rauch aufgestiegen. Videoaufnahmen zeigten, wie das vierstöckige Gebäude nach der Explosion zusammenbrach. Das Büro war seit Januar wegen der Coronakrise geschlossen.

Das Verbindungsbüro wurde 2018 gegründet. Es sollte dazu dienen, das Verhältnis beider Länder zu verbessern. Südkorea gab 2018 knapp neun Millionen US-Dollar aus, um das Gebäude zu renovieren. Zwischenzeitlich arbeiteten nordkoreanische Vertreter im vierten, südkoreanische Abgesandte im zweiten Stockwerk. In der dritten Etage waren Konferenzräume für gemeinsame Gespräche. Vor der Schließung im Januar arbeiteten laut Regierungsangaben 58 Südkoreaner in dem Büro.

Bereits am Samstag hatte die einflussreiche Schwester von Machthaber Kim Jong Un mit einer Militäraktion gegen Südkorea gedroht - und dabei auch das Verbindungsbüro in Kaesong erwähnt. "In Kürze wird eine tragische Szene des komplett eingestürzten, nutzlosen Nord-Süd-Verbindungsbüros zu sehen sein", hieß es von Kim Yo Jong.

Wenige Stunden vor der Sprengung hatte Nordkorea gedroht, bereits "entmilitarisierte" Zonen an der Grenze wieder mit Soldaten zu besetzen. "Unsere Armee beobachtet die Lage genau, in der sich die innerkoreanischen Beziehungen zusehends verschlechtern", erklärte die Armeeführung des international isolierten Landes. Es würden Pläne der Regierung und der Arbeiterpartei geprüft, wonach die Armee wieder in Zonen vorstoßen könne, die unter dem Abkommen zwischen den beiden Ländern entmilitarisiert worden seien, wurde der Generalstab von den Staatsmedien zitiert. Auch deutete er an, die Volksarmee könnte ihrerseits Flugblätter nach Südkorea schicken.

Nordkorea will militärische Wachsamkeit erhöhen

Den Plänen zufolge soll die Frontlinie in eine Festung verwandelt und die militärische Wachsamkeit gegenüber Südkorea weiter erhöht werden. Details zu den Zonen, in die das Militär wieder einrücken könnte, wurden nicht genannt.

Die kommunistische Führung Nordkoreas fühlt sich durch die erneute Verbreitung von Flugblättern durch südkoreanische Aktivisten und nordkoreanische Flüchtlinge an der Grenze provoziert. Dabei wurden Ende Mai mit Ballons etwa eine halbe Million Flugblätter, die sich gegen die autokratische Führung in Pjöngjang richten, über die Grenze geschickt. Pjöngjang wirft der Regierung in Seoul vor, diese schon seit Jahren durchgeführte Kampagne weiter zu tolerieren.

asc/ulz/dpa/AFP/Reuters/AP
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.