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Stefan Kuzmany

Österreich Nur kurz weg

Stefan Kuzmany
Eine Kolumne von Stefan Kuzmany
Umfragen belegen: Österreich will seinen Kanzler zurück.
aus DER SPIEGEL 42/2021
Foto:

CLEMENS BILAN / EPA

Der Rücktritt des österreichischen Kanzlers Sebastian Kurz war womöglich voreilig. Dem Politiker wird von der Wiener Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft vorgeworfen, gemeinsam mit seinem innersten Zirkel freundliche Berichterstattung in Boulevardmedien erkauft und zu seinen Gunsten frisierte Umfragen platziert zu haben. Finanziert worden sei der Betrug mit Geldern der öffentlichen Hand.

Aus: DER SPIEGEL 42/2021

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Nun zeigen unter Verschluss gehaltene Umfragen: Selbst wenn die Vorwürfe zuträfen, die Österreicher würden Kurz verzeihen. Auf die Frage, was ihnen wichtiger sei, »ein aufgeblasener Skandal um frisierte Umfragen oder ein bestens frisierter Kanzler« votierten 89 Prozent der Befragten für den gutaussehenden Mautrepublikchef. Auf »Sollte Steuergeld sinnvoll für die richtige politische Willensbildung eingesetzt werden?« antworteten 67 Prozent mit »Aber sicher« und weitere 32 Prozent mit »Logisch«. Auch die im Zuge der Ermittlungen aufgetauchten unflätigen SMS-Botschaften des jungen Konservativen scheinen Kurz nicht zu schaden. Die Frage »Was halten Sie davon, in den Privatnachrichten unseres Bundeskanzlers herumzuschnüffeln?« beantworteten 88 Prozent spontan mit »Der Staatsanwalt is a Oasch«. Hoffnung schöpfen kann der zwischenzeitliche Ex-Kanzler vor allem aus den Antworten auf die letzte Frage: »Was ist das Gegenteil von lang – und wer soll schnellstens wieder regieren?« Hier nennen sogar 120 Prozent seinen Namen.

Nach der Publikation dieser brisanten Ergebnisse in führenden österreichischen Boulevardmedien wird mit einer baldigen Rückkehr von Kurz ins Kanzleramt gerechnet. Sobald die Überweisung des fälligen Honorars eingetroffen ist, wollen sie die Öffentlichkeit informieren.

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