Corona-Abschottung Nordkorea stationiert Soldaten mit Schießbefehl an Grenze zu China

Um das Land vor einer Einschleppung des Coronavirus aus China zu schützen, hat Nordkorea US-Angaben zufolge eine streng bewachte Pufferzone zum Nachbarn eingerichtet.
Nordkoreanische Soldaten patrouillieren an der Grenze zu China (Archivbild)

Nordkoreanische Soldaten patrouillieren an der Grenze zu China (Archivbild)

Foto: JOHANNES EISELE / AFP

Mit einem Schießbefehl an der Grenze will Nordkorea nach Angaben des US-Militärs ein Eindringen des Coronavirus aus China verhindern. Der Kommandeur der US-Truppen in Südkorea, Robert Abrams, sagte bei einer Onlinekonferenz, Nordkorea habe an der Grenze zu China eine Pufferzone eingerichtet, in der nordkoreanische Spezialkräfte mit "Schießbefehlen" stationiert seien.

Die nordkoreanische Führung hatte die Grenze zum Schutz vor dem Coronavirus bereits im Januar geschlossen. Die nun eingerichtete Pufferzone messe ein bis zwei Kilometer auf nordkoreanischem Grund, so der US-General. Bei den eingesetzten nordkoreanischen Kräften handele es sich um "Kampftruppen".

Das extrem abgeschottete Nordkorea hat offiziell noch keinen Corona-Fall gemeldet. Einen größeren Corona-Ausbruch könnte das schwache nordkoreanische Gesundheitssystem kaum bewältigen.

Beobachter vermuten jedoch, dass das Virus schon längst aus China eingebracht wurde. Im Juli hatte die Führung den Ausnahmezustand ausgerufen. Zudem wurde im Juli an der Grenze zu Südkorea die Stadt Kaesong komplett abgeriegelt. Es wurde vermutet, ein aus Südkorea zurückgekehrter Überläufer habe das Virus dorthin mitgebracht.

Die Schließung der Grenze zu China hat für Nordkorea massive wirtschaftliche Auswirkungen. Nordkorea habe die Pufferzone an der ohnehin geschlossenen Grenze auch eingerichtet, weil die Nachfrage nach Schmuggelware stark zugenommen habe, sagte US-General Abrams bei der Onlinekonferenz des Zentrums für strategische und internationale Studien (CSIS).

Bereits im Frühjahr war der Handel zwischen China und Nordkorea teilweise um 90 Prozent eingebrochen. Auf das ganze erste Halbjahr 2020 berechnet sank er nach Schätzungen des südkoreanischen Wiedervereinigungsministeriums um zwei Drittel im Vergleich zum Vorjahr.

Für die Bevölkerung ist die wirtschaftliche Lage eine massive Belastung: Schon vor der Krise waren etwa elf Millionen Nordkoreaner mangelernährt. Diktator Kim Jong Un hatte bereits zu Jahresbeginn die Hoffnung auf bessere Lebensumstände entkräftet, als er sagte, man müsse den "Gürtel enger schnallen". Zudem verwüsteten im Juli und August wochenlange starke Regenfälle und Taifune die Ernte und zerstörten Wohnungen.

ire/afp
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