Nordkorea Südkorea sieht Anzeichen für Militärparade in Pjöngjang

Nordkorea feiert den 75. Gründungstag der im Land herrschenden Arbeiterpartei. Laut Südkoreas Generalstab hält Machthaber Kim Jong Un dazu offenbar eine große Heerschau ab.
Bahnhof in Seoul: Ein Mann schaut im südkoreanischen TV einen Archiv-Bericht über eine zurückliegende Militärparade in Nordkorea

Bahnhof in Seoul: Ein Mann schaut im südkoreanischen TV einen Archiv-Bericht über eine zurückliegende Militärparade in Nordkorea

Foto: JUNG YEON-JE / AFP

Offensichtlich noch im Morgengrauen hat Nordkorea Angaben des Militärs in Südkorea zufolge eine große Zahl von Waffen für eine Militärparade in Pjöngjang auffahren lassen. Nordkorea feiert an diesem Samstag den 75. Gründungstag der im Land herrschenden Arbeiterpartei.

Es gebe Anzeichen dafür, dass eine große Militärparade am frühen Morgen (Ortszeit) auf dem Kim-Il-Sung-Platz der Hauptstadt mit einer großen Zahl von Waffen und Personen stattgefunden hat, teilte Südkoreas Generalstab mit. Die Geheimdienste in Südkorea und den USA analysierten die Veranstaltung, "einschließlich der Möglichkeit, dass es das Hauptereignis sein kann". Die Erklärung ließ damit offen, ob Nordkorea eine Parade nur proben ließ.

Aus Nordkorea selbst gab es keine Berichte über eine Heerschau. Auch hatte das autokratisch regierte Land keine entsprechenden Ankündigungen gemacht. In Südkorea wurde jedoch erwartet, dass das Nachbarland mit einer machtvollen Parade das Parteijubiläum feiern werde. Schon in den vergangenen Wochen hatten Experten in den USA Satellitenbilder veröffentlicht, die auf Proben für den Aufmarsch von Soldaten und die Präsentation von Waffen in Pjöngjang hindeuteten.

Anlass, Stärke zu demonstrieren

Auch wurde spekuliert, Nordkorea könnte eine neue Interkontinentalrakete vorführen. Die international isolierte Führung in Pjöngjang nimmt häufig wichtige Gedenk- oder Feiertage zum Anlass, Stärke zu demonstrieren. Machthaber Kim Jong Un hatte Ende 2019 bei einem Parteitreffen gedroht, die Welt werde in naher Zukunft eine "neue strategische Waffe" erleben. Seit dem gescheiterten Gipfeltreffen Kims mit US-Präsident Donald Trump im Februar 2019 in Vietnam stocken die Verhandlungen über Nordkoreas Atomwaffenprogramm.

Das ohnehin weitgehend abgeschottete Nordkorea hat sich nach dem Ausbruch des Coronavirus weiter isoliert - mit drastischen Folgen für die Wirtschaft und die Menschen im Land. Ein ungewöhnlich nasser und stürmischer Sommer verschärfte die Probleme. Wochenlange Regenfälle und Überschwemmungen bedrohten im Juli und August die Ernte. Schon vor der Krise waren etwa elf Millionen Nordkoreaner mangelernährt.

Mitte August musste Kim bei einem Treffen der Arbeiterpartei eingestehen, dass Nordkorea "wegen unvorhergesehener Schwierigkeiten" die Lebensumstände der Menschen nicht habe verbessern können und seine wirtschaftlichen Ziele verfehlt habe. Im Januar 2021 müsse ein neuer Fünfjahresplan entworfen werden, zitierten ihn die staatlichen Medien.

wit/dpa/Reuters
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