Neue Studie Nur noch 45 Prozent der Weltbevölkerung leben in einer Demokratie

Demokratische Grundwerte stehen weltweit unter Druck. Laut einer Erhebung hat sich die Lage seit 2020 weiter verschärft. In Europa geraten zwei Staaten besonders in die Kritik.
Am Opernhaus in Oslo: Norwegen holt in drei von fünf Kategorien die Bestnote

Am Opernhaus in Oslo: Norwegen holt in drei von fünf Kategorien die Bestnote

Foto: Jiri Vondrous / Zoonar / IMAGO

Die Demokratie ist einer aktuellen Studie zufolge weltweit auf dem Rückgang. Wie die britische »Economist«-Gruppe in ihrem jährlichen »Demokratieindex« ermittelte, lebten 2021 45,7 Prozent der Weltbevölkerung in irgendeiner Form einer Demokratie.

Das waren noch einmal deutlich weniger als 2020 mit 49,4 Prozent. In einer »vollständigen Demokratie« lebten sogar nur 6,4 Prozent, ein leichter Rückgang im Vergleich zum Vorjahr (6,8 Prozent). Weit mehr als ein Drittel der Menschen lebt in einer Diktatur – 37,1 Prozent bedeuteten ein leichtes Plus zu 2020. Der Anteil der autoritär regierten Staaten ist in den vergangenen Jahren stetig gestiegen.

Spitzenreiter bleibt Norwegen. Die Studie gab dem skandinavischen Land in drei der fünf Kategorien die Bestnote. Dahinter kletterte Neuseeland vom vierten auf den zweiten Platz, gefolgt von den übrigen nordischen Staaten Schweden, Finnland, Island und Dänemark. Deutschland liegt mit derselben Punktzahl wie im Vorjahr auf dem 15. Platz und gehört zur höchsten Kategorie der »vollwertigen Demokratien«.

Kritik übten die Autoren an zwei größeren Ländern in Europa. So stuften sie Spanien zu einer »mangelhaften Demokratie« herab. Grund war eine schwächere Einschätzung der Unabhängigkeit der Justiz wegen politischen Streits über die Ernennung von Richtern.

Klare Ansage in Richtung der Briten

Im Gegensatz dazu bleibt Großbritannien zwar eine »vollständige Demokratie«. Allerdings rutschte es in der Rangliste ab – mehrere Skandale hätten das Vertrauen in die Regierung untergraben, hieß es. Unter anderem steht der britische Premierminister Boris Johnson wegen der »Partygate«-Affäre seit Wochen in der Kritik. Einen Rücktritt, der auch in der eigenen Partei mittlerweile offen gefordert wird, lehnt er aber trotz aller Enthüllungen stur ab.

Vor allem China spiele eine unrühmliche Rolle, stellte der Bericht »The China Challenge« der EIU, der analytischen Forschungseinheit der »Economist«-Gruppe, fest. »China ist nicht demokratischer geworden, während es reicher geworden ist. Im Gegenteil, das Land ist unfreier geworden«, hieß es zur Begründung. Menschenrechtsaktivisten klagen über zunehmende Überwachung sowie Repressionen gegen Regierungskritiker, Andersdenkende und Minderheiten wie die muslimischen Uiguren.

jok/dpa