Normalisierung der Beziehungen Israel und Emirate öffnen Telefonleitungen

Ein historischer Anruf: Die Außenminister von Israel und den Vereinigten Arabischen Emiraten geben die bislang blockierte Telefonleitung frei, die nun für alle nutzbar ist. Auch Internetsperren sind gefallen.
Der emiratische Außenminister Abdullah bin Zayad Al Nahyan führte ein direktes Telefonat mit seinem israelischen Amtskollegen Gabi Aschkenasi

Der emiratische Außenminister Abdullah bin Zayad Al Nahyan führte ein direktes Telefonat mit seinem israelischen Amtskollegen Gabi Aschkenasi

Foto: Artyom Geodakyan / imago images / ITAR-TASS

Die angekündigte Normalisierung der Beziehungen zwischen Israel und den Vereinigten Arabischen Emiraten wird spürbar für die Menschen: Seit diesem Sonntag können sie über die Ländergrenzen hinweg miteinander telefonieren.

Beide Länder bestätigten, eine Telefonverbindung hergestellt zu haben. Der emiratische Außenminister Abdullah bin Zayad Al Nahyan habe die Leitung mit seinem israelischen Amtskollegen Gabi Aschkenasi eröffnet, teilte das emiratische Außenministerium mit. Das israelische Außenministerium bestätigte die Unterhaltung. Beide Seiten hätten beschlossen, noch vor der Unterzeichnung ihrer Vereinbarung über die Aufnahme diplomatischer Beziehungen einen "direkten Kommunikationskanal" einzurichten.

Internetblockaden ebenfalls aufgehoben

Auch Korrespondenten der Nachrichtenagenturen Reuters und AP bestätigten, dass Telefonate aus einem Land in das andere nun möglich sind. In der Vergangenheit seien solche Anrufe blockiert worden. Auch Telefonate über das Internet seien bisher oft unterbrochen worden.

Offenbar betrifft die Öffnung auch Internetsperren. Reuters und AP berichten, dass sich zuvor blockierte israelische Nachrichtenseiten nun über eine Internetverbindung in den Emiraten öffnen ließen.

Der israelische Kommunikationsminister Joas Hendel begrüßte die Öffnung der Telefonverbindungen. "Ich gratuliere den Emiraten zur Aufhebung der Blockaden. Viele wirtschaftliche Gelegenheiten werden sich jetzt eröffnen, und diese vertrauensbildenden Maßnahmen sind ein wichtiger Schritt, um die Interessen der Länder voranzubringen", teilte Hendel mit.

Die neue Telefonverbindung ist Teil der Annäherung zwischen Israel und den Emiraten. Die beiden Länder hatten am Donnerstag überraschend die Aufnahme diplomatischer Beziehungen angekündigt. Eine Übereinkunft sieht auch vor, dass Israel vorerst auf geplante Annexionen im Westjordanland verzichtet, das die Palästinenser für einen eigenen Staat beanspruchen.

Bislang galt es als Tabu für arabische Staaten, Abkommen mit Israel zu schließen, bevor der Nahostkonflikt gelöst ist. Aus dem arabischen Raum unterhielt Israel bislang offizielle Beziehungen nur zu seinen Nachbarn Jordanien und Ägypten. Die Emirate sind nun das dritte arabische Land, das diplomatische Beziehungen aufnimmt.

Am Wochenende zeichneten sich weitere Auswirkungen der noch nicht unterzeichneten Vereinbarung ab. Beim Kampf gegen das Coronavirus deutet sich eine stärkere Zusammenarbeit an. Eine emiratische Investmentfirma und eine israelische Technologiefirma kündigten an, bei Forschung und Studien zum Virus zu kooperieren. Ziel sei dabei auch die Entwicklung von schnelleren Corona-Tests, berichtete die emiratische Nachrichtenagentur WAM.

Die Vereinbarung zwischen Israel und den Emiraten war auf geteiltes Echo gestoßen. Die Palästinenserführung verurteilte die Vereinbarung. Das Büro von Präsident Mahmoud Abbas teilte mit, man lehne die "plötzliche Mitteilung" beider Länder ab. Es sei ein Schlag für die saudische Friedensinitiative und die Erklärungen der Arabischen Liga sowie ein aggressives Vorgehen gegen das palästinensische Volk.

Irans Präsident Hassan Rohani drohte den Emiraten mit Konsequenzen, sollten sie erwägen, Israel den Zutritt zur Region am Persischen Golf zu ermöglichen. Auch die Türkei kritisierte die Vereinbarung scharf. Mit der Einigung hätten die Emirate die Interessen der Palästinenser verraten, teilte das türkische Außenministerium mit.

Zustimmung kam von der Europäischen Union und Deutschland. Der Sprecher der Bundesregierung, Steffen Seibert, sprach von einer "zukunftsweisenden Vereinbarung", die den Ausgleich und die Partnerschaft zwischen Israel und der arabischen Welt voranbringen werde. Auch die Golfstaaten Oman und Bahrain begrüßten die Vereinbarung.

ply/dpa/Reuters/AP/AFP
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